22.11.2016, 08:30 Uhr

Oberndorf hebt seinen Schatz nicht

Karin Gruber mit ihren Stille Nacht-Pralinen.

Stille Nacht-Manufaktur-Geschäftsführerin Karin Gruber über Oberndorf, Pralinen und Zukunftsmusik.

Sie sind Obfrau der Werbegemeinschaft Oberndorf, betreiben das seit 1904 in Ihrer Familie geführte Café Gruber und haben seit drei Jahren sonntags Ruhetag. Warum?
KARIN GRUBER:
Es ist zu schwierig geworden, Personal zu finden, das auch am Sonntag arbeitet. Wir wollen unseren Gästen gleichbleibend hohe Qualität bieten und das konnte ich damals – ich war mit meinen beiden Eltern, die damals schon beide fast siebzig Jahre alt waren, sonntags alleine – nicht auf Dauer garantieren. Es war keine leichte Entscheidung, aber wir haben das fehlende Sonntagsgeschäft mit unserem Mittagsangebot kompensiert.

Das heißt, sonntags bleibt Ihr Café weiter zu?
KARIN GRUBER:
Schauen wir mal. Ich möchte sehr gerne das Rathaus neben unserem Café kaufen – das neue Rathaus entsteht ja in unmittelbarer Nähe. Und dann würde ich dort sehr gerne ein Hotel Garni errichten, mit zwölf Zimmern. Dadurch könnten wir Synergien mit dem Hotelbetrieb nützen und auch sonntags wieder unser Kaffeehaus offen haben.

Braucht Oberndorf Hotelzimmer?
KARIN GRUBER:
Es gibt nur einen einzigen Gasthof in unserer Gemeinde, der 26 Zimmer anbietet. Oberndorf hat eine sehr gut besuchte Reha-Einrichtung und ist Stille-Nacht-Gemeinde. Der Bedarf ist sicherlich da.

Apropos Stille Nacht: Sie haben vor 25 Jahren erstmals überlegt, einen süßen Gruß aus Oberndorf zu kreieren. Die Stille-Nacht-Praline aus der Stillen-Nacht-Manufaktur gibt es nun seit acht Jahren. War Ihnen die Mozartkugel zu dominant?
KARIN GRUBER:
Ich war damals beruflich viel im Ausland – und was bringt man als Gastgeschenk mit? Eigentlich immer die Mozartkugel. Da dachte ich mir, es müsste doch möglich sein, eine eigene Praline für Oberndorf zu entwickeln. Das Ganze hat dann fast 20 Jahre gedauert, von der Idee über die Entwicklung bis zur Umsetzung.

Sind die Stille-Nacht-Pralinen ein gutes Geschäft?
KARIN GRUBER:
Die Entwicklungskosten haben wir noch nicht kompensiert. Aber wir verkaufen etwa 15.000 Stück pro Jahr. Neben dem Einzelhandel sind es Firmen, die unsere Pralinen gerne kaufen. Einen Teil des Gewinnes spenden wir als Gemeinwohl-orientiertes Unternehmen aber jedes Jahr – etwa für Reit- oder Maltherapien für beeinträchtigte Menschen. Heuer unterstützen wir ein Frauen- und Mädchenprojekt von "Make it".

Wie entwickelt man eine Praline? Man muss ja ungefähr wissen, was man möchte.
KARIN GRUBER:
Ja, es war klar, dass sie viereckig sein sollte, ohne Marzipan und in mehreren Schichten. Gemeinsam mit Konditor Fritz Langreiter haben wir uns dann schrittweise herangetastet: Mit Stille Nacht verbindet man etwas Weihnachtliches, deshalb die leichte Orangen-Note. Sie sollte einen leichten Biss haben, daher der Blätter-Krokant – und rundherum Zartbitterschokolade.

Die Stille-Nacht-Praline als Werbebotschafterin von Oberndorf ist relativ unbekannt. Woran liegt das? Ist sie ein typisches Gastgeschenk, das Oberndorfer Politiker bei Auslandsreisen mitbringen?
KARIN GRUBER:
Auch die Mozartkugel hat einmal klein begonnen. Aber, Sie haben recht: Jeder, der nur irgendwie kann, vermarktet das Thema Stille Nacht. Nur Oberndorf nicht. Das geht sogar soweit, dass man es nicht gerne hört, wenn das Lied – das ja immerhin in 300 Sprachen übersetzt worden ist – zu einem anderen Zeitpunkt als dem 24. Dezember zur Christmette gesungen wird. Dabei sollten wir doch stolz auf Stille Nacht sein und das auch nach außen tragen. Ich verhandle immer noch, dass die Stille-Nacht-Praline auch im Tourismusshop der Gemeinde Oberndorf erhältlich sein soll.

Ihre Praline ist online, bei Ihnen, bei Soportimisten-Clubs und bei Azwanger in der Salzburger Getreidegasse erhältlich. Warum nicht im Lebensmittelhandel?
KARIN GRUBER:
Vor zwei Jahren hatten wir dazu Gespräche mit dem Lebensmittelhändler Spar – die waren sehr aufgeschlossen, aber wir haben uns damals nicht drübergetraut. Wir waren nicht sicher, ob wir in einer gewissen Geschwindigkeit auch entsprechende Mengen liefern hätten können. Alleine die Schachteln – ein handgemachtes Produkt aus Österreich – haben eine Vorlaufzeit von sechs Wochen. Mittlerweile produzieren wir bei Berger Schokolade in Lofer und werden Anfang nächsten Jahres nochmals Sondierungsgespräche führen. Wir werden sehen.

Noch einmal zurück nach Oberndorf. Liegt die Gemeinde, was das Stille-Nacht-Marketing angeht, im Dornröschenschlaf?
KARIN GRUBER:
In den elf Jahren, die ich jetzt hier bin, hat es einen steten Wechsel bei den Tourismus-Geschäftsführern und Obleuten gegeben, wir hoffen, dass wir nun mehr an einem Strang ziehen können. Wir bemühen uns, die Tourismusverbände Oberndorf und Laufen sowie die beiden Werbegemeinschaften Oberndorf und Laufen unter ein gemeinsames Stadtmarketing-Dach zu bekommen. Dazu läuft bereits ein EuRegio-Projekt, Ende November beginnen wir mit einer Bestandsaufnahme. Oberndorf und Laufen ergänzen sich wunderbar und davon könnten beide noch sehr viel mehr profitieren. Aber aus meiner Sicht steht fest: Oberndorf muss sich touristisch besser präsentieren.
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