04.02.2018, 22:49 Uhr

Literarisch-musikalisches Doppel: Harald Martenstein und Georg Clementi

Harald Martenstein, Star-Kolumnist der ZEIT, zu Gast im Emailwerk in Seekirchen. (Foto: Leo Fellinger)

Martenstein liest, Clementi singt Zeitlieder – A Dream-Team is born! Der Star-Kolumnist der ZEIT und der preisgekrönte Chansonnier trafen sich in Seekirchen zum literarisch-musikalischen Schlagabtausch.

„Hüte dich vor deinen Träumen – sie könnten in Erfüllung gehen...“ sagt ein Sprichwort. So passiert am vergangenen Samstag im Emailwerk in Seekirchen. Für Georg Clementi, Schöpfer der Zeitlieder, ging ein Traum in Erfüllung. Er stand mit Harald Martenstein, dem Star-Kolumnisten der renommierten Hamburger Wochenzeitung Die ZEIT auf einer Bühne. Dort lieferten sich die beiden ein literarisch-musikalisches Doppel erster Güte - "eine Welt-Premiere", wie Clementi schmunzelnd bemerkte. Das Konzert in Leipheim in Deutschland am Vorabend sei sozusagen die Generalprobe gewesen. Der in Salzburg lebende Chansonnier lässt sich bei seinen Zeitliedern von Texten aus der ZEIT inspirieren und macht Lieder daraus. „Wie viel Klugheit in so einer silbernen Scheibe steckt!“ begeisterte sich einmal der Journalist Heinz Bayer. Drei CDs gibt es mittlerweile davon, unprätentiös Zeitlieder, Zeitlieder 2 und Zeitlieder 3 genannt.
Faszinierend zu erleben, welcher Originaltext den Liedern zugrunde liegt. „Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass man aus meinen Kolumnen Lieder machen könne“, meinte Martenstein. Und noch so gute dazu, muss man hinzufügen. Martenstein ist nicht nur ein exzellenter Schreiber und ebensolcher Interpret, sondern auch ein begnadeter Provokateur. In einem seiner Texte entdeckte er im Islam den neuen Punk und behauptete: „Das Kopftuch entfaltet eine radikalere Wirkung als ein Dieter-Bohlen-Tattoo.“ Was für Clementi der Auslöser war, die Welt aus der Sicht der 17-jährigen Amelie-Sophie zu betrachten. Ein Geniestreich, der in der direkten Gegenüberstellung der Texte noch deutlicher wird. Eine weitere Kolumne von Martenstein, die er bereits vor einigen Jahren geschrieben hat, ist aktueller denn je zuvor. Aus „Über die Angst von Komplimenten“ wurde ein Lied über die Nöte eines verunsicherten Mannes in Zeiten der Political Correctness. „Küsse die Hand, Madame“ ist der Titel. In „Mir ist alles egal“ philosophieren beide über Skandale und den Untergang der Welt. Worüber kann sich heutzutage noch aufregen?
Das Programm wirkte wie aus einem Guss. Texte und Lieder – Clementi wurde dabei von Sigrid Gerlach am Akkordeon und Ossy Pardeller an der Gitarre begleitet – wechselten einander harmonisch ab. Dazwischen gab es kleine witzige Plaudereien.
Den frenetischen Applaus mussten sich die Künstler teilen. Es blieb zum Glück genug für jeden.
PS: Auf der Homepage www.zeitlieder.de lassen sich nicht nur die Liedtexte, sondern auch die ideenspendenden Originale aus der ZEIT nachlesen.
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