Betriebliche Gesundheit
Wissenstransfer als Erfolgsmodell gegen den Fachkräftemangel

Maximilian Fercher (li.) und Gerhard Fercher, Geschäftsführer der Seekirchner Tischlerei Fercher + Stockinger.
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  • Maximilian Fercher (li.) und Gerhard Fercher, Geschäftsführer der Seekirchner Tischlerei Fercher + Stockinger.
  • Foto: Warp3/Fercher + Stockinger
  • hochgeladen von Daniel Schrofner

Ein Ausweg des deutlich spürbaren Fachkräftemangels könnte der innerbetriebliche Wissenstransfer sein. Wie es die Tischlerei Fercher+Stockinger aus Seekirchen vormacht. Dort steht für Geschäftsführer Fercher seit langem fest, dass er seinen Betrieb nicht aufgeben will. Die nächste Generation soll übernehmen.

SALZBURG. Der demografische Wandel hat massive Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Die wohl markanteste ist das Sinken des Anteils der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter: Ab 2020 wird die Altersgruppe 45+ am Arbeitsmarkt überwiegen und die Vertreter der sogenannten Baby-Boomer-Generation erreichen nach und nach das Pensionsalter – dazu werden Nachwuchskräfte weiter mangelhaft bleiben. Das alles führt zu einer zusätzlichen Abnahme des Arbeitskräftepotenzials in Österreich und in weiterer Folge zu einer Verschärfung des bereits heute spürbaren Fachkräftemangels.

Ausweg innerbetrieblicher Wissenstransfer

Doch was können Betriebe konkret tun? „Viele Unternehmen müssen sicher an mehreren Schrauben drehen. Aber ganz wichtig ist es, dass die Betriebe das Wissen im Betrieb sichern und im Idealfall an die nächste Generation weitergeben. Es geht also um Wissensmanagement und hier vor allem um Erfahrungswissen“, sagt Christoph Schulte-Cloos von der Demografieberatung, die Betriebe in Salzburg genau zu solchen Generationenthemen berät. Der Experte führt fort: „Wenn ich im Betrieb ein gutes Wissensmanagement habe, dann fällt auch die Nachfolgeplanung und die Weitergabe des Betriebs an die nächste Generation einfacher, weil ich Erfahrungen schon strukturiert aufbereitet habe.“

Nächste Generation soll übernehmen

Genau eine solche Übergabe an die nächste Generation bereitet in Seekirchen die Tischlerei Fercher + Stockinger vor. Für Geschäftsführer Gerhard Fercher steht bereits länger fest, dass er seinen Betrieb nicht einfach aufgeben will: „Andere Betriebe sagen sich vielleicht: ‚Na wenn es keine Nachfolger gibt, dann sperren wir halt einfach zu‘, doch dieser Weg ist für mich ausgeschlossen. In diesem Betrieb steckt so viel Herzblut drin, ich möchte, dass der erhalten bleibt.“ Dabei verspürt Fercher auch eine gewisse Verantwortung für die Region: „Wenn ich dazu beitragen kann, dass diese schöne Gegend rund um den Wallersee auch für junge Leute beruflich attraktiv bleibt, dann würde mich das freuen.“

Beim Thema Wissen im Betrieb sichern ist Gerhard Fercher daher Vorreiter: „Wir haben ein Lehrlings-Buddy-Modell im Unternehmen verankert, inklusive eines Plans, wann welcher Lehrling bei welchem ‚älteren Mitarbeiter‘ das Wissen vermittelt bekommt.“ Dieses strukturierte Wissenstransfermodell ist auch bei den Mitarbeitern beliebt, da es einen strukturierten Austausch verspricht und alle gleichermaßen davon profitieren.

Mit Kreativität die Jungen holen

Bleibt nur noch die Frage: Wie findet man junge Nachwuchskräfte denen man Wissen weitergeben kann – noch dazu in ländlichen Regionen, wo sie doch besonders mangelhaft sind? „Oft sind es Kooperationen mit Schulen, die schon Erfolge bringen. Manchmal ist auch besonders viel Kreativität gefragt – da kann man die Tischlerei Fercher + Stockinger sicher als Vorzeigebetrieb nennen“, meint Experte Schulte-Cloos.
Gerhard Fercher hat beispielsweise ein Gewinnspiel entwickelt um junge Menschen aus dem Umland für seinen Betrieb zu begeistern: „Wir haben Brainstorming gemacht und die Idee entwickelt mit einem ‚Holzmann`– den wir bei uns im Betrieb in Lebensgröße gefertigt haben – zu den Holz-HTLS und Fachschulen zu gehen. Neben einem Gewinnspiel über die sozialen Medien machen wir auf Praktikumsplätze im Betrieb aufmerksam. Und es kommt gut an, wir konnten schon einige Kontakte knüpfen.“

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Maximilian Fercher (li.) und Gerhard Fercher, Geschäftsführer der Seekirchner Tischlerei Fercher + Stockinger.
"Ganz wichtig ist es, dass die Betriebe das Wissen im Betrieb sichern und im Idealfall an die nächste Generation weitergeben. Es geht also um Wissensmanagement und hier vor allem um Erfahrungswissen“, sagt Christoph Schulte-Cloos von der Demografieberatung.

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