19.10.2016, 12:02 Uhr

Landestheater-Intendant zum Aus für Peter Blaikners Virginia Hill: "Es war eine schmerzvolle Entscheidung"

Musiker, Kabarettist und Musical-Komponist Peter Blaikner (Foto: Franz Neumayr)

Nach dem Bruch mit dem Landestheater will Peter Blaikner sein Stück im Jänner 2018 auf der Bühne des Kleinen Theaters zur Uraufführung bringen.

Knalleffekt beim Salzburger Landestheater: Intendant Carl Philip von Maldeghem ändert "aufgrund dramaturgischer Differenzen mit dem Autor (Peter Blaikner, Anm.) in der Entwicklung und Vorbereitung der Produktion Virginia Hill" das Programm: Am 1. April wird nicht Blaikners Theaterstück mit Musik über die Gangsterbraut vom Gaisberg Premiere feiern, sondern Michael Frayns „Noises off – Der nackte Wahnsinn“.

Blaikner zum Aus für das Stück beim Landestheater: "Ich verstehe es nicht ganz"

Die Enttäuschung bei Peter Blaikner ist groß, vor allem deswegen, weil er er das Aus für die Uraufführung im Landestheater nicht nachvollziehen kann. "Vom Regisseur sind immer wieder Änderungswünsche eingebracht worden, die ich – soweit sie möglich waren, auch berücksichtigt habe. Und im Theater ist es ja normal, dass man bis zur Premiere – und auch noch danach – Änderungen vornimmt. Nur: Sprünge durch Raum und Zeit verträgt das Stück nicht, es muss gradlinig erzählt werden. Und eine Uraufführung braucht immer die Handschrift des Autors. Als ich Carl Philip von Maldeghem dann das fertige Stück präsentiert habe, hat er gemeint, er könne damit nichts anfangen", so Blaikner. Es sei überlegt worden, einen anderen Regisseur zu engagieren – "aber dann wollte Maldeghem überhaupt nicht mehr."

Landestheater-Intendant: "Ich hätte mir gewünscht, dass wir gemeinsam vorankommen."

"Ich hätte mir gewünscht, dass wir gemeinsam vorankommen", sagt dazu Intendant Carl Philip von Maldeghem. "Es war eine künstlerische Entscheidung, due Zusammenarbeit zu beenden, und es war eine sehr schmerzvolle Entscheidung. Aber so wie das Stück war – und Peter Blaikner hat nur sehr homöopathische Änderungen zulassen – hätte es niemandem gutgetan. Es war nicht klar, was es ist: Es war keine Komödie, es war keine Tragödie. Die Figuren waren sehr oberflächlich, die musikalische Qualität hat nicht gestimmt", erklärt der Intendant.

Uraufführung im Jänner 2018 im Kleinen Theater

Jetzt sei er, Blaikner, dabei, "Virginia Hill" für die Bühne des Kleinen Theaters umzuschreiben. "Die freuen sich schon sehr darauf. Es wird weniger Personen auf der Bühne geben und keine Band – aber das Stück bleibt so, wie ich es konzipiert habe und wie es das Publikum verlangt: traditionell gebaut mit Dialogen und Liedern. Es ist eine gradlinige Geschichte, die berührend, spannend und witzig ist", kündigt der Autor an.

Von Maldeghem: "Wir werden uns beim Honorar einigen"

Kontakt mit dem Landestheater wird es dennoch geben, denn Blaikner will finanzielle Forderungen stellen. "Es gibt nicht nur einen Vertrag, sondern ich stehe ja auch allen anderen Künstlern im Wort: Konstantin Wecker hat die Musik fertig komponiert, ich habe Musiker mit dem Arrangement beauftragt, die Band engagiert, die sich Probentermine freigehalten hat etc. Die haben ja alle gute Arbeit geleistet und wollen bezahlt werden." Maldeghem habe angeboten, "einen Bruchteil – und da sind wir bei weniger als einem Viertel der vereinbarten Zahlungen" zu begleichen. Das sei aber definitiv zu wenig, so Blaikner.

Maldeghem dazu: "Es gab ein Auftragshonorar, und Peter Blaikner hat seinen Auftrag erfüllt – und ich gehe davon aus, dass wir uns mit ihm einigen werden."

Virginia Hill – das Stück von Peter Blaikner
In dem Schauspiel mit Musik von Konstantin Wecker und Peter Blaikner geht es um die unglaubliche, aber wahre Geschichte von Mafia und Gaisberg: Die mit reichlich Sex-Appeal ausgestattete und den finanziellen Zuwendungen der Mafia nicht abgeneigt gewesene Amerikanerin Virginia Hill hat sich nach zahlreichen, mal leidenschaftlichen, mal tödlichen Affären in den Skilehrer Hans Hauser von der Zistelalm am Gaisberg verliebt. In der Realität kamen das Paar sowie der gemeinsam Sohn unabhängig voneinander ums Leben. Im Stück wollte sie – um ihren kostspieligen Lebensstil aufrecht erhalten zu können – die Mafia erpressen.
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