Coronavirus in Salzburg
Auch die Natur schnauft unter Corona

Die Beunruhigung der Tiere im Wald nimmt durch Sportler und Spaziergänger abseits der Wege stark zu.
2Bilder
  • Die Beunruhigung der Tiere im Wald nimmt durch Sportler und Spaziergänger abseits der Wege stark zu.
  • hochgeladen von Julia Hettegger

Die uns direkt umgebende Natur- und Kulturlandschaft, hat in der Corona-Zeit keine Zwangspause vom Menschen. Vielerorts, wie in Schutzgebieten, in Wäldern und im Umfeld von Ortschaften und Städten steigt sogar der Besucherdruck. Hier bewegen sich deutlich mehr Menschen im Freien, als sonst. Wir haben Naturschutz-Landesrätin Maria Hutter gefragt: 

Merkt man in der Salzburger Natur bereits eine Veränderung durch die Corona-Maßnahmen?
MARIA HUTTER:
Das hängt stark davon ab, wie weit der Begriff Natur gefasst ist: Denkt man hierbei auch an die Luftgüte oder die Umweltbeeinflussungen durch Lärm, Feinstaub und sonstige Emissionen, wurde veröffentlicht, dass es einen durchschnittlichen Rückgang bei Luftschadstoffen um fast 40 Prozent gibt. Durch weniger Verkehr nimmt klarerweise auch die Lärm- und Staubbelastung ab. Wir sehen aber auch Folgen der Corona-Krise, mit welchen wir nicht gerechnet hatten und die negativ sind.

Merkt man eine Veränderung an den Tieren im Wald?
MARIA HUTTER:  Die Rückmeldung der Jägerschaft und unsere eigenen Beobachtungen zeigen, dass die Beunruhigung durch Spaziergänger im Wald deutlich zunimmt. Um möglichst wenigen anderen Menschen zu begegnen, verlassen viele die größeren Wege und bewegen sich entlang von kleinen Pfaden, auf Wildwechseln oder oft sogar abseits aller Pfade. Zudem sind es insgesamt mehr Leute, die die Natur aufsuchen. Somit verteilen sich deutlich mehr Personen großflächiger und mit mehr Abstand zueinander: Gut zur Eindämmung des Virus, aber belastend für die wildlebenden Tiere. Hier möchte ich an die SalzburgerInnen appellieren, Grenzen zu respektieren und unsere Natur schonend zu genießen.

Landesrätin Maria Hutter wünscht sich eine achtsame Naturnutzung von den Salzburgern.
  • Landesrätin Maria Hutter wünscht sich eine achtsame Naturnutzung von den Salzburgern.
  • Foto: Land Salzburg/Neumayr/Leo
  • hochgeladen von Julia Hettegger

Mülldeponien/Recyclinghöfe waren vorübergehend nur eingeschränkt geöffnet. Wurde die Natur daher vermehrt als illegale Mülldeponie verwendet?
MARIA HUTTER: Genau das habe ich gemeint, mit den Folgen der Corona-Krise, mit welchen wir nicht gerechnet hatten. Es  erreichten uns verstärkt Meldungen zu illegal abgelagertem Müll oder Grünschnitt in unseren Wäldern und Auen. Darauf konnte die Berg- und Naturwacht jedoch rasch reagieren. Durch die Wiederöffnung der Recyclinghöfe bin ich zuversichtlich, dass künftig der Müll wieder an den Orten entsorgt wird, die dafür bestimmt sind.

Hat der Rückgang des Verkehrs Auswirkungen auf die Biodiversität in Salzburg?
MARIA HUTTER:
Sicherlich werden durch weniger Verkehr auch weniger Tiere durch Aufprall oder Überrollen getötet oder verletzt. Dass sich schlagartig die Amphibien- und Insektenpopulationen erholen, darf man sich durch kurzfristig weniger Verkehr oder sonstiger Belastung nicht erwarten. Dafür müssen über Jahre viele Faktoren zusammenspielen.

Wie verhält es sich mit besonders sensiblen Lebensbereichen, wie z.B. Moore?
MARIA HUTTER: Ja, Moore sind sehr verletzliche, aber auch wertvolle Lebensräume. In ihnen leben eine Vielzahl von spezialisierten Arten und oft geschützte oder gefährdete Lebewesen. Besucht man diese Feuchtgebiete, gilt es, sich unbedingt nur entlang von befestigten Wegen zu bewegen (Wegegebot!) und Hunde unbedingt anzuleinen. Denn in diesen Lebensräumen brüten besonders jetzt, im Frühjahr, Vögel ihre Gelege am Boden, das sind sogenannte "Bodenbrüter". Werden sie bei der Brut gestört, kann es sein, dass sie nicht mehr zu ihren Nestern zurückkehren. Die Küken können dann nicht schlüpfen, oder bereits geschlüpfte Jungtiere verhungern. Auch Wild wie Hasen und andere Tiere dürfen nicht gestört oder gar bei der Jungenaufzucht beeinträchtigt werden.

Verändert sich durch die Coronasituation ev. auch die Einstellung der Menschen zu ihrer Umwelt/der Natur?
MARIA HUTTER: Ich denke, wir lernen die Natur in unserem direkten Wohnumfeld wieder mehr zu schätzen. Diese neue Achtsamkeit kann positiv für den Erhalt und Schutz unserer Natur sein. Das hoffe ich jedenfalls sehr.

Die Beunruhigung der Tiere im Wald nimmt durch Sportler und Spaziergänger abseits der Wege stark zu.
Landesrätin Maria Hutter wünscht sich eine achtsame Naturnutzung von den Salzburgern.

Telegram anmelden

Die aktuellsten lokalen Nachrichten -
direkt auf dein Smartphone!


Telegram anmelden



Autor:

Julia Hettegger aus Salzburg

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

24 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen