31.10.2016, 14:27 Uhr

Italien zu Fuß erkunden

Im Herzen Italiener: Weitwanderer Christian Neff in Bari und Trani in Apulien, wunderschöne Küstenabschnitte inklusive. (Foto: Privat)

Der Salzburger Christian Neff über die Faszination des Weitwanderns.

SALZBURG (lg). "Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen" – diesen Gedanken hat der Salzburger Christian Neff, den seine Weitwander-Touren durch England, Frankreich, aber vor allem in "sein" Italien führen, verinnerlicht. Der Faszination Weitwandern ist der 43-jährige Baumeister vor fünf Jahren erlegen – "schuld" daran war seine Mutter. "Sie absolvierte drei Mal den Jakobsweg und in mir reifte immer mehr der Entschluss, Ähnliches zu erleben. Nur sollte es eben nicht der Jakobsweg sein, da mir dieser zu überlaufen ist", schildert Neff.

Die Via Francigena zum Auftakt

Hinzu kam beruflicher Stress, der ihn dazu veranlasste, "etwas zu tun". "Sonst hätte das früher oder später wohl im Burn-out geendet. Ich brauchte etwas, wo ich meinen Kopf und meine Gedanken freibringen konnte." Nach intensiver Recherche im Internet fiel die Wahl des Salzburgers auf die Via Francigena, die in ihrer Gesamtstrecke vom südenglischen Canterbury bis nach Rom führt. "Weil eine mehr als zwei- bis dreiwöchige Abstinenz in meinem Beruf schier unmöglich ist, kann ich leider keine kompletten Strecken in einem Stück gehen. Ich konzentrierte mich daher auf den letzten, rund 14 Tage dauernden Abschnitt des Weges, der mich dann im Jänner 2012 von San Miniato nach Rom führte."

Das Gefühl, anzukommen

Per Zug ging es zuerst nach Florenz, von dort musste er um vier Uhr Früh in den Zug nach San Miniato umsteigen. Doch trotz oder gerade wegen dieser "Strapazen" und des manchmal etwas zu wünschen übrig lassenden Komforts in italienischen Regionalzügen war es spätestens zu diesem Zeitpunkt um den italophilen Salzburger geschehen. "Ich bin aus dem Zug ausgestiegen und fühlte mich angekommen. Ich spürte einen Ehrgeiz und eine Kraft in mir, die ich bei meinen Probemärschen in Salzburg vermisste", so Neff, der sich für diese erste Tour mit Hilfe von Plänen aus dem Internet vorbereitet hatte. Trotz einiger ungeplanter Umwege erreichte der Salzburger nach 25 Kilometern seinen Zielort. "Nur leider gab es dort kein Hotel", fügt er, der nun vor der Wahl stand, entweder unter freiem Himmel zu schlafen oder weiter bis nach San Gimignano zu gehen, hinzu. Neff entschied sich für Letzteres und legte an diesem Tag 40 Kilometer zurück. "Spätestens zu diesem Zeitpunkt wusste ich, dass ich auch innerlich das Gefühl brauche, wo anzukommen, um über mich hinaus wachsen zu können."

Abseits der Touristenpfade unterwegs

Von San Gimignano ging es über mehrere Etappen weiter, ehe er nach zwölf Tagen den Petersplatz in Rom erreicht hatte. "Meine Füße waren zwar kaputt, aber mein Geist war frei und die Strapazen der letzten Tage und der zurückgelegten 350 Kilometer vergessen", schildert der Weitwanderer, der zugibt, sich anfänglich auch das ein oder andere Mal die Sinnfrage gestellt zu haben. "Warum tu ich mir das an, mit Blasen an den Füßen, bei strömendem Regen oder Affenhitze auf kilometerlangen Feldwegen entlangzugehen? Natürlich kommt einem der Gedanken mal in den Kopf. Aber ich sehe die Touren auch als eine Aufgabe, die ich an mich selbst stelle und das, was man in diesen Tagen erlebt, möchte ich nicht missen", erklärt Neff. Insgesamt elf Weitwander-Touren hat er seither absolviert, eine der beeindruckendsten führte ihn von Lucera nach Santa Maria di Leuca quer durch Apulien nach Barletta, Trani bis nach Brindisi und Lecce und letztendlich an den Zielort Santa Maria di Leuca. "Ich bin immer abseits von Touristenpfaden unterwegs, ich komme durch Dörfer, die kein Mensch kennt, die aber wunderschön sind und eine Authentizität ausstrahlen. Man besinnt sich auf seinem Weg auf die Grundbedürfnisse des Menschen. Man wandert kilometerlang auf einfachen Feldwegen und plötzlich sieht man aus der Ferne einen Baum, der mit jedem Schritt, den man macht, größer erscheint und der aus der Nähe betrachtet eine solche Ruhe und Stärke ausstrahlt, dass man fasziniert ist", schildert Neff, der die Touren meist alleine absolviert.

Zu Fuß zum Austria-Spiel

Lediglich auf der Via degli Dei, die von Bologna nach Florenz führt, hat ihn sein Vater begleitet. Mit seiner Frau absolvierte er unter dem Motto "Meine Frau, die Toskana und ich" die Route von Altopascio bis nach Monteroni d'Arbia. Neben seinen Italien-Wanderungen hat der Salzburger auch nach Schwanenstadt und Kitzbühel den Fußweg bevorzugt, um seinen Herzensverein Aus- tria Salzburg bei den Spielen vor Ort zu unterstützen. "Ich muss zugeben, an diesen beiden Tagen habe ich das Spiel nicht mehr mit derselben Energie wie sonst verfolgen können, ich war nach stundenlangem Gehen einfach nur froh, endlich sitzen zu können", meint Neff schmunzelnd. Bei seinen Wanderungen in Italien trennt der Fan von AS Roma den Fußball vom Wandern. "Einmal habe ich am Ende einer Tour ein Spiel der Roma im Stadio Olimpico angeschaut, aber es ist nicht so, dass ich meine Wanderungen nach den Spielplänen der Serie A oder B plane", so Neff. Seine nächste Weitwanderung soll im Jänner stattfinden – wohin die Reise geht, steht noch nicht fest. "Aber sicher irgendwo in Italien, Sizilien würde mich faszinieren", verrät Neff, der jedem empfiehlt, die Faszination Weitwandern selbst auzuprobieren. "Es kann jeder schaffen, man braucht nur den Willen dazu." Unter www.derweitwanderer.at kann man die Touren von Christian Neff verfolgen.
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