01.11.2016, 07:00 Uhr

Ein Bild muss mich berühren

Karin Rehn-Kaufmann, Chefin der Leica Galerien (Foto: Franz Neumayr)

Leica-Galerien-Chefin Karin Rehn-Kaufmann über gute Fotos, Snapchat und Anthroposophie.

Seit der Eröffnung vor acht Jahren leiten Sie die Leica Galerie Salzburg. Ihr Mann Andreas Kaufmann ist Leica-Vorstandsvorsitzender. Lag das Thema Fotografie im Allgemeinen und Leica im Besonderen bei Ihnen aus persönlichen Gründen nahe?
KARIN REHN-KAUFMANN:
Als unsere Vermögensholding ACM 2004 Leica übernommen hat, stand das Thema der Fotografie als Frage im Raum. Es existierten damals bereits einige Leica Galerien weltweit, aber wir wollten das Konzept direkt auch hier in Salzburg installieren. Ich selbst habe einige Male in meinem Leben den Beruf gewechselt und sah diese Chance als neue Herausforderung an.

Was ist das Konzept der Leica Galerie?

KARIN REHN-KAUFMANN: Leica fühlt sich seit mehr als 100 Jahren für die Kulturgeschichte der Fotografie verantwortlich. Wir leben die Kultur des Bildes in unseren Galerien weltweit, wie auch in vielen unterschiedlichen Fotografieprojekten. Unsere Leica Galerien fokussieren sich auf die Kultur der Bilder und haben sich als Fotogalerien auf dem allgemeinen Kunstmarkt etabliert. Eine Leica Galerie sollte auch den Flavour eines Landes haben. Die Galeristen sollen vor Ort nach Fotografen suchen. Wir haben aber auch Ausstellungen, die durch alle Leica Galerien touren, wie etwa unseren Oskar Barnack-Preis. Ein Pool an fertigen Ausstellungen steht den Galerien in unserem Headquarter in Wetzlar zur Verfügung.

Wie ist es Ihnen damit in Salzburg ergangen?
KARIN REHN-KAUFMANN: Das Salzburger Publikum ist eher traditionell, das Bewusstsein dafür, dass Fotografie Kunst ist und einen Wert besitzt, hat anfangs gefehlt. Aber inzwischen hat die Fotografie auch hier ihren gleichwertigen Platz gefunden. Das war Überzeugungsarbeit und es hat ein bisschen gedauert. Wir haben Kooperationen in Form von Leica-Galerie-Standorten in Salzburg noch mit Schloss Arenberg, den Salzburger Festspielen, Sport und Mode Reyer in Hallein und dem Salzburger Heimatwerk.

Das sind dann aber nicht immer Leica-Bilder?

KARIN REHN-KAUFMANN: Ich würde sagen, zu 80 Prozent. Aber wenn Bilder gut sind, lasse ich mich gerne überzeugen und stelle auch Nicht-Leica-Bilder aus.

Was ist ein gutes Bild?
KARIN REHN-KAUFMANN: Zunächst muss mich ein Bild emotional berühren und dann schaue ich genauer hin. Ein gutes Bild lässt mich zwei oder drei Mal hingucken. Deswegen bleibe ich hängen. Für mich besteht ein gutes Bild aus einer Komposition, die unter anderem aus Licht und Schatten bestehen kann. Ein Bild, das mich bewegt, bleibt mir in Erinnerung. Aus diesen Erinnerungen gestalte ich mir mein persönliches Fotoarchiv, das ich jederzeit aus meinem Gedächtnis abrufen kann. Das ist der Gegenpart zu Snapchat.

Sie verwenden Snapchat?

KARIN REHN-KAUFMANN: Oh Gott, nein. Das machen meine Kinder, nicht ich. Wir werden heutzutage ja zugemüllt mit Bildern.

Fotografieren Sie selbst?
KARIN REHN-KAUFMANN: Ich habe ein Huawei-Handy, das zwei Leica-Linsen eingebaut hat: eine Schwarz-Weiß-Linse und eine Farb-Linse. Damit mache ich Bilder, die mir als Erinnerungsstütze, so wie eine Art Tagebuch, dienen. Natürlich besitze ich auch Leica-Kameras, mit denen ich fotografiere, habe aber leider wenig Zeit dazu, da ich täglich viele Bilder von Fotografen anschauen muss.

In den Leica Galerien stellt die Elite der Fotografie aus. Sind Fotografen besondere Menschen?
KARIN REHN-KAUFMANN: Es ist immer wieder spannend, Fotografen zu begegnen. Ich sage immer: Werde Fotograf und du lebst länger (lacht). Fotografen gehen mit einem so wachen Auge durchs Leben – es ist erstaunlich, wie fit die auch noch im hohen Alter sind.

Leica Galerien gibt es in den USA, Japan, Sao Paolo, Istanbul und in mehreren europäischen Städten. Am ersten Dezember eröffnet die weltweit 16. Leica Galerie im portugiesischen Porto. Sind Sie für diese Galerien viel unterwegs?
KARIN REHN-KAUFMANN: Ja, schon. Aber nicht nur für die Galerien. Ich bin ja für die Leica-Kulturprojekte weltweit verantwortlich. Wir haben aber ein wunderbares Netzwerk von engagierten Galeristen weltweit, die ich gerne besuche und mit ihnen ins Gespräch komme.

Das Ziel Ihrer Galerien ist es, Fotografie zu verkaufen. Wieviel muss man dafür hinlegen?
KARIN REHN-KAUFMANN: Zunächst einmal ist das Ziel, gute und qualitativ hochwertige Bilder auszustellen. Natürlich freut sich jeder Galerist, wenn er erfolgreich verkauft. In unseren Galerien bieten wir nur limitiere Editionen an. Je niedriger die Edition eines Bildes, desto höher ist der Preis. Sie bekommen in meiner Galerie aber auch schon Bilder ab 300 Euro. Natürlich bieten wir auch hochpreisige Bilder an. Bei unseren Ausstellungen – wie jener von Craig Semetko, den wir derzeit in Salzburg zeigen – liegen wir bei etwa 1.000 Euro pro Fotografie. Wir haben aber nicht nur unseren Galeriebetrieb, sondern bieten auch viele unterschiedliche Workshops an. Wir wollen ein Begegnungsort für Themen rund um die Fotografie sein.

Sie und Ihr Mann haben drei mittlerweile erwachsene Kinder. Wie findet man das rechte Maß zwischen Arbeit und Familie?
KARIN REHN-KAUFMANN: Ich konnte mir meine Zeit frei einteilen, obwohl ich auch immer berufstätig war. Dabei kein schlechtes Gewissen zu haben, das habe ich erst geschafft, als die Kinder aus dem Haus waren. So ehrlich muss man sein. Weil ich auch sehr gerne Mutter war.

Sie stammen aus einer anthroposophisch orientierten Familie – führt man mit diesem Hintergrund ein Unternehmen anders?
KARIN REHN-KAUFMANN: Anthroposophie und Gewinn- orientierung widersprechen einander nicht, aber ja, das bringt eine gewissen Lebenseinstellung mit sich. Ich war Waldorfschülerin und bin immer gerne in die Schule gegangen. Ich habe weder Marketing noch Kunstgeschichte studiert – die Bereiche, in denen ich heute tätig bin – und vermisse manchmal bei jenen, die das doch studiert haben, eine gewisse Lebensnähe, ein Gespür dafür, was die Situation braucht. Wenn man zwölf Jahre in einer Klasse ist, in der man nicht mit sechs oder acht Jahren bestimmte Dinge normiert können muss, sondern in der jeder seine Nische hat, dann prägt einen dieser Glaube an die Entwicklung jedes einzelnen. Es ist schade, dass die individuellen Entwicklungen der Kinder und Jugendlichen in unserem staatlichen Schulsystem oft zu kurz kommen.
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