30.11.2016, 06:30 Uhr

Er denkt sogar an Tixo und Spagat

Salzburgs Franz Schefbaumer ist als Chef der Wahlbehörde in der Landeshauptstadt für die korrekte Abwicklung der Bundespräsidenten-Stichwahl am 4. Dezember zuständig.

Wahlbehörden-Leiter Franz Schefbaumer und seine Mitarbeiter haben 161 Wahlkoffer gepackt – mit allen Wahlunterlagen.

Die aufgehobene und verschobene Stichwahl, die Möglichkeit, mit einer falschen Passnummer eine Wahlkarte zu beantragen, Experten der OSZE, die die Wahl beobachten: Manche haben das Gefühl, da lauft was schief.
FRANZ SCHEFBAUMER: Auch wenn einzelne Fehler nicht immer auszuschließen sind: Bei uns läuft nichts schief. Sie können mit einer falschen Passnummer übrigens zwar eine Wahlkarte beantragen, werden aber keine erhalten, ohne von der Behörde vorher kontaktiert zu werden. Die OSZE hat auch 2010 die Bundespräsidentenwahl beobachtet. Das ist also nichts Aufregendes. Die Österreicher sollen und dürfen also Vertrauen in das Wahlsystem haben.

In der Stadt Salzburg wird es 161 Wahllokale, acht besondere Wahlbehörden, 100.267 Wahlberechtigte, darunter eine noch unbekannte Zahl an Briefwählern geben. Wann wird es ein Ergebnis geben?

FRANZ SCHEFBAUMER: Unsere Wahllokale schließen alle um 16 Uhr, das heißt bis 17 Uhr werden wir alle Sprengel ausgezählt haben und kurz danach die ersten Ergebnisse – ohne Briefwahl-Wähler, denn die werden erst am Montag ausgezählt – veröffentlichen. Das Ergebnis der Briefwahl-Auszählung wird es am späten Montagabend geben – auch wenn ich es nicht genau vorhersagen kann: Vor 19 oder 20 Uhr ist unrealistisch.

Wie aufwendig ist die Organisation einer solchen Wahl?
FRANZ SCHEFBAUMER: Wir haben unsere rund 330 Wahlleiter und ihre Stellvertreter, rund 300 Beisitzer und etwa 100 weitere Mitarbeiter intensiv geschult. Wir statten unsere 161 Wahllokale aus. Das bedeutet: Wir organisieren 161 Wahlurnen, 322 Wahlzellen, rund 800 Stühle – und 161 Wahlkoffer für die Wahlleiter. Darin befinden sich die kompletten Wahlunterlagen, also das Wählerverzeichnis, das Abstimmungsverzeichnis, die Stimmzettel, Tixo – um die Kundmachungen am Wahllokal zu befestigen, Schere, Kugelschreiber, sogar Spagat zum Anbinden der Kugelschreiber, damit sie keine Füße bekommen.

Die Stadt Salzburg überbezahlt die gesetzlich vorgesehene Vergütung für Wahlbeisitzer, damit sie die für die Abhaltung einer Wahl notwendigen Beisitzer findet. Wieviel bezahlen Sie?

FRANZ SCHEFBAUMER: Bis letztes Jahr waren es entsprechend einem Gemeinderatsbeschluss 54 Euro. Diese Summe wurde 20 Jahre lang nicht angehoben. Heuer hat der Gemeinderat eine Erhöhung auf 80 Euro beschlossen. Sie müssen dabei berücksichtigen, dass die Wahlbeisitzer nicht nur einen verantwortungsvollen Job übernehmen – sie zählen am Schluss die Stimmen aus –, sondern dass sie an einem Wahlsonntag auch etwa elf Stunden lang im Einsatz sind.

Wie wählen Sie: mit Wahlkarte oder im Wahllokal?
FRANZ SCHEFBAUMER: Nachdem ich aus Obertrum bin und an jedem Wahlsonntag von in der Früh bis abends arbeite, wähle ich bei jeder Wahl mit Wahlkarte. Ich habe meine Wahlkarte übrigens immer pünktlich erhalten.


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