04.10.2016, 17:00 Uhr

Vergessener Schatz – der Gesundbrunnen in Aigen

Heute wieder eine beschauliche und ruhige Gegend: Schlossherr Landolf Revertera vor der Quelle des einst berühmten Aigner Wassers.

Als Naherhohlungsgebiet am Rand der Stadt Salzburg ist der Aigner Park ein Anziehungspunkt für Naturliebhaber.

Die ausgedehnten Gärten waren schon Ende des 17. Jahrhunderts ein beliebter Platz für Spaziergänger, aber auch für engagierte Landschaftsmaler. Als sich gegen 1750 in Europa die Vorliebe für den „englischen Garten“ durchsetzte, war es Graf Lodron, der als einer der ersten seinen Park nach englischer Art gestalten ließ: Weite Grünflächen, Natürlichkeit und abwechslungsreiche Ausblicke zur Festung Hohensalzburg oder in das Hochgebirge rund um die Stadt machten aus dem Park eine Art begehbares Landschaftsgemälde.

Gegen Verstopfungen des Gehirns

Zur touristischen Sehenswürdigkeit wurde das Areal, nachdem der Salzburger Domherr Ernst Fürst zu Schwarzenberg 1804 das Ganze käuflich erworben hatte. Der Weg durch die untere Grotte – auch „Hexenloch“ genannt – oder die obere Grotte, das „Fuchsloch“ und das damals oberhalb der einstigen Mühle neu errichtete Badhaus samt Badegästehaus machten aus dem Aigner Park eine Art romantischen Erlebnispark. Schwarzenberg ließ neben dem bestehenden Badstöckl – einem beheizbaren Baderaum mit sieben abschließbaren Badkammern – ein nicht beheizbares Gesellschaftszimmer, vier heizbare und ein nicht heizbares Gastzimmer, eine Küche, eine Speis, eine Kammer sowie einen Keller bauen.
Vor allem dem Aigner Wasser wurden heilsame Wirkungen nachgesagt – die freilich einen empirischen Beweis schuldig blieben. „Das heutige Gasthaus war mehr oder weniger eine Kuranstalt und sämtliche gekrönten Häupter, die etwas auf sich hielten und zur Erholung nach Bad Gastein fuhren, machten in Aigen Station“, erzählt der heutige Besitzer von Schloss Aigen, Landolf Revertera.

Nach dem Bad nichts Unzüchtiges

Johann Paul Zangmeister, der Leibarzt von Erzherzog Ferdinand I. von Österreich, soll in dem Quellwasser Alaun, Saliter, Schwefel, Lapis Calmiaris sowie Gips und Letten festgestellt haben. Als Bad- und Trinkkur angewendet, helfe die Quelle unter anderem bei Kopfweh, Schwindel, Ohrensausen, Schlaganfällen und „Verstopfungen des Gehirns“, so seine Erkenntnisse. Als Kurdauer empfahl er 21 Tage, wobei die Badedauer in der ersten Woche langsam zu steigern sei und in der dritten Woche ebenso langsam wieder abgeflacht werden sollte. Und noch ein Rat von Zangmeister: Nach dem Bade sollte man schwitzen und die Wirkung keinesfalls mit „unzüchtigen Sachen ... kaltem Essen und Schlaftrinken verderben“.

In den beiden Gästebüchern aus den Jahren 1814 bis 1842 – die Bücher befinden sich heute im Schwarzenberg-Archiv auf Schloss Murau in der Steiermark – finden sich Namen wie jener der Zarin Elisabeth, die am 7. Juni 1815 in Aigen zu Gast war. Sieben Jahre später schrieb sich Zar Alexander I. anlässlich einer Reise zum Fürstenkongress nach Verona als Besucher ein. Kaiser-Gemahlin Carolina Augusta kam 1837 mit ihrem Verwandten, König Ludwig I. von Bayern. Vor allem König Ludwig war ein großer Fan von Aigen – er war es auch gewesen, der 1814 das erste Gästebuch mit einem Gedicht eröffnete.

Außerdem im Gästebuch eingetragen: Kaiser Ferdinand I. von Österreich, der damals (1840) zehnjährige Erzherzog und spätere Kaiser Franz Joseph I., Kaiser Napoleons Gemahlin Marie-Luise, Königin Karoline von Bayern, Königin Friederike von Schweden – die in Begleitung von vier Prinzen am 22. September 1828 nach Aigen kam. Neben nahezu allen Erzherzoginnen und Erzherzogen des Hauses Habsburg besuchte auch die Herrscherhäuser von Württemberg, Bayern oder den Niederlanden regelmäßig den Aigner Park. Klemens Fürst Metternich kam einmal in Begleitung des russischen Zaren und einmal mit Erzherzog Johann nach Aigen. Nicht ins Gästebuch eingetragen, aber auf der Hochzeitsreise in Aigen Station gemacht haben Otto Graf Bismarck, der spätere Fürst und deutscher Reichskanzler mit seiner Gemahlin Johanna im August 1847.
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