"Man muss mutig sein und neue Wege gehen"

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Die Drogeriekette dm ist seit 2013 als "familienfreundlich" zertifiziert und will in dieser Hinsicht nicht nur Vorreiter sein, sondern definiert Familienfreundlichkeit großzügig. In den Zertifizierungsprozess wurden die Mitarbeiter – 97 Prozent der dm-Beschäftigten sind Frauen – eingebunden und haben gemeinsam 26 Maßnahmen erarbeitet, die das Arbeits- und Privatleben in besseren Einklang bringen. Dazu gehören Gesundheitsthemen genauso wie ein umfangreiches Karenzmanagement oder die Verankerung des Themas auf Führungsebene. "Die Mitarbeiter müssen die Familienfreundlichkeit spüren", sagt Miriam Geyer und führt als Beispiel an: "Die Personalein- satzpläne bei dm macht nicht der Filialleiter, sondern das Team in der Filiale. Wir haben unzählige Arbeitszeitmodelle und soweit es möglich ist, nehmen die Teams auf Wünsche jener, die lieber vormittags oder lieber samstags arbeiten, Rücksicht."

Pilotprojekt Karenz-Mentor

Damit die Work-Life-Balance auch in den Köpfen der Führungskräfte ankommt, gibt es jährliche Weiterbildungen für alle 900 Manager und Filialleiter. Aber auch für Eltern gibt es firmeninterne Workshops zum Thema Zeitmanagement. Neu ist das Modell des Karenz-Mentors, der auf Wunsch während einer Baby- oder Bildungskarenz Kontakt zum Mitarbeiter hält, damit er oder sie am Laufenden bleibt und dann ein möglichst reibungsloser Wiedereinstieg möglich wird. "Wir bieten Väterkarenz proaktiv an und haben damit gute Erfahrungen gemacht. Auch viele unserer Filialleiter haben das in Anspruch genommen – dadurch werden Väter in Karenz bei uns langsam selbstverständlicher", so Miriam Geyer.
Und wie sieht es mit Führungspositionen in Teilzeit aus? "Auch das gibt es bei uns und es funktioniert sehr gut", erklärt Miriam Geyer. Üblicherweise seien Vertriebsmanager für rund zehn Filialen zuständig. "Wenn es um einen Teilzeit-Wiedereinstieg geht, dann schauen wir, dass die Filialen geografisch in der Nähe sind oder wir reduzieren auch die Anzahl der Filialen, für die der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin zuständig ist."

Eltern-Kind-Büro

Für einen Betriebskindergarten habe es zu wenig Nachfrage gegeben, was aber nun eingerichtet werden soll, ist ein Eltern-Kind-Büro, in dem Eltern im Bedarfsfall ihr Kind auch einmal mit an den Arbeitsplatz nehmen können. Und: Ihren "Mehr im Leben Tag" – das ist ein zusätzlicher Urlaubstag, den dm-Mitarbeiter erhalten, wenn sie ihn in den Dienst einer guten Sache stellen – können dm-Mitarbeiter auch für die Betreuung der Kinder von Kollegen nutzen. "Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht und werden das heuer etwa an Zwickeltagen oder schulautonomen Tagen, wenn es schwierig ist eine Kinderbetreuung zu organisieren, wieder anbieten."

Coaching im Krisenfall

Man müsse "mutig sein und neue Wege gehen", ist die Personalmanagerin überzeugt. Künftig werde kein Unternehmen darum herumkommen, sich um die "gesunde Mischung" aus Arbeits- und Privatleben seiner Mitarbeiter zu kümmern. Bei dm erhalten Mitarbeiter in privaten Krisensituationen – sei es durch einen Krankheitsfall oder einen Schicksalsschlag in der Familie oder durch eine belastende Situation wie eine Scheidung – etwa Coaching-Gutscheine bei externen Experten. "Es zählt nicht nur die Arbeitsleistung, jeder nimmt seine private Situation an den Arbeitsplatz mit. Und ja, natürlich kostet das etwas, aber es bringt uns auch sehr viel, ohne dass wir das jetzt auf den Euro durchgerechnet haben. Unterm Strich haben wir wenig Fluktuation und im Vergleich zu anderen Handelsunternehmen eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit", erklärt Miriam Geyer.

Lesen Sie auch: Damit es kein Spagat bleibt: Sozialwissenschafterin und Organisationsentwicklerin Birgit Buchinger im Interview über Frauen in Führungspositionen und die Balance zwischen Arbeit und Privatleben.

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