stadtNAH Geschichte
Die Hundsgräfin – Emilia Baronin von Wolfsberg

"Die Arche": das Barock-Schlösschen Rauchenbichlerhof. einst die Heimstätte der "Hundsgräfin"
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Sie war ein Bergarbeiterkind, ein Mündel, Mätresse, Baronin und wurde in einem Armengrab bestattet.  


Prolog

Es ist früh am Morgen des Jahres 1843, als ein merkwürdiges Gefährt das Stadttor der oberösterreichischen Kreisstadt Salzburg in der Linzer Gasse von Schallmoos kommend durchquert. Klappernd rattern die Metallbeschlagenen Holzräder über das Stöckelpflaster der Linzer Gasse. Hechelnd zieht eine starke Dogge die Ponykutsche. Der kleine Wagen wird von einer abgemagerten Frau in den Fünfzigern gesteuert. Ihre Kleider wirken auf dem schmächtigen Körper zu groß, sind abgetragen und entsprechen schon längst nicht mehr der aktuellen Mode. Ihr Ziel ist die städtische Verwaltung um sich ihre „Apanage“ zu sichern. Diese kleine Pension ist alles, was von ihrem Reichtum geblieben ist. Was die Lenkerin nicht weiß: schon bald wird sie ihre geliebten 160 Tiere und ihr Heim, das Barockschlösschen Rauchenbichlerhof in Schallmoos, durch Versteigerung verlieren. - So oder so ähnlich könnte es sich in den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts zugetragen haben, wenn sich Emilie Kraus Baronin von Wolfsberg, ihre Gnadenpension, die ihr die ehemalige französische Kaiserin Marie-Luise gewährt hatte, abholte.

SALZBURG. Geboren wurde die Baronin von Wolfsberg am 17. Oktober 1785 in Indria, Herzogtum Krain, unter dem bürgerlichen Namen Emilia Victoria Kraus. Der Vater war nach unterschiedlichen Quellen ein einfacher Bergmann, ein kleiner Bergbeamter oder Schichtmeister in den Quecksilberbergwerken Indrias., die Mutter Lehrerin. Nach dem frühen Tod ihres Vaters wurde die kleine Emilia mit zehn Jahren vom Habsburger k.k. Offizier Philipp (von) Mainoni (1765 - 1832) adoptiert und mit nach Wien genommen. während Mainoni selbst 1798 heiratete und beruflich die Karriereleiter bis zum Hofrat und Referatsleiter aufstieg, erfuhr Emilia eine standesgemäße Ausbildung und wurde gesellschaftsfähig. 

Der Adjudant "Graf von Wolfsberg"

Wer denkt Männerkleidung für Frauen ist erst eine Erfindung des 20. Jahrhunderts, liegt falsch. Napoleon Bonaparte wurde ab 1805 auf seinen Feldzügen von einem Pagen bzw. Adjutanten "Graf von Wolfsberg" begleitet. Diese schlanke, blonde Person in Uniform war niemand anders, als eben jene Emilia. Es ist nicht ganz gesichert, wie lange die vermutete Affäre zwischen dem Korsen und Emilia andauerte, vermutlich bis 1810. Gesichert ist, dass Emilia am 8. Mai 1810 auf Schloss Trianon bei Versaille, einen Sohn zur Welt brachte. Dieses Kind wurde auf Geheiß des Kaisers nach Wien gebracht und dort einer kinderlosen Familie zur Adoption übergeben. Als "Dank" für ihre "Dienste" erhob Napoleon zur "Freiin von Wolfsberg"

Das Bild soll Emilia Victoria Kraus darstellen. Es stammt aus einer Briefmarkenserie aus Paraguay zum Thema Napoleon.

Die Arche Noah: Eine Legende entsteht

Es folgte für Emilie eine eher unglückliche Ehe mit einem Wiener Rechtsanwalt, die Scheidung von diesen und eine Übersiedlung nach Bregenz. Finanziell gut abgesichert durch eine hohe Pension, die ihr Napoleon auf einem britischen Konto eingerichtet hatte, schien ihre Zukunft vielversprechend. Es folgte eine zweite Heirat (nicht gesichert) mit dem um 14 Jahre jüngeren Chirurgen Vincenz Brauner und 1828 die Übersiedlung nach Salzburg. Hier erwarb sie u.a. das Barock-Schlösschen Rauchenbichl. Das Schicksal schlug nach dem Tod von Napoleon unerbittlich bei Emilie zu: ihr Vormund kürzte ihr das Geld zunächst und brachte es dann vollständig beim Spiel durch. Moinoni setzte seinem Leben 1832 ein Ende. Zuvor hatte er alle Unterlagen vernichtet, die die Beziehung von Emilie und Napoleon bewiesen hätten. Zudem starb 1838 Vinzenz Brauner an der Schwindsucht (Tuberkulose). Ein aufwändiger Lebensstil, das Futter für 160 Tiere – angeblich fraßen die Hunde vom Silberteller und wurden unter Monumenten im garten bestattet – tat sein Übriges. bald hieß ihr Haus im Volksmund "Die Arche Noah" und sie selbst wurde als die "Hundsgräfin" bezeichnet.

Der Niedergang am "Fischerhäusl"

Der Niedergang kam rasch: 1843 wurde Emilies gesamter Hausstand und ein Großteil der Tiere versteigert.  Sie selbst musste in das sogenannte "Fischerhäusl" am Alterbach in Gnigl übersiedeln. Völlig verwahrlost, ohne Zähne und abgemagert fristete sie ein einsames Leben. Zum Finale ihres Lebens trat nochmals der Wiener Hof helfend in Form des Salzburger Erzbischofs Kardinal Schwarzenberg in Erscheinung: Sie wurde in das Herz Jesu Asyl zwangseingewiesen, flüchtete aber nach kurzer Zeit wieder zu ihren letzten Tieren in die Fischerhütte. dort starb Emilie Kraus Baronin von Wolfsberg am 16. April 1845.

Epilog 

Auf einer Gedenktafel am Gnigler Friedhof stehen folgende Zeilen:

"Zur Erinnerung an die Hundsgräfin Emilie Freiin von Wolfsberg, geb. Kraus, die langjährige Begleiterin Napoleons !. auf allen Feldzügen und seine treue Begleiterin bis zu seinem Sturze. Wer frei von Schuld und Fehler , der werfe den ersten Stein nach ihr."

Emilias Sohn: Eugen Megerle von Mühlfeld

Eugen wurde Jurist, Gründer der Wiener Rechtsanwaltskammer, Dekan der Universität Wien und Reichstagsabgeordneter. Obwohl es keine Unterlagen über die wirkliche Vaterschaft Napoleons gab, pilgerten zu Lebzeiten viele französische Offiziere zu dem Wiener.

Erschienen im Magazin stadtNAH, 1. Jahrgang, Nr. 1, 11. April 2019 / e-Paper  HIER


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Das Bild soll Emilia Victoria Kraus darstellen. Es stammt aus einer Briefmarkenserie aus Paraguay zum Thema Napoleon.
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