19.05.2015, 00:00 Uhr

Was andere unser Einkauf kostet

Andrea Thuma (AAI) mit einem Sujet der Clean-Clothes-Kampagne.

Muss es immer billig sein? Einkaufen neu gedacht

Nein, es gehe nicht darum, kein Fleisch mehr zu essen und keine T-Shirts mehr zu kaufen, betont Andrea Thuma. Sie führt interessierte Salzburger auf einem konsumkritischen Spaziergang durch die Altstadt und sagt: Ein in Massentierhaltung produziertes Rind ist genauso umweltschädlich wie ein Pkw, der 18.000 Kilometer im Jahr unterwegs ist. Österreicher essen durchschnittlich 1,2 Kilo Fleisch in der Woche. Zwei Drittel der Getreideflächen werden in Österreich für die Viehproduktion verwendet. In afrikanischen Ländern ist das anders – dort werden 80 Prozent des angebauten Getreides von Menschen gegessen. Noch, denn die Futtermittelindustrie braucht mehr Anbauflächen für immer mehr Fleischkonsumenten weltweit. Die Folge: Land-Grabbing und das Abholzen von Regenwäldern. "Wir sollten darüber nachdenken, woher unser Fleisch kommt", sagt Andrea Thuma. Wer etwa Fleisch vom regionalen Bauern beziehe, könne dieses ruhigen Gewissens genießen. "Die Weidefläche bindet Treibhausgase – und weltweit sind Rinder für ein Fünftel der Treibhausgase verantwortlich – und so sorgt die regionale Landwirtschaft für annähernd klimaneutrales Rindfleisch. Beim Einkauf von Obst und Gemüse bieten sich in Salzburg neben den Direktvermarktern zwei Food-Coops, das Vitalkisterl und der online-Shop Fair Apples an.

Der nächste konsumkritische Stadtspaziergang findet am 30.Mai statt. Infos und Anmeldung: 0662/841413-13, andrea.thuma@aai-salzburg.at.


Auf's Handy verzichten? Nein


Aber auch bei der Nutzung von Handy, Tablet und PC braucht es mehr Bewusstsein. 2,7 Jahre – das ist die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Handys in Österreich. "Seltene Erden, Metalle und Kunststoffe aus allen Erdteilen machen das Handy zu einem globalen Produkt. Und das Recyclen ist aufwändig. Zwei Drittel der Handys landen auf illegalen Mülldeponien in China, Indien oder Ghana", weiß Andrea Thuma. Dort werden die Geräte unter gesundheitsschädlichen Bedingungen von Kindern zerlegt. "Wir müssen nicht auf das Handy verzichten. Aber wir sollten uns überlegen, ob wir zusätzlich eine Pocketkamera oder einen MP3-Player brauchen, wenn unser Smartphone das auch kann." Als Alternative für Alt-Elektrogeräte würde sich in Salzburg auch "RWS anderskompetent" in der Warwitzstraße anbieten. Dort werden alte PCs und Laptops für ReUse fit gemacht. Das Repaircafé Salzburg in der Traunstraße ist für defekte Geräte eine gute Adresse. Und wir können unsere Althandys fachgerecht entsorgen – sprich zur ReUse-Ecke in den Recyclinghof bringen.
Noch einen Hinweis hat die Expertin – die in Amsterdam beheimatete "Fairphone"-Kampagne (www.fairphone.com), ein Projekt von Waag Society, Action Aid and Schrijf-Schrijf, hat weltweit mittlerweile mehr als 50.000 "fairer" Handys verkauft.


Faire Bekleidung? Gibt es!

Die Gruppe der konsumkritischen Spaziergänger ist in der Sigmund-Haffner-Gasse angelangt – ein Hotspot, wenn es darum geht in der Salzburger Altstadt internationale Markenkleidung zu kaufen. "Was bedeutet eigentlich ‚Made in ... zum Beispiel Portugal’ auf dem Herstellungshinweis an der Innenseite eines Kleidungsstückes", fragt Anita Rötzer. Dass die Baumwolle dort angebaut, dass der Faden dort gesponnen oder dass das T-Shirt dort genäht wurde? "Das ist sehr schwierig herauszufinden", gibt Anita Rötzer zu. Fakt ist allerdings, dass nur ein Bruchteil des Verkaufspreises bei der Näherin bleibt. Das können bei einem T-Shirt um 20 Euro sogar nur 20 Cent sein – katastrophale Arbeitsbedingungen inklusive. "Was kann man als Konsument tun? Ich kann mir die Clean Clothes-Kampagne anschauen, die bei vielen Markenherstellern nachgefragt hat, unter welchen Bedingungen ihre Produkte hergestellt werden – nicht wenige haben darauf auch geantwortet. Als ‚gut’ wurde leider keiner beurteilt, aber es gibt immerhin Hersteller, die ‚auf dem Weg’ dorthin sind", macht Anita Rötzer Hoffnung.

Alten Kleidern neues Leben einhauchen, das macht in Salzburg Upcyclering Janett Sumbera in der Haydnstraße. Das Stadtblatt hat bereits früher über sie und Vintage-Hochzeitskleid-Designerin Elisabeth Riedel berichtet: Sie geben alten Kleidern eine neue Chance

Und: Es gibt auch einige Bekleidungsgeschäfte in Salzburg, die Wert auf fair produzierte Textilien legen. "Crai" in der Sigmund-Haffner-Gasse ist so ein Beispiel – dort gibt es die unter Eingeweihten bekannten Labels "Armed Angels, "Komodo", "Rebello" oder die "Kuyichi Jeans". "Wir achten darauf, dass unsere Ware zumindest unter fairen Bedingungen hergestellt wurden", sagt Verkäuferin Marlene Horjes. Das "fairware"-Logo stellt sicher, dass es in den Nähfabriken zumindest eine gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmervertretung gibt.


21 gute Adressen für kritische Konsumenten in Salzburg:



TIPPS

RE-USE VON PC & C0
Unser Elektromüllberg wächst drei Mal so schnell wie der restliche Müll. Bei "RWS anderskompetent" in der Warwitzstraße werden alte PCs und Laptops für ReUse fit gemacht. Das Repaircafé Salzburg an wechselnden Orten ist für defekte Geräte eine gute Adresse.

ZWEITES LEBEN FÜR IT

Das gemeinnützige Hilfsprojekt Labdoo sammelt auch in der Stadt Salzburg ausrangierte Laptops, Tablet-PCs und eBook-Reader und überlässt sie – nach sicherer Formatierung und mit Lernsoftware ausgestattet – kostenlos Schulen sowie Kinderprojekten in aller Welt.

FAIR APPLES

Hinter dem online-Shop steckt eine lokale Initiative aus Gneis: Sabine Wiesinger sammelt Bestellungen von Lebensmitteln (nicht nur Äpfel!), die von lokalen Bauern und Erzeugern bezogen und von den Kunden bei Fair Apples in Gneis abgeholt werden.

FOOD COOPS
Ein Food-Coop-Zusammenschluss von Menschen, die selbstorganisiert Lebensmittel direkt von regionalen Bauernhöfen, Gärtnereien und Imkereien beziehen. Food Coops in Salzburg: Bonaudelta in Liefering und Salzkörndl in der Kaigasse.

CRAI
Setzt wo immer es geht auf Bekleidung mit Fair-Wear-Siegel: "Crai" in der Sigmund-Haffner-Gasse bietet Kinder- und Damenmode aus fairen und biologischen Labels wie "Komodo", "Rebello" oder "Kuyichi Jeans". Verkäuferin Marlene Horjes trägt ein Shirt von "Armed Angels".

ERDBÄR
Die T-Shirts und Pullis von Erdbär (im Bild Oliver Pyerin und Gerhard Schrempf) in der Erzabt-Klotz-Straße werden großteils in Salzburg von Menschen mit Beeinträchtigung hergestellt. Fair-Wear und GOTS-Siegel stellen sicher, dass bei fairem Lohn schadstofffrei und biologisch produziert wurde.

WUSSTEN SIE, DASS ...
... für die Produktion einer Tasse Kaffee 140 Liter virtuelles Wasser benötigt werden?
... die vier größten Geflügelproduzenten 99 Prozent des Weltmarktes kontrollieren?
... in Österreich zwei Drittel des angebauten Getreides in die Fleischproduktion gehen?
... dass unser Elektro-Müllberg drei Mal so schnell wächst wie der restliche Müll?
... dass eine Näherin 20 Cent als Lohn für ein T-Shirt erhält, das bei uns 20 Euro kostet?
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