22.01.2018, 10:48 Uhr

Vor der Liebe sind alle Männer gleich

Der junge Cherubino liebt alle Frauen. Susanne geigt ihm die Meinung (Foto: Löffelberger)

VIDEO - Landsestheater: Ein Graf verliert gegen seinen Diener, oder die sexuelle Belästigung in einer Mozartoper. Riesenapplaus bei der Premiere.

SALZBURG (lin). Stellen Sie sich vor, Sie wollen heiraten. Aber ihr Chef ist spitz auf Ihre Braut. Um zu kriegen was er will, nutzt er seine Machtposition rücksichtslos aus. Genau so ist es dem Figaro gegangen in "Die Hochzeit des Figaro". Der arme Kerl ist Diener beim Grafen und scheint zuerst chancenlos. Aber bei Mozart und vor der Liebe sind alle Männer gleich.

Das Buch war verboten

Die Vorlage zur Oper von Mozart und seinem Librettisten Lorenz Da Ponte stand auf der schwarzen Liste in der Zeit von Kaiser Josef II. Aus gutem Grund: Da agiert der Diener und sein Herr auf Augenhöhe. Ein Skandal. Darüber hinaus geht es in dieser Oper um Lust, Intrige, Eifersucht, Ausnützen von Macht, Liebe, Treue und männliche Gier. Da wird gegrappscht, betrogen, verführt, überredet und geliebt und verziehen. Und in all diesen Dingen sind am Ende Geld, Macht und Einfluss keinen Pfifferling wert.

me too in der Kaiserzeit

Jacopo Spirei hat diese großartige und zeitlos gültige Oper, in der beißende Gesellschaftskritik mit unsterblichen Melodien verwoben sind, in Szene gesetzt. Witzig, kurzweilig und pointiert. Und der Regisseur hat die Gegenwart in die 232 Jahre alte Oper integiert. Denn das Gegrappsche mächtiger Männer und die jämmerliche Eifersucht derselben, wenn sie selbst hintergangen werden, ist nicht neu. Die "Me too"-Bewegung hätte es damals schon geben müssen.

Tolles Ensemble

Gesungen und musiziert wird im Salzburger Landestheater auf einem Niveau, das jedem renommierten Opernhaus der Welt zur Ehre gereichen würde. Ein Solistenensemble rund um Laura Nicorescu, Aubrey Allicock, George Humphreys, Shahar Lavi und Anne-Fleur Werner war das zu hören, in dem es keine nennenswerte Schwachstelle gab - selten guter Mozartklang. Und das Mozarteumorchester unter dem zugleich Hammerklavier-spielenden Adrian Kelly spielte spritzig und konzentriert. Fazit: Wer Oper nicht grundsätzlich langweilig findet, sollte sich "Le nozze di Figaro" im Salzburger Landestheater unbedingt anschauen, denn besser geht es kaum.

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