27.06.2017, 08:28 Uhr

Wo aus Gletscherwasser Strom produziert wird

Stauseen Kaprun – Blick auf den Speicher Moserboden

VIDEO – Woher das Wasser für die Stauseen Kaprun kommt und wie das Pumpspeicherkraftwerk Sonnen- und Windenergie ergänzt

Mehr als das Panorama selbst verdeutlicht der Geruch nach Schnee, dass man sich hier im hochalpinen Bereich befindet. Er ist so stark, dass ihn die heiße Mehr als das Panorama selbst verdeutlicht der Geruch nach Schnee, dass man sich hier im hochalpinen Bereich befindet. Er ist so stark, dass ihn die heiße Sommersonne nicht überdecken kann. Die ins Schmelzen geratenen Zungen des teilweise schon grau gewordenen Gletscherschnees hängen an den Geröll- und Felswänden über dem Speicher Mooserboden. An einige Stellen sprudelt das Wasser talwärts, an anderen quillt es eher zögernd bergab. Allgegenwärtig ist das Rauschen, das das Glucksen, Plätschern und Fallen des Wassers zu einer Geräuschkulisse zusammenfasst.

Woher das viele Wasser kommt

Hier gibt es Wasser scheinbar im Überfluss. Dafür, dass sich die beiden Stauseen Mooserboden (2.036 Meter Seehöhe) und Wasserfallboden (1.672 Meter Seehöhe) – ersterer fasst rund 85 Millionen Kubikmeter Wasser, zweiterer 81 Millionen – innerhalb eines Jahres eineinhalb Mal komplett neu auffüllen, sorgt unter anderem eine Überleitung des Schmelzwassers von der Pasterze des Großglockners. Von der rund drei Millionen Kubikmeter fassenden Margeritze werden rund zwei Drittel des Wassers über eine Strecke von 11,6 Kilometern hergeleitet. Der Rest entspringt den umliegenden Bergen und ihren Schneemassen. Und: Weil die Kapruner Stauseen am Alpenhauptkamm liegen, gelangt der Niederschlag – egal, ob er aus dem Norden oder aus dem Süden kommt – auf jeden Fall hierher.

Auf der Höhenburg stehend – eine kleine Erhebung, die man von der Moosersperre aus innerhalb von 15 Minuten zu Fuß erreicht – schweift der Blick zur Hohen Tenn, dem Großen Wiesbachhorn und der Klocknerin wieder zurück zur Mosersperre: 107 Meter ragt die gigantische Staumauer aus reinstem Beton in die Höhe. Unten 70 Meter dick, verjüngt sie sich nach oben hin stark, wobei die zur Wasser geneigte Seite senkrecht steht. Auf der "trockenen" Seite lädt ein Klettersteig zum Erklimmen der Staumauer ein.


Die Staumauer von innen sehen – das kann man

Anders als die Drossensperre (ebenfalls beim Mooserboden) und die Limbergsperre beim Wasserfallboden, ist die Moosersperre öffentlich zugänglich. Über wenige Stufen geht es in den "Kronengang", den obersten Gang der Staumauer. Statt gleißender Sonne und sommerlicher Hochgebirgshitze erwartet die Besucher dort weniger Licht, etwas feuchtere und deutlich kühlere Luft. In dem bogenförmigen Stollen sind die Abdrücke einzelner Holzlatten jener Schalungen zu erkennen, mittels derer beim Gießen der Betonmodule für die Staumauer der Platz für den Gang ausgespart worden ist. Je nach Wasserstand neigt sich die Krone der Mauer um bis zu zwei Zentimeter. Gemessen wird das mit einem elektronischen Lotmessgerät: Ein an einem Schwimmer befestigtes Lot führt die 100 Meter durch den Lotschacht der Staumauer bis zum Fundament.

So funktioniert das Pumpspeicherkraftwerk bei den Kapruner Stauseen.

Pumpen und Speichern

In den Kraftwerken Kaprun wird rund zehn Prozent des österreichischen Spitzenstromverbrauchs produziert. Das besondere an der Kombination aus Speicherkraftwerk Limberg I und dem zur Gänze im Inneren des Berges liegenden Pumpspeicherkraftwerk Limberg II: Nicht benötigter Strom kann hier in Form von Wasser, das vom Wasserfallboden in den rund 360 Meter höher gelegenen Mooserboden gepumpt wird, gespeichert werden. Das ist deshalb sinnvoll, weil die Stromerzeugung – europaweit betrachtet – aufgrund der zunehmenden Anzahl an Solar- und Windenergie nicht mehr genau geplant werden kann. Gleichzeitig muss aber soviel Strom verbraucht werden, wie gerade produziert wird – um die Netzspannung stabil zu halten.

Ein Pumpspeicherkraftwerk wie Limberg II kann überschüssige Energie speichern und – und sie bei Bedarf innerhalb weniger Minuten wieder ins Netz speisen. Pro Sekunde können 144 Kubikmeter Wasser in den Mooserboden gepumpt werden – oder eben in den Wasserfallboden strömend zur Stromproduktion genützt werden. Das ganze ist ein Kreislauf, dasselbe Wasser kann mehrmals genutzt werden. Nicht zuletzt deshalb wird Kaprun auch als "grüne Batterie" bezeichnet.
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