01.02.2018, 09:39 Uhr

Bauchwandbrüche müssen nicht immer operiert werden

Die Oberärzte Franz Mayer und Michael Lechner mit Moderatorin Angelika Pehab.

Wie man einen Bauchwandbruch erkennt und welche Therapien sinnvoll sind, das erfuhren die Besucher beim Mini Med Studium.

SALZBURG (ap). "Der Leistenbruch zählt weltweit zu den häufigsten Operationen. 27 Prozent aller Männer und nur drei Prozent der Frauen erleiden zumindest einmal in ihrem Leben eine Leistenhernie", erklärt Dr. Michael Lechner, Chirurgie-Oberarzt der SALK im Rahmen des Mini Med Studiums im Hotel Heffterhof. Weitere häufige Bruchformen sind Narbenhernien, Nabelhernien und Zwerchfellbrüche.


Individuelle Therapien, auf den Patienten abgestimmt

"Durchaus relevante und daher im Zuge der Operationsvorbereitung im Idealfall zu verbessernde Risikofaktoren für Bauchwandbrüche sind Übergewicht, Diabetes, Rauchen, chronischer Husten, bestimmte Medikamente oder Über- bzw. Fehlbelastung", ergänzt Oberarzt Franz Mayer und stellt klar: "Es muss nicht jeder Bruch sofort operiert werden, vor allem bei Leistenbrüchen ist das Einklemmungsrisiko gering. In den meisten Fällen ist eine Hernie zudem schmerzfrei". Eine OP ist aber dennoch grundsätzlich ratsam, vor allem wenn typische Beschwerden auftreten, natürlich bevor Folgeschäden – wie beispielsweise Hautveränderungen im Bereich eines Bruchsackes - drohen, wenn der Bruch größer wird oder dieser mit einer Beeinträchtigung der Lebensqualität des Patienten einhergeht. "Heute werden die meisten Brüche mit Kunststoffnetzen versorgt. Ob der Eingriff minimal-invasiv oder mit einem Schnitt durchgeführt wird, hängt individuell von den Gegebenheiten ab. Nicht jede OP-Methode passt für jeden Patienten", gibt Mayer zu bedenken.

Eingriffe der Zukunft: Roboter im OP-Saal

An der Universitätsklinik Salzburg sind die Spezialisten Mayer, Lechner und ihre Kollegen auch immer öfter mit außergewöhnlich großen Brüchen konfrontiert. "Da der Bruch kaum schmerzt, warten Patienten oft zu lange, bis sie zu uns kommen", weiß Mayer und gibt Einblicke in die Zukunft der Hernienversorgung. Immer häufiger wird aktuell Botox eingesetzt, um vor der Operation eine vorübergehende Lähmung der seitlichen Bauchwandmuskulatur zu bewirken und damit überhaupt erst eine vollkommene Rekonstruktion der Bauchdecke erreichen zu können. Darüber hinaus wird in naher Zukunft ein Roboter im OP-Saal Einzug halten. "Damit können wir Chirurgen noch genauer operieren – benötigen vorab aber eine intensive Einschulung – quasi einen Roboterführerschein, um präzise Ergebnisse am Patienten erzielen und minimal-invasive Techniken weiterentwickeln zu können", verrät Mayer abschließend.


Der nächste Mini Med Vortrag in Salzburg findet voraussichtlich am Mittwoch, den 14. März im Hotel Heffterhof statt. Mehr Infos unter www.minimed.at.
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