09.11.2016, 13:16 Uhr

Tourismus schafft Arbeitsplätze, drückt aber das Einkommen

Vor allem der Tourismus mit rekordverdächtigen Nächtigungszahlen, letztes Jahr fast neun Millionen, Tendenz steigend, stützt den Pongauer Arbeitsmarkt. Der Bezirk verzeichnete zwischen 2015 und 2016 sowohl beim Beschäftigungszuwachs, als auch bei der Arbeitslosigkeit bessere Werte als der Landesschnitt.

Eine gute Tourismus-Saison nach der anderen macht sich bemerkbar. Auch der Gesundheits- und Sozialbereich hat einen wichtigen Stellenwert, dort arbeitet jeder Zehnte. Dadurch kommt der Pongau im Bezirksvergleich zu relativ guten Ergebnissen: Plus 1,6 Prozent Beschäftigung (landesweit +1,5 Prozent) und minus 4,7 Prozent Arbeitslose (landesweit nur -3,4 Prozent).
Aber wo Licht ist, ist auch Schatten: Die einseitige Wirtschaftsstruktur des Bezirks sorgt für niedrige Einkommen, hier ist der Pongau mittlerweile salzburgweit Schlusslicht.

Deutlicher Rückgang der Arbeitslosigkeit

Ein Charakteristikum des Pongauer Arbeitsmarktes ist die starke saisonale Schwankung, die vor allem auf das Gastgewerbe zurückzuführen ist. Während in der Nebensaison (April und November) rund 3.500 Arbeitslose zu beobachten sind, sinkt deren Zahl in den Sommermonaten Juli und August auf unter 1.500 ab. Seit Mitte des Jahres 2015 hat sich die Situation ein wenig gebessert und sowohl die Arbeitslosenzahlen, als auch die Zahl der Schulungsteilnehmer nimmt ab.

Im ersten Halbjahr 2016 waren durchschnittlich 2.316 Personen im Pongau ohne Arbeit, was gegenüber dem Jahr 2015 einen Rückgang von 114 Personen oder -4,7 Prozent bedeutet. Damit liegt der Pongau weitaus besser als der Landesschnitt (-3,4 Prozent).

Beschäftigungsschnitt über Landesschnitt

Gegenüber Jänner 2015 kam es im Pongau zu einem Arbeitsplatzzuwachs von 580 Stellen, bzw. +1,6 Prozent, wobei der Großteil des Zuwachses sich auf St. Johann (+115), Flachau (+113) und Wagrain (+85), Großarl (+73) und Werfen (+53) konzentriert. Drei Viertel aller Zuwächse waren in diesen fünf Gemeinden. Auch in dieser Statistik liegt der Pongau über dem Landesschnitt (+1,5 Prozent neue Arbeitsplätze).
Zu deutlichen Rückgängen kam es etwa in Altenmarkt (-47), Bischofshofen (-46), oder Bad Hofgastein.

Der Tourismus hält den Bezirk am Leben

Nach wie vor ist die Hauptstütze des Pongauer Arbeitsmarktes der Tourismus. Handel, Bauwirtschaft und Industrie sind ebenfalls wichtige Träger. Der Fremdenverkehr hat dabei gerade im Winter eine eminent wichtige Funktion: Jeder 4. Arbeitsplatz der Region befindet sich im Jänner in der Tourismusbranche. Aber auch im Sommer ist fast jeder fünfte Arbeitsplatz im Tourismus zu finden. Auch der langfristige Arbeitsplatzzuwachs im Pongau konzentriert sich mit einem Plus von 529 Jobs (+6 Prozent) auf diese Branche.

Einen wesentlichen Stellenwert im Pongau hat der Gesundheits- und Sozialbereich, der für jeden Zehnten als Arbeitgeber dient: Hierzu trägt natürlich der Standort des Krankenhauses in Schwarzach maßgeblich bei.

Die Salzburger Tourismuswirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren als krisenfest erwiesen.

Von den 70 Übernachtungsstärksten Gemeinden in Österreich liegen zehn im Pongau - bei 25 Gemeinden im Bezirk. Auch in den Krisenjahren 2008/09/10 gab es keine Nächtigungseinbußen sondern immer Nächtigungssteigerungen. Auch im Pongau gab es im Tourismusjahr 2014/15 ein Rekordergebnis mit 8,9 Millionen Nächtigungen, das ist fast mehr als ein Drittel der gesamten Nächtigungen des Bundeslandes. Auch für das laufende Tourismusjahr 2015/16 zeichnet sich ein neuerlicher Rekord ab, fünf Prozent Nächtigungszuwachs werden rund 9,3 Millionen Nächtigungen bringen.

Die Hotspots des Tourismus im Pongau liegen im Gasteinertal.

Ein weiterer Hotspot sind der Ennspongau (insbesondere mit Flachau, Altenmarkt/Zauchensee und Untertauern/Obertauern), weiters Wagrain-Kleinarl und St. Johann/Alpendorf sowie das Großarltal. Letzteres hat sich zu einer wahren Tourismusboom-Region entwickelt und zählt mittlerweile zu den besten Ganzjahresdestinationen im gesamten Alpenraum und führt diese Rankings in regelmäßigen Abständen auch an. Rund 20 Viersterne Hotels wurden dort in den letzten 20 Jahren geschaffen und seit Anfang der 1990er Jahre haben sich die Nächtigungen fast verdoppelt.

Niedrigstes Einkommen

Das Bruttomedianeinkommen aller Arbeitnehmer in Salzburg lag 2015 bei 2.045 Euro (14 mal pro Jahr). Der Pongau mit nur 1.860 Euro Bruttoeinkommen monatlich ist mittlerweile im Bezirksranking auf den letzten Platz zurückgefallen.
Netto bedeutet das für die Pongauerinnen und Pongauer im Schnitt monatlich 1.408 Euro (Jahresvierzehntel) am Lohnzettel – auch in der Nettostatistik belegt der Bezirk damit den letzten Platz. Zum Vergleich: Im Flachgau, Nummer 1 im Bezirksranking, haben die Beschäftigten netto 1.571 Euro, also um 163 Euro monatlich mehr netto zur Verfügung.

Dieser Einkommensunterschied liegt in den Gebirgsbezirken vor allem am hohen Anteil an Arbeitsplätzen im weniger gut dotierten Dienstleistungssektor, während der produzierende Sektor, in dem wesentlich bessere Löhne erzielt werden, mit einem deutlichen Rückgang von 414 Personen oder minus 8,4 Prozent immer weiter abnimmt.
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