29.10.2017, 10:42 Uhr

Geschichte der Protestanten in Salzburg neu beleuchtet

Eröffnung der Ausstellung "Reformation 500 - Salzburg und der Protestantismus": Supterintendent Olivier Dantine und Erzbischof Franz Lackner (Foto: Franz Neumayr)

Salzburg Museum widmet den Protestanten anlässlich 500 Jahre Reformation einen temporären Schwerpunkt in Dauerausstellung "Mythos Salzburg"

Die Ausstellung "Reformation500 – Salzburg und der Protestantismus" wurde am Samstag eröffnet.

 

Sie ist bis 4. März 2018 zu sehen.

Am 31. Oktober – kommender Dienstag – ist es genau 500 Jahre her: Martin Luther veröffentlichte seine 95 Thesen und setzte damit den Grundstein zur Reformation. Das Salzburg Museum widmet diesem 500-Jahre-Jubiläum einem neuen Schwerpunkt. Unter dem Titel „Reformation500“ beleuchtet die neu konzipierte Präsentation im Parcours der
Dauerausstellung „Mythos Salzburg“ das bewegte Schicksal der Salzburger Protestanten. Das Projekt erzählt von der raschen Ausbreitung der neuen Konfession, über die Gegenmaßnahmen der Landesherrn, die in der großen Vertreibung und Emigration 1731/32 gipfelten, bis zum ökumenischen Dialog mit der katholischen Kirche in der Gegenwart.

Als Salzburg ein Sechstel seiner Bevölkerung verlor

Die Reformation bahnte sich innerhalb kürzester Zeit ihren Weg nach Salzburg. Wanderprediger, Flugschriften und reisende Knappen brachten protestantische Ideen ins Land, und schon 1520 predigte Paulus Speratus in der Salzburger Stadtpfarrkirche im Sinne Luthers. Johann Staupitz, ein wichtiger Förderer und Vertrauter Luthers, war sogar von 1522 bis 1524 Abt von St. Peter in Salzburg. Es ist bemerkenswert, dass die Salzburger Erzbischöfe zunächst nicht so streng gegen die Reformation vorgingen wie andere katholische Fürsten. Besonders heftig war dafür die Vertreibung von 22.000 Protestanten durch Erzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian in den Jahren 1731 und 1732. Sie mussten aufgrund ihres Glaubens das Land verlassen und quer durch Deutschland in eine ungewisse Zukunft ziehen. Salzburg verlor dadurch mehr als ein Sechstel seiner Bevölkerung.


Späte Versöhnung

Die ökumenische Bewegung ermöglichte schließlich eine Versöhnung zwischen der katholischen Kirche und der evangelischen Gemeinde in Salzburg, die im 19. Jahrhundert neu entstanden war. 1966 entschuldigte sich Erzbischof Andreas Rohracher offiziell für das begangene Unrecht.

Zeitdokumente geben Zeugnis von protestantischer Geschichte

Wichtige Zeitdokumente führen die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung auf eine Reise durch die bewegende Geschichte der Salzburger Evangelischen. Leihgaben aus der Evangelischen Pfarrgemeinde A. u. H.B. Salzburg Christuskirche, der Erzabtei St. Peter, dem Kapuzinerkloster in Salzburg, dem Archiv der Erzdiözese Salzburg, dem Salzburger Landesarchiv und dem Bankhaus Spängler sind dabei von wesentlicher Bedeutung.

Ein Fokus liegt dabei auf der Medaillenkunst, die neben der Druckgrafik eindrucksvoll an das Schicksal der Salzburger Protestanten und ihrer Vertreibung 1731/32 erinnert. Das Bankhaus Spängler stellt dafür Schraubmedaillen aus seiner Sammlung zur Verfügung. Sie enthalten reizvolle gedruckte und handkolorierte Bilderserien und zählen zu den erstaunlichsten Zeugnissen des Protestantismus in Salzburg.

Medaillen als Andenken an Emigration

Kein anderes Fluchtereignis wurde auf Medaillen so oft dargestellt wie die Emigration der Salzburger Protestanten vor 286 Jahren. Diese Kleinkunstwerke aus Gold, Silber, Kupfer und Zinn waren eine wichtige Ausdrucksform der barocken Erinnerungskultur. Sie entstanden in protestantischen Gebieten Deutschlands und in den Niederlanden, wo sie als Andenken und Sammelobjekte verkauft wurden.

Landeshauptmann Wilfried Haslauer bedankte sich im Rahmen der Eröffnung bei allen Beteiligten für die Umsetzung "dieser kleinen feinen Ausstellung zu diesem wichtigen Kapitel Salzburger Geschichte. Ich bin dem sehr geschichtsbewussten, ältesten privaten Bankhaus Österreichs, dem Bankhaus Spängler, und den Verantwortlichen des Salzburg Museums sehr dankbar für ihre gemeinsame Initiative zu dieser Ausstellung. Sie machen es einem interessierten Publikum möglich, neue, vielleicht etwas andere, jedenfalls hoch interessante Einblicke zu bekommen."

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