29.11.2016, 14:00 Uhr

Vom Krampus und der Percht

Hannes Brugger und seine "Altgnigler Krampusse und Perchten" wollen das Brauchtum und die Tradition weitergeben.

Hannes Brugger, Obmann der Altgnigler Krampusse und Perchten im Gespräch.

SALZBURG (lg). Krampus, Percht, Nikolaus, Hexe und Engerl – viele Menschen wissen heutzutage gar nicht mehr um die eigentliche Bedeutung dieser Brauchtums-Wesen Bescheid. Wir haben mit Hannes Brugger, Obmann der Altgnigler Perchten, über den Unterschied zwischen Krampus und Percht und deren "Hauptaufgabe" gesprochen.

Krampus oder Percht – worin genau liegt der Unterschied?
HANNES BRUGGER:
Die Bedeutung der beiden Figuren mit völlig entgegengesetzter Symbolik ist vielen Leuten nicht klar. Auch Veranstalter machen den Fehler und titulieren ihre Läufe, die im November schon stattfinden, als Perchtenlauf – dabei beginnt die Zeit der Perchten erst mit der ersten Raunacht, der Thomasnacht am 21. Dezember und dauert bis zum Dreikönigstag. Die Nacht vom fünften auf sechsten Jänner ist die Perchtennacht, die bedeutendste Raunacht. Der Krampus tritt immer als der bestrafende Begleiter des Nikolaus auf.

Der Krampus als „böser Begleiter“ des Nikolaus – welche Aufgabe hat der Krampus in dieser Funktion?
HANNES BRUGGER:
Der Nikolaus ist grundsätzlich das Oberhaupt jeder Krampuspass, seinen Anweisungen haben sich alle Krampusse unterzuordnen. Die Pass besteht aus dem Nikolaus, seinem Korbträger, eventuell einem Engel in weißem Kleid und mehreren Krampussen. Der Krampus ist der Drohende. Das Ganze beruht auf den Stubenspielen der Katholischen Kirche, die zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert stattgefunden haben. Der ursprüngliche Gedanke des Krampus ist teilweise leider verloren gegangen. Nur mehr wenige Gruppen pflegen den Brauch der Hausbesuche. In der Stadt werden Hausbesuche nur auf Bestellung durchgeführt.

Was ist traditionell die „Hauptaufgabe“ der Perchten?
HANNES BRUGGER:
Es gibt grob eingeteilt zwei Arten von Perchten: Die "Schiachperchten" sollen mit ihren lauten Schellen den Winter austreiben. Sie werden oft mit Krampussen verwechselt. Sie machen den Anfang im traditionellen Perchtenzug. Außerdem gibt es "Schnabelperchten" im Raurisertal. Sie gehen von Haus zu Haus und kontrollieren die Sauberkeit. Wenn sie bei ihrem Besuch Unrat finden, wird der Hausfrau mit einer Holzschere symbolisch der Bauch aufgeschnitten und das Gefundene wird hinein gekehrt. Noch wichtiger aber sind die "Schönperchten". In der Mitte ihrer Kappen ist auf mindestens einer Seite ein Spiegel. Dieser soll die Sonnenstrahlen einfangen und das Frühjahr zum Leben erwecken. Sie stehen auch für Fruchtbarkeit und Glück. Der Perchtenspruch "An Fried, an G'sund und an Reim" wird vom Perchtenhauptmann gewünscht. Dafür erhielten sie früher dann Gaben in Form von Brot, Speck und Schnaps – heute werden die Perchtenläufer für ihren Besuch mit einer Geldspende belohnt. Weitere Schönperchten sind die "Tresterer", die einen Stampftanz aufführen, der an das Trestern – das Treten des Getreides – erinnern soll, und die Glöckler mit ihren Lichterkappen – sie kommen hauptsächlich im Salzkammergut vor.

Ruten, Glocken, Fell – was gehört zur Grundausstattung von Perchten bzw. Krampussen?
HANNES BRUGGER:
Krampusläufer haben sich immer wieder animalischer Utensilien bedient, vom Pferdefuß bis zu Tierklauen. Heute verwenden die Krampusläufer neben den Hörnern auf ihren Masken oft große Rinderhörner, in die sie ihre Ruten stecken. Die Masken werden hauptsächlich aus Zirbenholz geschnitzt. Gehörn von Hochwild (Steinbock und Hirsch) war nur dem Adel vorbehalten. Bei den Gewändern benutzte man ebenfalls alles, was es am Bauernhof gab. Die Ruten werden traditionell aus Birkenreisig gebunden.

Zu wem gehören die Engerl und die Hexen? Die Hexen treten ja meist in Begleitung der Perchten auf?
HANNES BRUGGER:
Engerl leiten sich von den Altarbildern der Kirche ab, wo der Satan mit seinen Teufeln gegen den Erzengel St. Michael und seine Gefährten vor dem Nikolaus um die Seelen der Menschen kämpfte. Die Hexen sorgen für eine Auflockerung des Perchtenzuges – sie kehren den Boden auf oder putzen mit ihren Besen die Schuhe der Zuschauer. Bei Krampusgruppen haben Hexen nichts verloren. In den Gruppen heute werden Hexen oft von weiblichen Mitgliedern dargestellt – und weil man sie nicht ausschließen will, nehmen sie als Hexen an Krampusläufen teil.

Euch als Altgnigler Krampusse und Perchten ist es ein Anliegen, das Brauchtum und die Traditionen weiterzuvermitteln – wie groß ist das Interesse der Menschen an diesem Thema und merkt ihr, dass hier große Wissenslücken rund um unser Brauchtum herrschen?
HANNES BRUGGER:
Das Interesse der Leute ist grundsätzlich sehr groß, überhaupt bei Kindern. Sie wissen oft mehr als die Erwachsenen und sind sehr wissenshungrig. Wir als Altgnigler Krampusse und Perchten haben uns zur Aufgabe gemacht, Wissen zu vermitteln, und jeder, der sich wirklich für den Brauch interessiert, hat immer wieder die Gelegenheit, Neues dazuzulernen.
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