09.02.2017, 08:49 Uhr

Die Haut – der Spiegel der Seele

Der Vorstand der Uniklinik für Dermatologie der SALK, Johann Bauer, referierte im Rahmen des MINI MED Studiums in Salzburg über den Zusammenhang von Hauterkrankungen und Psyche – im Bild mit Moderatorin Angelika Pehab. (Foto: Sabine Bernetstätter)

Rote Flecken, Stigmatisierung, gesellschaftlicher Druck: Welch großen Einfuss die Psyche auf die Haut und deren Erkrankungen hat, führte Professor Johann Bauer beim MINI MED Studium aus.

SALZBURG (ap).SALZBURG (ap). "Die Haut ist das größte Organ des menschlichen Körpers. Sie ist nicht nur Spiegel der Seele, sondern hat auch eine wesentliche Schutzfunktion", erklärt der Vorstand der Universitätsklinik für Dermatologie der SALK, Johann Bauer zu Beginn des MINI MED Studiums in Salzburg.

"Die Psyche hat einen großen Einfluss"

Die Haut befindet sich in stetiger Wechselbeziehung zur Psyche. Als Sinnesorgan empfängt sie unzählige Eindrücke von der Außenwelt. Andererseits offenbart sie unentwegt Gefühle, Emotionen, Stimmungen und Affekte sowohl in ihrer Gesundheit als auch in ihrer Krankheit. "Rote Flecken lösen durchaus Umweltreaktionen aus. Die Leute erschrecken beim Anblick, es kommt zur Stigmatisierung, die im Gehirn Reaktionen auslöst, welche die Hauterkrankung verstärken", weiß der Dermatologe und demonstriert dies anhand von Beispielen wie Nesselsucht, Schuppenflechte und Neurodermitis.

Wie diese Hautkrankheiten entstehen

Das Ausbilden von Hauterkrankungen wie Schuppenflechte oder Neurodermitis hängt zusammengefasst von drei Faktoren ab: "Zum einen sind das Genetik und Immunologie, zum zweiten ist es die Umwelt mit ihren Einflüssen und als dritten Faktor sehen wir eben auch die Psychologie", so Bauer, der darüber hinaus auf die Forschungsarbeit bezüglich dieser Thematik in Salzburg verweist.

Therapie und Behandlungsmöglichkeiten

"Während man bis vor zehn Jahren mit dem Auftragen von Teer große Erfolge in der Therapie gegen Schuppenflechte erzielt hat, gibt es mittlerweile gute Möglichkeiten in der Salbentherapie oder mit der Anti-Zytokin-Therapie via Spritze", weiß Bauer. Bei Nesselsucht können Antihistaminika, Kortison, Immunsuppressiva oder Antikörper Linderung bringen. Scheinen klassische medikamentöse Behandlungs- methoden erfolglos zu bleiben, könnten Hauterkrankungen durch eine Beeinflussung des psychischen Zustandes verbessert werden. Diese Patienten bedürfen daher nicht bloß der fachlichen Kompetenz und Empathie des Behandlers, sondern brauchen auch in einem hohen Maß das Mitgefühl und das Verständnis ihrer Mitmenschen.

ZUR SACHE:

SCHUPPENFLECHTE
Etwa jedem 50. Österreicher macht Schuppenflechte (Psoriasis) zu schaffen. Diese chronische Erkrankung ist oft sehr belastend. Sie verläuft schubartig, die Haut ist sichtbar gerötet und schuppt. Dazu kommt, dass etwa jeder 5. Psoriatiker eine Gelenksentzündung (Psoriasis Arthritis) entwickelt. Den Betroffenen stehen zahlreiche Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die die Erkrankung lindern können. Individuell abgestimmte Hautpflege und ein möglichst stressarmer Alltag beeinflussen das Hautbild positiv. Eine vollständige Heilung gibt es derzeit jedoch nicht. Schuppenflechte kann sich auf den Ellbogen, den Knien, den Beinen, in der Kreuzregion auf der Kopfhaut bilden.
Sehr grob gesprochen ist die Psoriasis im Wesentlichen eine Entzündung der Haut und eine „falsche“ Antwort des Immunsystems, die wiederum zu einer „Überproduktion“ von Hautzellen oder den Pusteln führt. Zahlreiche „Trigger- faktoren“ wie eine mechanische oder chemische Belastung der Haut, Infektionskrankheiten, Stress, bestimmte Medikamente und Alkohol spielen beim Auslösen der Krankheit, aber auch bei Krankheitsschüben eine Rolle.
Neben Salben und Lotionen können unter anderem auch Photoherapie mit ultraviolettem Licht – unter Umständen in Kombination mit Tabletten, die die Lichtwirkung unterstützen, oder mit Bädern in Salzwasser (Sole) – Linderung bringen.

NESSELSUCHT

Nesselsucht (Urtikaria) ist eine der häufigsten Hauterkrankungen. Während des Lebens bilden sich bei jedem Vierten mindestens einmal die stark juckenden Quaddeln. Oft entstehen sie als allergische Reaktion, können aber auch durch Infekte, durch Wärme, Kälte oder Druck ausgelöst werden. Häufigste Form ist die akute Nesselsucht, die bis zu sechs Wochen anhält und spontan wieder abheilt. Dabei variiert das Erscheinungsbild von stecknadel- bis zu handteller- großen Erhebungen, die am ganzen Körper verteilt auftreten können und rot umrandet sind. Besteht die Nesselsucht länger als sechs Wochen, spricht man von chronischer Urtikaria. Der juckende Ausschlag ist lästig, aufgrund der spontanen Abheilung aber ohne Folgeschäden und nicht gefährlich. Das typische Erscheinungsbild reicht dem Hautarzt als Diagnose oft aus, um eine symptomatische Behandlung mit Salben und Tabletten einzuleiten.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.