30.10.2017, 14:06 Uhr

Reden über Tote oder Sterben um zu leben

"Ich himmle ihn an", sagt Antonia Kreis über "den Besten".

Für die Trauerredner Walter Müller und Antonia Kreis geht es um die Würde am Grab und nicht um das Huldigen von Verdiensten.

SALZBURG (lin). Es ist ein schlecht bezahlter Job, aber wer ihn macht, der liebt ihn. Und Walter Müller und Antonia Kreis gehören dazu: Sie sind Trauerredner. Wer sein Begräbnis nicht nur einem Pfarrer und einer kirchlichen Zeremonie oder nahestehenden Verwandten überlassen will, der ist bei einem dieser beiden Trauerredner in liebevoll-empathischen Händen. "Es geht zu allererst um Würde und gewissenhafte Recherche über den Verstorbenen. Jeder Mensch ist ein eigener Planet und hat sein Schicksl auf ganz besondere Weise bewältigt", sagt Walter Müller, Autor von 18 Büchern, darunter fünf Romanen, vielen Erzählungen sowie sartierischen TV-Sendungen. 


Weihnachtern im Hochsommer

"Ich habe einmal fürt einen obdachlosen Alkoholiker die Rede gehalten", erzählt Müller. "Das sind die Säufer der Stadt ans Grab gekommen und haben die Weinflasche und Schnaps herumgereicht. Einer von ihnen wollte unbedingt estwas sagen zu seinem toten Freund. Aber es ist im partout nichts eingefallen. Also hat er im Juli 'Stille Nacht, heilige Nacht' gesungen. Ich habe selten etwas so Ergreifendes und Würdevolles erlebt. "

Auszeit vor dem Tod

Walter Müller liebt Friedhöfe und hat sich auch literarisch immer schon mit dem Tod beschäftigt. Jetzt hat der 67-Jährige selbst einen schweren Krebs "gerade so" überwunden und ist dem Tod ganz knapp von der Schaufel gesprungen. "Nach 450 Trauerreden trete ich jetzt kürzer, man könnte auch sagen, ich lasse mich vom Sterben pensionieren", erzählt er schmunzelnd, aber und man spürt, der Mann steht mit dem Tod auf du und du.

Das Feuer weitergereicht

Antonia Kreis hat die Bestatter-Akademie absolviert und tritt in die Fußstapfen von Walter Müller. "Walter hat mich inspiriert, er ist der beste, und er ist mein Geburtshelfer als Trauerrednerin", sagt die Mutter von drei Kindern. "Durch den Tod meiner besten Freundin habe ich begriffen, dass das Sterben in das Leben integriert werden muss. Erst das bedeutet  richtig leben. Mit dem üblichen 'Glücks-Coach-Gequatsche' hat das nichts zu tun. Es geht darum, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern nur Verwandlung. Das betrifft vor allem die Beziehungen zu geliebten Wesen", sagt Kreis.

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