11.11.2016, 16:10 Uhr

Eine Karateka aus Leidenschaft

Alisa Buchinger im Gespräch mit Regionalsport-Herausgeber, Erwin Hofbauer. (Foto: Regionalsport.at)
Salzburg: Alisa Buchinger |

Karateweltmeisterin, Alisa Buchinger, spricht über ihr Herzensprojekt, Emotionen und Rituale.

eh. „Wenn du dir vorgenommen hast, den Titel zu gewinnen, und du erreichst nur die Silbermedaille, dann fällst du in ein Loch. Da ist es besser du holst dir die Bronzemedaille, denn dann hast du wenigstens den Kampf gewonnen!“ Mit dieser Erkenntnis, wurden wir von Regionalsport von Alisa Buchinger`s Vater in deren zu Hause in Salzburg empfangen.
Alisa Buchinger, Oktober 1992 in Salzburg geboren, ist amtierende Karate-Weltmeisterin (Karate-WM 2016 in Linz) in der Gewichtsklasse bis 68 kg und belegt in der WKF Weltrangliste den zweiten Platz. Die Sportsoldatin und Salzburger Sportlerin des Jahres 2015/16 berichtet Regionalsport über ihre Emotionen, über ihr Herzensprojekt und was es mit dem Glückssprung auf sich hat.

RS.: Wir haben gehört, dass die Ninja Turtles mitunter ein Grund waren warum du mit Karate begonnen hast. Wie waren denn deine sportlichen Anfänge?

Alisa Buchinger: Das stimmt. Ich war als Kind bereits sehr aktiv und wollte immer Sport machen. Meine Eltern entdeckten in der Zeitung eine Anzeige von meinem jetzigen Trainer, Manfred Eppenschandtner. Nach einem Karate-Schnupperkurs meinte Manfred, dass es noch zu früh für mich sei, ich war zu klein, konnte links und rechts nicht unterscheiden, doch das legte sich und ich durfte bleiben. Das war vor 19 Jahren.

RS.: Wann wurde dir bewusst, dass du Leistungssportlerin werden möchtest?
Alisa Buchinger:
Als ich 12/13 Jahre alt war, wurde mir klar, dass ich Leistungssportlerin werden möchte. Daraufhin bin ich in das Sportgymnasium gegangen, mit dem Ziel, Europameisterin und später Weltmeisterin zu werden!

RS.: Als du Karate als Leistungssport praktiziert hast, wie hat sich das schulisch bei dir ausgewirkt?
Alisa Buchinger:
Schulisch war es für mich etwas schwierig, da Sport immer im Vordergrund stand. Ich habe sehr viel lernen und nachholen müssen, weil ich wegen den Turnieren oft nicht in der Schule war. Als nicht gerade beste Schülerin war das natürlich nicht immer einfach.
Diese ständige Doppelbelastung war sehr anstrengend und manche Lehrer trugen ihres dazu bei. Es hat Lehrorgane gegeben, die es nicht toll fanden, dass ich Sport mache, obwohl ich in einer Sportschule war. Sie meinten dann: „Ich bin selber schuld wenn ich nicht da bin.“.
Aber ich habe die Matura geschafft, dank Mathe erst zwei Monate später als die anderen.

RS.: Wie war für dich die Karate-WM in Linz?
Alisa Buchinger:
Nachdem mein Ziel der Weltmeistertitel war, war das natürlich mein größtes Geschenk vor heimischem Publikum Weltmeisterin zu werden. Man kann sagen, ein Traum ging für mich in Erfüllung.

RS.: Wann hast du realisiert, dass du Weltmeisterin wurdest?
Alisa Buchinger:
Das war erst zu Hause, als ich für mich sein konnte. In erster Linie war es ein unglaubliches Gefühl, ich wusste überhaupt nicht was mit mir geschah. Ich war total überwältigt, habe mich riesig gefreut, Freudentränen flossen bei mir sowie bei meiner ganzen Familie und es war für den Moment alles zuviel für mich. Es prallten so viele Emotionen auf mich ein, dass ich es selber nicht realisieren konnte. Erst als ich ein wenig alleine sein konnte, wurde mir klar, dass ich Weltmeisterin bin.

RS.: Neben den schönen Momenten gibt es in jedem Sport auch Schattenseiten, welche waren oder sind das bei dir?
Alisa Buchinger:
Die sind dann da, wenn man verliert, vor allem wenn die Vorbereitung härter war als sonst. Oder wenn man sich verletzt, wie ich 2014, als ich mir wegen Übertraining zwei Mittelfußknochen brach. Ich habe die Schmerzen ignoriert, bin nicht sofort zum Arzt gegangen und habe weiter trainiert, darum hat sich die Regeneration in die länge gezogen. Ich denke, man sollte mehr auf sich hören und das ist mir heuer sehr gut gelungen.
Schattenseiten gehören dazu, wenn man die nicht erlebt ist der Erfolg auch nicht so schön.

RS.: Was hast du anders gemacht?
Alisa Buchinger:
Ich habe auf mich gehört, auf meinem Körper geachtet und nur die Dinge gemacht, die wichtig waren.
Ich glaube, jeder Sportler muss durch verschiedenen Phasen gehen, damit man solche Dinge, wie auf sich hören und auf seinen Körper zu achten, für sich selber lernt. Wenn es jemand anderer sagt, glaubt man es nicht.

RS.: Was zeichnet für dich einen vollkommenen Karateka aus?
Alisa Buchinger:
Es spielen mehrere Komponenten eine Rolle. Das ist auch der Grund, warum mich Karate so fasziniert. Neben einer gewissen Kraft ist die Schnelligkeit ganz ausschlaggebend, wie auch die Technik, Taktik und Ausdauer. Koordination ist ebenso wichtig um die Bewegungsabläufe ausführen zu können, sodass sie einen Sinn ergeben. Das ist auch der Grund, warum man mit Karate nicht zu früh anfangen sollte. Ideal wäre meiner Meinung nach mit sechs Jahren.

RS.: Wie viele Stunden trainierst du im Normalfall?
Alisa Buchinger:
Seit ich beim Bundesheer bin sind es zwischen drei und fünf Stunden am Tag die ich trainiere. Im Regelfall die komplette Woche über. Doch das ist mein Job und den mache ich gerne.

RS.: Hast du ein Ritual vor dem Wettkampf?
Alisa Buchinger:
Am morgen dusche ich mich eiskalt ab, damit ich weiß, ich muss Gas geben. Vor einem Wettkampf klopfe ich mich im Gesicht und an den Oberschenkel ab. Kurz bevor ich auf die Matte gehe, springe ich dreimal in die Höhe, so als Glückssprung.

RS.: Hast du Vorbilder?
Alisa Buchinger:
Im Sinne eines Sportlers nicht. Für mich ist mein Trainer, Manfred Eppenschandtner, mein Vorbild. Nicht weil er der erfolgreichste Sporlter war, sondern weil er für mich menschlich sowie als Trainer eine tolle Person ist und ich immer gesagt habe, dass wenn ich einmal so alt bin wie mein Trainer, ich genauso fit sein möchte wir er. Ich kenne nicht viele Trainer und Menschen die mit 68 Jahren bei Wettkämpfen so mitfiebern wie er und die mit jungen Sportlern noch mittrainieren können. Bei ihm ist es so, dass eher die Jugend ihm was nachstehen als umgekehrt. Das fasziniert mich wirklich.

RS.: Wie würdest du dich selber beschreiben?
Alisa Buchinger:
Das ich hart im Nehmen bin, ist immer bedingt. Wenn ich auf der Matte stehe, bin ich super konzentriert. Es wird gesagt, dass ich dann den Killerblick habe. Privat bin ich ein sehr sensibler Mensch, fürsorglich, bin für andere da und mache mir Sorgen, dass ich es jemanden nicht recht machen kann. Diszipliniert bin ich auf jedem Fall und ehrgeizig war ich immer schon. Manchmal etwas zuviel, denn beim Spiel „Mensch ärger dich nicht“ flippe ich aus, wenn ich verliere.

RS.: Was bedeutet Karate für dich emotional?
Alisa Buchinger:
Wenn ich Karate höre oder denke, geht in mir das Herz auf. Karate ist meine Leidenschaft und es steckt auch sehr viel Leidenschaft darin, weil man soviel Respekt vor dem Gegenüber hat, aber auch den Respekt und die Disziplin lernt. Karate hat meinen Charakter geprägt. Ich glaube, dass ist auch die Philosophie von Karate, dass die Sportart an sich den Charakter eines Karateka prägt. Genau das steht bei uns an oberster Stelle und wird von der ersten Stunde an gelernt.

RS.: Du bist Botschafterin von einem Projekt in Indien?
Alisa Buchinger:
Genau, das Projekt heißt „Sonne International“. Das ist eine österreichische Hilfsorganisation, wo indische Mädchen und Frauen von einem Karatelehrer Selbstverteidigungskurse erhalten. Ich selber war 2015 vor Ort und habe gelehrt und mir Eindrücke verschafft. Mir liegt dieses Projekt sehr am Herzen, weil es etwas bringt. Die Kinder haben jetzt durch mich ein Vorbild und sehen, dass ich mich als Frau gegen einen Mann währen kann. Ich glaube, dass ist enorm wichtig. Es ist auch geplant, dass ich im Frühjahr 2017 wieder für ein paar Tage nach Indien fliegen werde.

„Dieses Projekt bringt sehr viel und für die Kinder und Frauen ist es wichtig. Auch wenn ich Weltmeisterin geworden bin, die Kinder kennen mich nicht, sie wissen nicht wer ich bin. Sie behandeln mich normal und sind total happy, wenn man ihnen die Hand entgegen streckt und sie dir ein High Five geben. Darüber können sie sich den ganzen Tag freuen, wie auch, wenn man ihnen etwas beibringt. Diese Kinder können sich noch über Kleinigkeiten freuen, so etwas kann man von hiesigen Kindern leider nicht mehr behaupten. Ich finde, solche Projekte gehören unterstütz und sollten vermehrt gemacht werden. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich auserwählt wurde, Botschafterin und Leitfigur von „Sonne International“ zu sein. Im Oktober 2016 haben wir durch ein österreichisches Online-Voting einen Preis von 10.000 Euro gewonnen, womit wir das Projekt ein Jahr finanzieren können. Es kann also weitergehen!“

RS.: Abschließend, was sind deine nächsten Ziele?
Alisa Buchinger:
In den nächsten zwei bis drei Wochen trainiere ich etwas entspannter. Danach starten wir in die Planung für das nächste Jahr sowie für Tokio 2020, da wir heuer olympisch geworden sind. Ich glaube, dass war für uns Karatekas ein großer Schritt. Ich hoffe, dass wir dadurch dementsprechende Förderungen von Österreich bekommen werden.
Das ist für die nächsten dreieinhalb Jahre die Zielsetzung, dass ich und mein Trainerteam anstreben.

Text: Regionalsport.at
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