07.04.2017, 14:33 Uhr

Demenz stoppen: Bahnbrechender Erfolg an der Universität Salzburg

Universitätsprofessor Hans Brandstetter hat gemeinsam mit seinem Team den erfolgreichem Wirkstoff gegen Alzheimer erforscht und entwickelt. (Foto: Kolarik)

Grundlagenforschung führt zu erfolgreichem Wirkstoff gegen Alzheimer.

SALZBURG (ap). Alzheimer- und Demenzerkrankungen stellen weltweit ein zunehmendes gesellschaftliches Problem dar.Für diese Demenzerkrankungen sind zwei Formen von Proteinverklumpungen im Gehirn charakteristisch, nämlich die außerhalb der Nervenzellen anzufindenden amyloiden Plaques und intrazelluläre, aus dem Tau-Protein gebildete Fibrillenstrukturen, sogenannte Tau-Tangles. Dementsprechend wird mit hohem Einsatz an Therapieansätzen gearbeitet, die vor allem auf die Vermeidung bzw. Beseitigung dieser Eiweißverklumpungen im Gehirn abzielen. Leider schlugen die bisherigen klinischen Versuche fehl, was das mangelnde Verständnis des Entstehungsmechanismus der Plaque- und Tangle-Bildung widerspiegelt.

Forscherquartett aus Salzburg

Zusammen mit einer Arbeitsgruppe an der amerikanischen Emory University gelang nun Wissenschaftlern am Fachbereich Molekulare Biologie der Universität Salzburg ein vielversprechender Durchbruch im Verständnis des Krankheitsverlaufs. Hans Brandstetter, Chiara Cabrele, Elfriede Dall und Mario Schubert konnten zeigen, dass das Enzym Legumain unter bestimmten Bedingungen sowohl bei der amyloiden Plaque- wie bei der Tau-Tangle-Bildung beitragen kann. „Die Faszination der Entdeckung besteht darin, dass nun zum ersten Mal verständlich wird, warum Demenzerkrankungen erst im Alter auftreten, weil nämlich der pH im Gehirn dann geringfügig saurer wird – was allerdings eine entscheidende Voraussetzung für die (Fehl-)Funktion des Enzyms Legumain darstellt“, so Hans Brandstetter. Diese Beobachtung lieferte den Forschern einen schlüssigen Therapieansatz für Alzheimererkrankungen: Die gezielte Hemmung von Legumain müsste die Entstehung der Proteinverklumpungen verhindern und deren Auflösung unterstützen, damit also das Fortschreiten der Demenzerkrankung stoppen oder die Symptome sogar wieder verbessern.

Bisher gibt es keinen vergleichbaren Wirkstoff

Bei der Umsetzung dieses Ansatzes gelang den Salzburger Forschern zusammen mit ihren amerikanischen Kollegen, einen selektiven Legumain-Hemmstoff zu entwickeln, der zunächst im Reagenzglas die Reaktion des Enzyms Legumain drosselt. Auch bei Alzheimer-Mäusen, die mit dem Wirkstoff behandelt wurden, konnte nicht nur das weitere Fortschreiten der Demenzerkrankung verhindert werden, sondern auch eine signifikante Verbesserung der Symptome erzielt werden.
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