23.10.2017, 08:00 Uhr

Toleranz statt Tadel soll Demenzkranken helfen

Mit praktischen Übungen wollen Monika Puck (Mitte) und ihre Töchter Katharina und Stephanie Vorurteile abbauen.
SALZBURG (lg). Warum kann sich die Oma meinen Namen einfach nicht merken und warum muss ich ihr oft alles drei Mal sagen? Fragen wie diese geistern in den Köpfen vieler Kinder herum, wenn sie mit demenzkranken Familienangehörigen in Kontakt sind. Damit auch die Kleinen die Situation besser verstehen können und sich im Umgang mit erkrankten Familienmitgliedern leichter tun, wurde im Frühjahr das Projekt "TrotzDEM" ins Leben gerufen.

Wie arbeitet unser Gehirn?

"Die Diagnose Demenz wird immer häufiger und doch wird das Thema in der Gesellschaft nur selten präsent. Nur wenige wissen damit umzugehen und wie alle Familienmitglieder sinnvoll eingebunden werden können. Mit dem Projekt wollen wir speziell Kindern aufzeigen, wie sich erkrankte Menschen fühlen", erklärt die Initiatorin und ausgebildete Psychologin Monika Puck. Sie ist auch Geschäftsführerin der Gedächtnistrainingsakademie in der Stadt Salzburg. Für die Kinder gibt es Workshops, in denen sie neben theoretischen Informationen auch anhand von Erlebnisstationen und Gedächtnistrainingsübungen erfahren, wie sich Demenz anfühlt. "Und zwar anhand von ganz alltäglichen Dingen, beim Einkaufen, Essen, Aufräumen oder beim Schreiben. Wir arbeiten bei den einzelnen Stationen mit Sinneseinschränkungen, damit die Kinder es besser nachvollziehen können, wie das Gehirn arbeitet", führt Puck aus, die das Projekt bereits an einer Schule in Straßwalchen durchgeführt hat.

Auch an städtische Schulen geplant

Jetzt sollen auch Schulen in der Stadt Salzburg folgen. "Das würde sich ideal mit dem Prädikat ‚Demenzfreundliche Stadt Salzburg’ verknüpfen lassen. Es ist ein Thema, das uns künftig immer mehr beschäftigen wird, denn die Menschen werden immer älter", ergänzt Katharina Puck. Auch sollen einzelne Workshopteile auch für Erwachsene angeboten werden. "Viele machen den Fehler, die Betroffenen zu überfordern durch Aussagen wie ‚Das hast du doch immer gewusst’ oder ‚Stell dich nicht so an’. Doch damit bewirkt man genau das Gegenteil, das führt zu Scham, Trotz und Rückzug. Da müssen wir toleranter werden im Sinne von ‚Es ist okay, dass du nicht alles weißt’. Diese Akzeptanz fehlt in unserer Gesellschaft noch", so Monika Puck.



____________________________________________________________________________________
DU möchtest täglich über aktuelle Stories informiert werden? Melde Dich zum kostenlosen "Whats-App“-Nachrichtendienst der Bezirksblätter Salzburg an! Alle Infos dazu gibt's hier: meinbezirk.at/1964081.
ACHTUNG: Erst nach erfolgreich übermittelter Start-Nachricht ist der Dienst aktiv!
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.