Tag des Ehrenamts
Jeder zweite Salzburger engagiert sich freiwillig

Im Seniorentageszentrum des Hilfswerks in Hallein engagiert sich Eva Heuwieser seit ein paar Monaten ehrenamtlich.
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  • Im Seniorentageszentrum des Hilfswerks in Hallein engagiert sich Eva Heuwieser seit ein paar Monaten ehrenamtlich.
  • Foto: Hilfswerk Salzburg, Spraider
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Am 5. Dezember ist der Tag des Ehrenamts. Wir haben Salzburger gefragt: Warum engagieren Sie sich freiwillig?

SALZBURG. 46 Prozent der über 15-Jährigen in Österreich sind in irgendeiner Form unbezahlt freiwillig oder ehrenamtlich tätig. Das sind rund 3,5 Millionen Menschen. Sie leisten unverzichtbaren Beitrag für den sozialen Zusammenhalt und für die Lebensqualität in ihrer Heimat. In Salzburg zeigt sich ein ähnliches Bild. Jeder zweite Salzburger üben ein Ehrenamt aus. Um sie zu würdigen, wurde der internationale Tag des Ehrenamts ins Leben gerufen. Er findet am 5. Dezember statt.

Wir haben uns in Salzburg auf die Suche nach Ehrenamtlichen gemacht und sie gefragt, warum sie sich neben Beruf und Familie auch noch freiwillig engagieren. 

"Wie ein zweiter Beruf"

Seit fünf Jahren holt Annemarie Priller aus Bürmoos täglich Menschen mit Behinderung oder Erkrankungen von zu Hause ab und fährt sie zur Behandlung, in Einrichtungen oder Tageszentren. Sie ist im Fahrdienst des Samariterbunds freiwillig tätig. "Ich war vor meiner Pensionierung Buchhalterin und Lohnverrechnerin. Das hier ist wie mein zweiter Beruf, den ich mit Begeisterung ausübe", sagt Priller. 

Seit fünf Jahren ist Annemarie Priller täglich freiwillig im Fahrdienst des Samariterbunds tätig.
  • Seit fünf Jahren ist Annemarie Priller täglich freiwillig im Fahrdienst des Samariterbunds tätig.
  • Foto: Samariterbund Salzburg, Djokic
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"Hält mich fit"

Ein Ehrenamt übernimmt man laut Annemarie Priller nicht aus Langeweile, sondern, weil man etwas zurückgeben will. "Ich hatte immer ein gutes Leben, jetzt kann ich der Gesellschaft etwas dafür zurückgeben. Für mich selbst ist diese Tätigkeit sehr erfüllend. Es ist eine sinnvolle Aufgabe, die mich fit hält", so Priller.

"Respekt vor dem Alter wächst"

Im Seniorentageszentrum des Hilfswerks in Hallein engagiert sich Eva Heuwieser seit ein paar Monaten ehrenamtlich. Dort verbringt sie mit Senioren aus der Gemeinde den Tag. Es wird zusammen gefrühstückt, spazieren gegangen, gesungen, gebastelt und auch mal gebacken. "Es ist toll mit den Senioren Zeit zu verbringen. Viele sind sehr tapfer und haben viel zu erzählen. Mein Respekt vor dem Alter ist dadurch enorm gewachsten", sagt Heuwieser, die seit Februar in Pension ist und früher im Gastgewerbe gearbeitet hat.

Im Seniorentageszentrum des Hilfswerks in Hallein engagiert sich Eva Heuwieser seit ein paar Monaten ehrenamtlich.
  • Im Seniorentageszentrum des Hilfswerks in Hallein engagiert sich Eva Heuwieser seit ein paar Monaten ehrenamtlich.
  • Foto: Hilfswerk Salzburg, Spraider
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"Sich selbst hinten anstellen"

Für Heuwieser ist man für das Ehrenamt geeignet, wenn man emphatisch ist, die Menschen mag und sich selbst auch mal hinten anstellen kann. 

Aus Uniprojekt wurde Ehrenamt

Aus einem Seminar an der Universität Salzburg im Rahmen der "Uni 55 Plus" entstand das Projekt "Malen mit dementiell erkrankten Menschen". Einer der drei Initiatoren ist Gerhard Schober aus Hallein, ihn hat das Projekt zum begeisterten Ehrenamtlichen gemacht. "Ich war bis vor sechs Jahren beruflich selbstständig und hätte keine Zeit für ein Ehrenamt gehabt. Jetzt erfüllt mich diese Aufgabe sehr. Seit 2017 sind Schober und seine Kollegen regelmäßig in Seniorenhäusern und malen mit den Bewohnern. Mitmachen können Senioren mit und ohne Demenz.

Valerie Pichler, Margit Pöschl und ich Gerhard Schober haben als Seniorenstudenten der UNI 55 Plus das Thema „Malen mit dementiell erkrankten Menschen“ erarbeitet und setzen dieses nun in Seniorenheimen um.
  • Valerie Pichler, Margit Pöschl und ich Gerhard Schober haben als Seniorenstudenten der UNI 55 Plus das Thema „Malen mit dementiell erkrankten Menschen“ erarbeitet und setzen dieses nun in Seniorenheimen um.
  • Foto: Caritas Salzburg, Hofmann
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"Wir geben und bekommen viel"

"Mit der Aktion schaffen wir eine Auszeit von der Krankheit. Die Menschen können aktiv werden und stolz auf ihr Ergebnis sein. Das bewegt mich sehr", sagt Schober. "Unsere Malgruppe geht aus jeder Stunde mit eben so viel positiven Erlebnissen heraus, wie wir in unser Projekt hineingesteckt haben."

Aus einem Seminar an der Universität Salzburg entstand das Projekt "Malen mit dementiell erkrankten Menschen". Das ist das aller erste Bild, das im Rahmen der Malstunde entstanden ist.
  • Aus einem Seminar an der Universität Salzburg entstand das Projekt "Malen mit dementiell erkrankten Menschen". Das ist das aller erste Bild, das im Rahmen der Malstunde entstanden ist.
  • Foto: Gerhard Schober
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"Das relativiert die eigenen Probleme"

Über die Flüchtlingssituation 2015 ist Andrea Hörfarter zur Freiwilligkeit gekommen. Die Pinzgauerin wollte den geflüchteten Menschen unbedingt helfen und hat über das Diakoniewerk angefangen, Sprachtraining zu geben. Nach drei Jahren der Freiwilligkeit hat sich Hörfarter sogar zur Deutsch als Fremd- und Zweitsprache-Trainerin ausbilden lassen. "Aus dem Ehrenamt ist sozusagen ein Beruf geworden", sagt die Stuhlfeldenerin. Zu helfen, ist für sie eine wundervolle Aufgaben. "Die eigenen Probleme werden angesichts der Geschichten dieser Menschen relativiert. Die Freiwilligkeit bereichert mein Leben und ich habe neue Freunde gefunden", sagt Andrea Hörfarter.

Andrea Hörfarter gibt seit 2015 Sprachtraining für geflüchtete Menschen im Pinzgau.
  • Andrea Hörfarter gibt seit 2015 Sprachtraining für geflüchtete Menschen im Pinzgau.
  • Foto: Hörfarter
  • hochgeladen von Julia Hettegger

"Jeder braucht einmal Hilfe"

Vor zehn Monaten ist Reza Teimorshorijeh mit seiner Familie aus dem Iran nach Salzburg gekommen. Über das Hilfswerk engagiert er sich freiwillig in der Hausgemeinschaft des Seniorenheimes Werfen. "Ich spiele Karten mit den Bewohnern, decke den Tisch, helfe beim Aufräumen und gehe mit ihnen spazieren",sagt der 30-Jährige, der schon sehr gut Deutsch spricht. In seiner Heimat war er im IT-Bereich in einer Bank tätig. Mit der Betreuung von Senioren oder einer freiwilligen Tätigkeit hat Reza Teimorshorijeh hier zum ersten Mal zu tun. Aber es gefällt ihm: "Wir brauchen alle in unserem Leben einmal Hilfe und sind froh, wenn jemand da ist. Daher mache ich das gerne. Ich will an jedem Tag für jemanden hilfreich sein."

Reza Teimorshorijeh engagiert sich freiwillig im Seniorenheim Werfen. Dort spielt er gerne Karten mit den Bewohnern. Im Bild mit Franz Rettenwander.
  • Reza Teimorshorijeh engagiert sich freiwillig im Seniorenheim Werfen. Dort spielt er gerne Karten mit den Bewohnern. Im Bild mit Franz Rettenwander.
  • hochgeladen von Julia Hettegger

"Aus ihren Erfahrungen lernen" 

Besonders gefällt Reza Teimorshorijeh, dass er im Gespräch mit den Senioren vieles aus deren Leben erfährt. "Ich kann von ihren Erfahrungen für mein Leben lernen", sagt der 30-Jährige. 

Zur Sache:
Der Verein Freiwilligenzentrum Salzburg ist die Servicestelle und Drehscheibe für freiwilliges
Engagement im Sozialbereich in Stadt und Land Salzburg; www.freiwilligenzentrum-salzburg.at.

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Autor:

Julia Hettegger aus Salzburg

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