Die Bühne bleibt leer
Adventsingen Salzburg: Ihr Name ist Maria

Die Sopranistin Eva Maria Schinwald in ihrer Rolle als "Maria", 75. Salzburger Adventsingen 2021
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Die Rolle der „Maria“ ist der Sopranistin Eva-Maria Schinwald nicht unbekannt. Bereits 2017 hat sie diesen Part gesungen. Für die Neuinszenierung im Jubiläumsjahr 2021 war schon alles im Salzburger Festspielhaus vorbereitet.

SALZBURG/LENGAU. Wer ist Maria? In der Katholischen Kirche ist sie nicht nur die Mutter Gottes, sondern war auch eine junge schwangere Frau ohne Mann und hatte keine Bleibe. Vor diesem Szenario sollte die 75. Inszenierung des Salzburger Adventsingens die zutiefst menschliche Geschichte der Herbergssuche erzählen.

Maria wird als lebendige, junge Frau in der Pandemie bedingten abgesagten Inszenierung des Salzburger Adventsingens 2021 dargestellt.

Der aus Lengau in Oberösterreich stammende Sopranistin „Maria“ Eva-Maria Schinwald sind die Gefühle einer jungen schwangeren nicht unbekannt: Sie ist selbst Mutter von zwei Kindern. Bereits 2017 spielte die Sopranistin die „Maria“, damals allerdings noch kinderlos.

„Ich glaube, es geht vielen Frauen so wie mir: Durch das Mutter-Werden hat sich meine Persönlichkeit verändert. Ich bin viel mutiger und stärker geworden. Zum Adventsingen muss man sagen, Maria ist noch keine Mutter. Sie ist schwanger. Sie ist immer noch dieses junge Mädchen. Und das bewahrt sie sich ja auch. In diesem Stück heuer wäre sehr viel von ihrer Jugendlichkeit und der Verliebtheit zu spüren gewesen. Und dann ist da noch das Gefühl, das ich auch von meiner eigenen ersten Schwangerschaft her kenne: ein bisschen die Unsicherheit – was passiert da jetzt mit mir?“

Die Sängerin hält kurz inne, lehnt sich im Stuhl zurück und sagt:

„Das ist jetzt schon der Unterschied, dass ich das besser nachvollziehen kann. Dieses Gefühl einer jungen Frau, dieses Erwarten, was geschieht jetzt mit einem.“

Die geplante Inszenierung für 2021 hätte von der Sängerin neben ihrem gesanglichen Part einen großen Teil an Schauspielkunst erfordert, das war es unter anderem, was die Oberösterreicherin an dieser Rolle gereizt hat.

Josef und Maria beim 75. Salzburger Adventsingen  werden als junges Liebespaar dargestellt.

„Maria als die weibliche Hauptrolle ist natürlich eine Herausforderung. Sie darf spielen und kann singen. Die Maria hat bei diesem Stück sehr viel Bühnenzeit. Die Herausforderung für das gesamte Ensemble war die intensive Probezeit vor der Premiere. Man muss hier einen kühlen Kopf behalten und in Zeiten wie diesen gesund bleibt.“

Maria und Josef gehen in der Jubiläumsinszenierung "Fürchte dich nicht" gemeinsam zu ihrer Mutter Anna, dargestellt von Monika Lugner.

Wenn der Titel zum Programm wird

Das Salzburger Adventsingen hätte heuer sein 75-Jahr-Jubiläum gefeiert. Auf die Frage, wie es ihr mit solchen besonderen Jahrestagen gehe, musste die Sängerin laut lachen.

„Sehr gut. Der Titel „Fürchte dich nicht“ ist sozusagen Programm. Es ist bzw. es wäre eine Ehre gewesen, bei diesem Jubiläum dabei zu sein. Aber es ist ja durch den österreichweiten Lockdown leider anders gekommen“, meint die Sängerin.

Die Sopranistin, die in zahlreichen szenischen Produktionen des Salzburger Landestheaters aufgetreten ist, beurteilt das Salzburger Adventsingen in vielerlei Sicht als einzigartig:

„Diese Art der szenisch erzählten Geschichte hat man nicht so oft. Ich selbst bin viel mehr als Konzertsängerin auf der Bühne. Die Komposition der Inszenierung ist zeitgenössisch und erfordert daher eine neue, frische Herangehensweise, die man selbst erarbeiten muss. Das macht jedes Jahr aufs Neue Spaß.“

Die Stimme der Sopranistin wird von Kritikern als "angenehmer, intonationssicher und raumfüllend

Die Stimme der Sopranistin wird von Kritikern als "angenehmer, intonationssicher und raumfüllend den Chor und das Orchester mühelos überströmender Sopran“ beschrieben. Die so charakterisierte Sängerin muss laut lachen und meint trocken:

„Das muss man als Sopran schon können. Im Fall des Adventsingens ist aber die orchestraleZusammensetzung eine andere. Es ist wichtig, dass das Orchester, das Schauspiel und auch der Gesang gut hinüberkommen.“

Eine gesangliche Herausforderung sieht die lyrische Sopranistin in einem Stück, das sie selbst schon gesungen hat und liebt:

„Für mich ist die c-moll-Messe von von Mozart die höchste Klasse für einen ersten Sopran.Es ist ein Traum für mich, dieses Stück zu singen".

Aber auch die Johannes-und die Matthäus-Passion von J.S. Bach zählen zum Repertoire der quirligen Sopranistin.

"Maria ist noch keine Mutter. Sie ist schwanger. Sie ist immer noch dieses junge Mädchen. Und das bewahrt sie sich ja auch. In diesem Stück heuer wäre sehr viel von ihrer Jugendlichkeit und der Verliebtheit zu spüren gewesen", sagt Eva Maria Schinwald.
  • "Maria ist noch keine Mutter. Sie ist schwanger. Sie ist immer noch dieses junge Mädchen. Und das bewahrt sie sich ja auch. In diesem Stück heuer wäre sehr viel von ihrer Jugendlichkeit und der Verliebtheit zu spüren gewesen", sagt Eva Maria Schinwald.
  • Foto: Salzburger Adventsingen / Albert Moser
  • hochgeladen von Martin Schöndorfer STADTNAH, Geschäftsstelle Tennengau

Der Gänsehautmoment auf der Bühne

„Die letzte Probenphase vor dem Lockdown war emotional unglaublich fordernd. Täglich ist man hin und her gerissen zwischen Hoffnung und Resignation. Kurz vor der Premiere die Gewissheit zu bekommen, dass wir dieses Werk überhaupt nicht spielen werden, macht mich natürlich sehr traurig. Da kann ich mich nur bei meinen Schauspielkollegen bedanken, vor allem aber bei unserer großartigen Regisseurin Daniela Meschtscherjakov, die uns so einfühlsam durch diese Zeit getragen hat“, sagt die Betroffene.

Von Schauspielern und Sängern wird allgemein behauptet, sie seien sehr emphatisch und reagierten schnell auf den Moment. Zahlreiche Künstler sprechen von Nervosität, bevor der Vorhang aufgeht. Gibt es für Eva-Maria Schinwald diesen „Gänsehautmoment“ auf der Bühne?

„Der ist in dem Moment, wenn das Orchester einsetzt. Wenn man ganz genau ist, ist es der Moment, wo der Dirigent einatmet. Da weiß man: Jetzt geht es los!“

Dieser Moment wird ihr leider in diesem Jahr versagt bleiben, da das Salzburger Adventsingen wegen der Pandemie abgesagt wurde. Auf der Facebookseite der Künstlerin steht zu lesen:

„So lasst mich scheinen, bis ich werde, zieht mir das weiße Kleid nicht aus! Ich eile von der schönen [Bühne] hinab in jenes dunkle Haus. Ich kann’s nicht besser ausdrücken als Goethe.  – Also keine Premiere des Adventsingens, keine Maria mehr, kein Publikum. Dabei hätten wir alle soviel zu geben gehabt. Eva Maria Schinwald“. 

Der aus Lengau in Oberösterreich stammende Sopranistin „Maria“ Eva-Maria Schinwald sind die Gefühle einer jungen schwangeren nicht unbekannt: Sie ist selbst Mutter von zwei Kindern.
  • Der aus Lengau in Oberösterreich stammende Sopranistin „Maria“ Eva-Maria Schinwald sind die Gefühle einer jungen schwangeren nicht unbekannt: Sie ist selbst Mutter von zwei Kindern.
  • Foto: Salzburger Adventsingen / Franz Neumayer
  • hochgeladen von Martin Schöndorfer STADTNAH, Geschäftsstelle Tennengau

Steckbrief

  • Stimmlage: Lyrischer Sopran.
  • Studium: Masterstudium Gesang am Mozarteum Salzburg mit Auszeichnung abgeschlosssen. Internationale Meisterkurse bei Horiana Branisteanu, Edda Moser, Helena Lazarska, Margreet Honig, Gerhard Kahry und Wolfgang Holzmair.
  • Konzertreisen: Deutschland, zum Hugo-WolfFestival nach Slowenien bzw. nach London, wo sie mit der Salzburger Bachgesellschaft und dem Barockorchester der Royal School of Music die Johannes-Passion von J.S. Bach sang. Zahlreiche szenische Produktionen des Salzburger Landestheaters bzw. der Salzburger Festspiele.
  • Adventsingen: 2017 als Maria („Der Sterngucker“),2017 als Engel („Der blinde Hirte“), 2021 als Maria („Fürchte dich nicht“)


TV-Mitschnitt

Hinweis:  Im letzten Moment konnte eine Fernsehaufzeichnung und ein CD-Mittschnitt der geplanten Jubiläumsaufführung  "Fürchte dich nicht" vorgenommen werden. Die Sendung  wird am Samstag, 11. Dezember um 18:05 Uhr auf ServusTV ausgestrahlt.

Zum Kommentar "Wenn die Bühne leer bleibt..." von Martin Schöndorfer HIER 

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