02.06.2017, 19:11 Uhr

Ausstellung: ŁUKASZ PATELCZYK „CONSTELLATIONS” - Galerie Sandhofer

Wann? 20.08.2017 17:00 Uhr bis 20.08.2017 19:00 Uhr

Wo? Galerie Sandhofer, Dietrichsteinstr. 6A, 5020 Salzburg AT
"Silence" 2016, Łukasz Patelczyk, 130x150cm, Oil on Canvas
Salzburg: Galerie Sandhofer | Zur Ausstellungsseite

Die Ausstellung läuft noch bis Sonntag, den 20. August 2017

Öffnungszeiten: Montag - Freitag 17.00-19.00 Uhr, Samstag nach tel. Vereinbarung

In der Galerie Sandhofer sehen wir diesmal Werke von ŁUKASZ PATELCZYK mit dem bezeichnenden Titel „CONSTELLATIONS”

„Jedes echte Kunstwerk wird in geweihter Stunde empfangen und in glücklicher geboren, oft dem Künstler unbewußt, aus innerem Drang des Herzens.” Mit solchen Worten definierte der berühmteste Maler der Romantik, Caspar David Friedrich, das Wesen der Kunst. Hat sich etwas seit dieser Zeit verändert? Sind die Worte des aus dem XIX. Jahrhundert stammenden Künstlers noch immer aktuell? Gemeinsam mit Łukasz Patelczyk versuchen wir diese Frage während seiner aktuellen Ausstellung „Constellations” in der Galerie Sandhofer zu beantworten.

Romantische Maler waren mit der idealistischen Philosophie verbunden. Ihre Landschaftskompositionen zeigten durch Festhalten der Zustände der Natur auf den Leinwänden das Innenleben des Menschen. Ruhe, Raum, Stille verweisen auf die Würde und Größe der menschlichen Seele, laden den Betrachter zur Kontemplation ein. Die Natur übernimmt hier die Rolle des Symbols mit einem extrasensorischen und transzendenten Ursprung.
Die Werke von Łukasz Patelczyk sind jedoch nicht nur Präsentationen der Natur mit einer romantischen Tiefe. Es sind die der Ausstellung den Titel gebenden Konstellationen, welche seinen Bildern den besonderen Charakter und den auf dem Kunstmarkt wiedererkennbaren Stil verleihen.

Wenn wir uns durch die künstlerische Welt der Vision von Patelczyk bewegen, bemerken wir als erstes den Kontrast zwischen der ersten und zweiten Ebene, eine sehr klare Aufteilung, welche eine Disharmonie in der Rezeption des Betrachters bewirkt. In seinen Kompositionen fühlen wir die Spannung – es ist daher eine Überlegung wert, warum der Künstler diese Disharmonie erreichen wollte. Dazu wollen wir uns die Konstruktion der Werke ansehen und deren Auswirkungen auf unsere Wahrnehmung untersuchen.

Die zweite Ebene der Gemälde des Künstlers zeigt in der Regel eine Landschaft, und besonders das beliebte Nocturne. Es ist realistisch dargestellt, fast akademisch, ist reich an Textur, mit einer klaren Quelle von Licht und Schatten. Gleichzeitig ist die angewandte Farbgebung recht begrenzt und erschließt sich in einer monochromatischen Palette - den schwarzen, dunklen Blau- und Brauntönen, mit milden und warmen, gedämpften Tönen. Der Hintergrund vermittelt ein Gefühl der Unruhe, trotz der Verwendung des Themas Natur, das vor allem im Bild „The Gate“ sichtbar wird. Wir haben hier das buchstäbliche Gefühl der „Ruhe vor dem Sturm“ - das Meer wird bald unruhig und der Wind wird einen Sturm verursachen. Die Vorliebe des Künstlers für dunkle, mysteriöse, beunruhigende, Neugier oder Sorge weckende Szenen verleiht seinen Landschaftskompositionen scheinbare Statik.

Die Zusammensetzung der ersten Ebene, so charakteristisch für die Art des Künstlers, ist in der Regel eine geometrische Figur, ein Abschnitt oder ein unregelmäßiger Farbfleck in einer gleichförmigen, in der Regel weißen Farbe (zB auf dem Bild „Spirit“ ein weißer Fleck vor dem Hintergrund des nächtlichen Waldes, einen Geist suggerierend). Dies kann eine an mehreren Stellen unterbrochene Linie sein oder Fantasiefiguren. Diese geometrische oder unregelmäßige Form ist ein Erkennungszeichen des Künstlers. Er bezeichnet sie als „Konstellationen“, und sie sind wie im Fall von einigen Werken (zB „Predatory Plant” - „Räuberische Pflanze“) eine direkte Reflexion des Titels. Der Künstler suggeriert ganz klar, dass die erste Ebene hier Ton angebend ist, es ist ein wesentlicher Schlüssel, um die zweite Ebene zu verstehen. Er bedeckt, man könnte auch sagen, zensuriert das von ihm gemalte Landschaftsbild. Bei einer anderen Gelegenheit, wie bei der Arbeit „Tatra and their Dangerousness”, ist die zweite Ebene die Inspiration für den Namen des Bildes. Seine mathematischen Beobachtungen sind in der Realisierung seiner Werke spürbar. Die Linien der „Konstellation“ überschneiden oder verbinden sich miteinander nicht zufällig – ein wunderbares Beispiel dafür ist das Bild „Silence“, es verrät uns die Leidenschaft des Künstlers für den Himmel von der Erde aus betrachtet, aber auch für die erweiterte, kosmische Perspektive.

Das Verbinden von geometrischen Figuren mit realistischem Hintergrund ist originell und nicht offensichtlich. Die Kombinationen dieser beiden Ebenen ist schwer zu entziffern. Der Autor lässt dem Betrachter Raum für eine eigene Interpretation. Im Gemälde „Dark Night“ besteht die zweite Ebene aus Bäumen vor dem Hintergrund eines bewölkten Nachthimmels. Das Geheimnis der Komposition ist die erste Ebene – die Amplifikation von mehreren überlappenden weißen geometrischen Figuren, die an die Form von unregelmäßigen, länglichen Dreiecken erinnern. Vielleicht sollen sie ein nahendes Gewitter und Blitzschlag auf dem Himmel suggerieren oder einen Vogelschwarm, der nahe der Erde fliegt, vor dem ersten Donner.

Die Spannung, außer dem farblichen, thematischen und strukturellen Kontrast zwischen den beiden Ebenen wird durch die Größe der Leinwände erhöht. Die meisten der in der Ausstellung präsentierten und in horizontalem Format verplanten Werke haben mehr als einen Meter Breite. Ihr Sinn, die Tiefe und alle Nuancen bemerken wir in erster Linie aus der Entfernung - dann öffnet sich vor dem Betrachter die gesamte Komposition in voller Pracht.

Die Malerei Patelczyks ist in ihrer Form sehr konstant, auch wenn die in der Ausstellung präsentierten Werke aus verschiedenen Jahren und verschiedenen Zyklen stammen. In jedem Bild mischt sich Realismus mit Abstraktion. In natürliche Landschaft dringt eine durch menschliche Hand erzeugte fremde Existenz – die Konstellation. Alle diese Werke haben Eines gemeinsam: Den Friedrich´schen „inneren Drang des Herzens”.

Sandra Zagajna
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