07.11.2017, 09:00 Uhr

Immer nur Vollgas ruiniert den Motor

Verena Sztatecsny und Alexandra Knopp leiten als Geschäftsführerinnen die Wendepunkt Gesundheit GmbH. (Foto: Wendepunkt Gesundheit)

Versorger, Leistungsträger, Held – wie können Männer diese Mehrfachbelastung leichter stemmen?

SALZBURG (buk). "Ein Auto, das permanent bei schlechter Wartung auf Vollgas gefahren wird, weist bald Mängel auf", erzählt Alexandra Knopp. Die Spezialistin für mentale und emotionale Gesundheit ist Geschäftsführerin von Wendepunkt Gesundheit und spielt damit darauf an, dass auch Leistungsträger lernen müssen, wie sie intelligent mit ihrer Gesundheit umgehen können. Dass es sich hierbei keinesfalls um Schwächen handelt, beweisen Spitzensportler: Auch diese setzen auf Mentalcoaching.

Männer sind mehrfach belastet

Dass vor allem Männer hier gefährdet sind, liegt meist an der Mehrfachbelastung: Job, Hausbau, Finanzen und hohe Ansprüche an sich selbst sind ein ordentliches Paket, das es erst einmal zu schultern gilt. "Viele haben einen sehr hohen Perfektionsanspruch und befinden sich in einem permanenten Kräftemessen", weiß Knopp. Das beginnt bei Männern bereits im Kindesalter. Auch Hobbys, die beim Abschalten durchaus helfen könnten, werden gerade von Männern häufig ebenfalls mit Leistungsdruck verbunden. "Oft geht es nicht darum, die eigene Fitness zu erhöhen, sondern etwa einen Triathlon möglichst schnell zu bewältigen – und das bedeutet: weiterer Stress." Darüber hinaus kann das "starke Geschlecht" den persönlichen Zustand oft nicht formulieren. "Männer kennen im Schnitt zehn Worte für Gefühle, Frauen rund 25", so Knopp.

Kreativität kann schwinden

Wenn alles zu viel wird, kann sich das auch körperlich äußern. Meist steckt ein konkreter Anlass, z.B. eine Scheidung oder ein Jobwechsel, dahinter, wenn wirklich alles zum Schlechteren kippt. Die Leistungsfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit nehmen ab, die Kreativität schwindet, Fehler nehmen zu und die zwischenmenschliche Kommunikation wird schwieriger. "Ernst zu nehmende Anzeichen sind auch Schlafstörungen, Depressionen oder ein verändertes Essverhalten", erklärt der Businesscoach. Häufig beginne damit ein Teufelskreis: Fünf Kaffee am Morgen anstatt zwei, um sich zu pushen, im schlimmsten Fall kombiniert mit Alkohol am Abend, um "entspannen und schlafen zu können". Bei Rauchern steigt auch der Zigarettenkonsum.

"Müssen uns bewusst bremsen"

Doch warum sollten Leistungsträger in Unternehmen schlechter dran sein als Spitzensportler? Diese haben einen ganzen Stab an Ärzten, Physiotherapeuten und Coaches. "Auch außerhalb des Sports dürfen Männer einen Betreuungsstab haben, der sich um die ganzheitliche Gesundheit kümmert", ist Knopp überzeugt. Wer nicht auf einen Coach vertrauen will oder kann, hat auch selbst zahlreiche Möglichkeiten, um sich fit zu halten – mental wie körperlich.

"Single-Tasking" in den Vordergrund

Um sich "bewusst zu bremsen" helfen etwa kaltes Wasser, das man über die Handgelenke laufen lässt, die Zunge an den Gaumen zu pressen oder sich darauf zu konzentrieren, exakt sechs Atemzüge innerhalb einer Minute unterzubringen. Darüber hinaus sollte "Single-Tasking" im Vordergrund stehen: Auf eine Sache konzentrieren, um der Ablenkung, dem "Killer Nummer eins", ein Schnippchen zu schlagen. "Vor allem basale Bedürfnisse dürfen nicht ewig hinausgeschoben werden. Selbst ein nagelneuer Bentley wird ohne ausreichend hochwertiges Öl keinen Meter unbeschadet fahren", erklärt Knopp.

Stress lässt sich sichtbar machen

Sollte der Motor tatsächlich einmal nicht mehr hergeben als ein zaghaftes Stottern, ist es beim Menschen nicht zu spät, sein Betreuerteam noch zu erweitern. Neben dem Besuch beim praktischen Arzt – um körperliche und psychische Symptome abklären zu lassen – empfiehlt sich die Suche nach einem passenden Coach, Psychotherapeuten oder Psychologen. Dieser sollte neben entsprechender Empathie auch eine fundierte Ausbildung mit einem ganzheitlichen Ansatz mitbringen. Zudem lässt sich Stress sogar mittels EKG, Blutanalyse oder Speicheltest sichtbar machen. Vielleicht entsteht dadurch eine neue Challenge, wenn man die Werte mit jenen der Kollegen vergleicht. Wer schaffft es schneller aus dem gesundheitsschädlichen Bereich heraus?


Hier geht's zum Artikel "Gelegentlich zwei Stunden abhängen ist superwichtig"

____________________________________________________________________________________
DU möchtest täglich über aktuelle Stories informiert werden? Melde Dich zum kostenlosen "Whats-App“-Nachrichtendienst der Bezirksblätter Salzburg an! Alle Infos dazu gibt's hier: meinbezirk.at/1964081.
ACHTUNG: Erst nach erfolgreich übermittelter Start-Nachricht ist der Dienst aktiv!
1
Einem Mitglied gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.