05.10.2016, 10:00 Uhr

Versteckte Schätze aus vergangenen Zeiten und dem Reich der Fantasie

Rund 40.000 Kostüme befinden sich im Fundus des Landestheater Salzburg: Fundus-Chefin Klara Wiedemaier und Kostümchef Alois Dollhäubl.

Im Kostümfundus des Salzburger Landestheaters

Sie hat panische Angst vor Motten. Aber zum Glück gibt es in ihrem Reich keine – Dank ihrer Akribie und auch Dank der vielen Lavendelblütensäckchen, die zwischen den dicht behängten Regalreihen ihren Duft versprühen: Hier, in einem unscheinbaren Lagerraum in der Bachstraße, befindet sich das Reich von Klara Wiedemaier. Sie ist die Kostümfundus-Chefin des Salzburger Landestheaters.

Und sie ist unverzichtbar für Kostümchef Alois Dollhäubl, der gemeinsam mit den Ausstattern die Kostüme neuer Stücke festlegt. „Sie weiß alles. Unter den rund 40.000 verschiedenen Kostümen hier sind auch solche, die hundert Jahre alt sind. Und Klara Wiedemaier weiß, wo wir was finden: Barock, Rokoko, Fantasie, Unterröcke, Uniformen oder ausgefallene Sachen wie ein Pferd“, sagt Alois Dollhäubl.

„Wir haben sogar ein Hühnerkostüm, das Eier legen kann“, erzählt Klara Wiedemaier lächelnd und geht den Gang entlang. „Sie sehen, es ist alles geordnet“, sagt sie. Tatsächlich sind die einzelnen Regalreihen und Schachteln beschriftet. „Unterkleider“, steht da zum Beispiel, „Hüftrüschchen, weiß“ oder „Trench- coats“. Auch die ganz alten Kostüme – filigrane Spitzenlmieder in Schwarz mit per Hand angenähten Pailletten und Bordüren aus feinster Stickerei – werden hier aufbewahrt. Sie haben eher musealen Charakter, weggeworfen wird nichts. „Nein, das wäre ewig schade“, sagt Klara Wiedemaier, denn „so etwas wird heute gar nicht mehr produziert, und selbst wenn wir nur die Bordüre für ein neues Kostüm verwenden, dann hat es sich ausgezahlt.“ Aber wer weiß überhaupt, wo sich welche Bordüren im Bedarfsfall finden lassen? „Ich“, sagt Klara Wiedemaier und lächelt wieder.

Upcycling ist hier Programm

Die Wiederverwendung alter Kostüme ist am Salzburger Landestheater Programm, denn bei bis zu vier Premieren innerhalb von drei Wochen können alleine schon aus Kapazitätsgründen in der hauseigenen Schneiderei nicht alle Kostüme neu angefertigt werden. „Und wir verleihen die Kostüme auch an andere Theater“, erklärt Klara Wiedemaier.

Manchmal muss man ausmisten

Manchmal, wenn alles zuviel wird, oder wenn ein Umzug ansteht, dann wird ein kleiner Teil des Fundus ausgemistet und verkauft. „Noch heuer werden wir in unseren neuen Fundus nach Aigen übersiedeln. Das ist eine gute Gelegenheit, wieder einmal ein paar Kostüme loszu werden“, sagt Alois Dollhäubl. „Ja“, sagt Klara Wiedemaier – ohne zu lächeln, denn einfach fällt ihr eine solche Trennung von ihren Schätzen nicht.
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