15.09.2016, 10:06 Uhr

Salzburger Molekularbiologe für Krebsstammzellenforschung ausgezeichnet

Preisträger Wolfgang Gruber (Dritter von links) (Foto: ÖGMBT/Fabian Istel)

Wolfgang Gruber hat in seiner Dissertation eine Möglichkeit aufgezeigt, die extrem gefährlichen Krebsstammzellen zu eliminieren. Die Universität Salzburg hat das zum Patent angemeldet.

Der Molekularbiologe Wolfgang Gruber von der Universität Salzburg wurde in Graz mit dem mit 1.000 Euro dotierten Dissertationspreis der Österreichischen Gesellschaft für Molekulare Biowissenschaften und Biotechnologie (ÖGMBT) ausgezeichnet.

Gruber hat in seiner Dissertation eine Möglichkeit aufgezeigt, die extrem gefährlichen Krebsstammzellen zu eliminieren. Die Forschungen wurden in Zellkultur durchgeführt und im Mausmodell bestätigt. Um das Konzept therapeutisch anzuwenden, sind klinische Studien mit Patienten geplant.

Krebsstammzellen sind gegen Chemotherapien resistent. Krebsstammzellen gelten als die gefährlichsten Zellen in einem Tumor. Sie machen zahlenmäßig nur einen sehr kleinen Teil des Tumorgewebes aus, aber sind quasi die Wurzel des Krebsübels. Aus ihnen geht nicht nur der Tumor hervor, sondern sie sorgen auch ständig für Nachschub an Krebszellen und erhalten so den Tumor am Leben. Ihre Abkömmlinge sind es vermutlich auch, die den Tumor verlassen und an anderer Stelle im Körper die gefürchteten Metastasen bilden.

Krebsstammzellen verhalten sich ähnlich wie natürliche Stammzellen. Sie können sich unendlich teilen und Gewebe erneuern. Für diese Eigenschaften müssen bestimmte Signalwege in den Zellen aktiv sein. Über Signalwege leitet die Zelle Signale von außen in den Zellkern, wo bestimmte Faktoren aktiviert werden. Von zentraler Bedeutung bei den Krebsstammzellen ist der sogenannte „Hedgehog“ Signalweg.

Wolfgang Gruber hat entdeckt, dass in dem Hedgehog Signalweg ein bestimmtes Protein (DYRK1B) eine Schlüsselrolle spielt. Gemeinsam mit dem deutschen Biotechnologieunternehmen 4SC konnte Gruber in seiner Dissertation zeigen, dass durch die Blockierung des Proteins DYRK1B der Hedgehog Signalweg abgeschaltet, die Krebsstammzellen attackiert und das Tumorwachstum gestoppt werden kann. „Damit könnte man in Zukunft den Krebs an der Wurzel packen. Krebsstammzellen anzugreifen, ist ein vielversprechender Therapieansatz“, so Gruber.

Dass er für seine Arbeit nun mit dem ÖGMBT Dissertationspreis 2016 mit Anwendungspotenzial (gesponsert von der Firma THP Medical Products) ausgezeichnet wird, ist für Gruber eine Überraschung. „Ich freue mich natürlich sehr und empfinde es als eine große Wertschätzung für einen langen Prozess. Bisher waren die Preisträger fast immer in Wien. Dass der Preis jetzt erstmals an die Uni Salzburg geht, ist eine besondere Freude.“

Die Universität Salzburg (in der Person von Fritz Aberger und Wolfgang Gruber) und das deutsche Biotechnologieunternehmen 4SC haben ein Patent auf die Hemmung des DYRK1B Proteins angemeldet.
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