Gänsehautsalon in der Blauen Gans
Und, was jetzt, Frau Gutjahr: Der Anspruch auf Qualität in der Kultur

Gänsehautsalon im Art Hotel Blaue Gans. Tina Heine stellt die Frage: "Und, was jetzt, Frau Gutjahr" (v.l.: T. Heine, E. Gutjahr)
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SALZBURG. Im Salzburger Arthotel der Blauen Gans ist seit einiger Zeit mit dem Gesprächsformat des Gänsehaut-Salons eine Dialogserie gestartet worden, die die Auswirkungen von Covid-19 auf unser Leben thematisiert und eine Orientierung bietet. Dabei werden vom Hausherren Andreas Gfrerer Menschen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien zum Gespräch eingeladen.

Die Stadt anders spüren

Als Gastgeberin fungierte vor kurzem die Künstlerische Leiterin von Jazz & the City, Tina Heine. Von Ihrer Gesprächspartnerin, der Rektorin des Mozarteums Salzburg (MOZ) Elisabeth Gutjahr, wollte sie deren Erlebnisse und Empfindungen während des Lockdowns erfahren.

"Ja, es muss immer Mozart sein, Frau Heine" sagt die Rektorin des Mozarteums Salzburg, Elisabeth Gutjahr
  • "Ja, es muss immer Mozart sein, Frau Heine" sagt die Rektorin des Mozarteums Salzburg, Elisabeth Gutjahr
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"Der Shutdown war für mich ein Moment, diese Stadt anders zu spüren," so Gutjahr. "Die Stadt wurde wichtiger, als die vielen Menschen die sonst da sind." Ohne dem geschäftigen Treiben von Touristen und Bewohnern war plötzlich wieder die Stadt zu hören."Man hörte ihre Mauern, ihre Geschichte surren, es hatte etwas poetisches an sich. Man "hörte" geradezu die Anstrengungen der Menschen, die diese Stadt geschaffen haben," schilderte die Rektorin ihre Empfindungen.

Sie habe es als Geschenk angesehen, die Stadt so zu erleben. In den ersten Wochen ging es aber auch darum, den Menschen in ihrem universitären Umfeld Hilfe zu leisten. Viele der Studenten saßen ohne Instrumente und Geld bzw. der Möglichkeit zu arbeiten fest. Zum Teil wurde Geld für Lebensmittel für Studierende gesammelt. In dieser Phase war es für die Rektorin wichtig Wege zu den ihr anvertrauten Menschen zu finden. Das betraf auch die Aussenstelle in Innsbruck, die besonders stark betroffen war. Die meisten Studenten sind nicht wohlhabend. Viele sparen sich mit Unterstützung ihrer Familien den Aufenthalt ab, damit sie in Salzburg studieren können. Auf eine Erfahrung während des Lockdowns kann die Rektorin des MOZ gerne verzichten: die Stundenlangen Videokonferenzen.

"Ich habe mich nach den Stundenlangen Videokonferenzen regelrecht erschlagen gefühlt. Es ist extrem Anstrengend. Ich war so ausgelaugt," erzählt Gutjahr. 

Der Anspruch etwas ganz besonderes zu gestalten

Gutjahr sieht ihren Job als Vermittlerin zwischen den Professoren, die einerseits Künstler, Forscher und zugleich Systemaktive Netzwerker sind, die national und international in verschiedenen Gremien sitzen. 

"Gleichzeitig soll er für jeden Studenten da sein, ein Teamworker sein. Kurz und Gut ein Universitätsprofessor ist jemand der eine 14 Tage Woche innerhalb einer Woche hat und einen 48 Stunden Tag hat. - Das ist natürlich unmöglich.  Jeder der Professoren macht dann Schwerpunkte und andere Sachen bleiben auf der Strecke.  Es sind dann die Dinge die die jeweils anderen ärgern."

Gutjahr sieht ihren Rektorenjob als Vermittlerin, die durch ihr langes Handwerk als Universitätsangestellte der gesamten Gruppe Mozarteum Salzburg agierend zur Seite steht. Dabei soll das Meiste für die Einzelnen herausschauen. Diese Arbeit ist immer ein dynamischer Prozess und nie fix. Dabei soll nie aus den Augen gelassen werden, daß das MOZ einen Basisanspruch an die Qualität stellt.

Wir haben den Anspruch darauf, etwas ganz Besonderes zu entwickeln und nach vorne zu bringen. Gleichzeitig ist aber ein sehr gleichmachendes Hochschulsystem vorhanden," sagt die Rektorin.

Das derzeitige Hochschulsystem bietet im Modulsystem allen alles an. Hintergrund sind die Bologna-Verträg die es allen Studierenden in ganz Europa ermöglichen in allen Universitäten gleichrangig studieren zu können. Daher wird im MOZ darauf geachtet, strukturell international aufgestellt zu sein. Darüberhinaus versucht das MOZ aus eigenem Selbstverständnis heraus, etwas ganz Besonderes zu sein und eine hohe Qualität in der Ausbildung zu erreichen.    

"Manche Schauspieler finden Mozart bescheuert.  - Die abzuholen und zu sagen eure Klischees interessieren mich jetzt gar nicht. Guckt euch das jetzt mal an. Was ich erlebe ist, das die verschieden Darstellungsarten unterschiedlich denken und sich austauschen. Es ist eine Herausforderung Studierende, Lehrende und Experten zusammenzuführen  und sie dazu zu bewegen etwas zu machen, wovon sie danach begeistert sind," Elisabeth Gutjahr, Rektorin MOZ
  • "Manche Schauspieler finden Mozart bescheuert. - Die abzuholen und zu sagen eure Klischees interessieren mich jetzt gar nicht. Guckt euch das jetzt mal an. Was ich erlebe ist, das die verschieden Darstellungsarten unterschiedlich denken und sich austauschen. Es ist eine Herausforderung Studierende, Lehrende und Experten zusammenzuführen und sie dazu zu bewegen etwas zu machen, wovon sie danach begeistert sind," Elisabeth Gutjahr, Rektorin MOZ
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Während Heine den Anspruch des Besonderen des MOZ in Frage stellt und ein Unbehagen dabei spürt, sieht Gutjahr den Wettbewerb, Qualität und das sich wundern im Wesen des Menschen verankert. Für Gutjahr ist die Kunst nicht nur Wettbewerb, sondern eine Daseinsform die die Möglichkeit besitzt, die Gesellschaft mitzugestalten. Diese Dimension ist für die MOZ-Rektorin gut wenn sie interdisziplinär ist und nicht nur eine Fachrichtung erfasst. 

"Manche Schauspieler finden Mozart bescheuert. - Die abzuholen und zu sagen eure Klischees interessieren mich jetzt gar nicht. Guckt euch das jetzt mal an. Was ich erlebe ist, das die verschieden Darstellungsarten unterschiedlich denken und sich austauschen. Es ist eine Herausforderung Studierende, Lehrende und Experten zusammenzuführen und sie dazu zu bewegen etwas zu machen, wovon sie danach begeistert sind," Elisabeth Gutjahr, Rektorin MOZ



Tina Heine (Künstlerische Leiterin von Jazz & the city) stellt die Frage: "Muss es immer Mozart sein, Frau Gutjahr?"
  • Tina Heine (Künstlerische Leiterin von Jazz & the city) stellt die Frage: "Muss es immer Mozart sein, Frau Gutjahr?"
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Wenn der Amtsschimmel wiehert

Eine besondere Erfahrung für sie seien auch die Instanzenwege und Entscheidungsfindungen von offizieller Seite in dieser Situation gewesen. Hier sind ministeriale Erlässe mit der praktischen Umsetzung oft kollidiert. Abstandsregeln und künstlerische Prüfungen sind nicht wirklich vereinbar. Nach dem Universitätsfinanzierungsgesetzt aus 2019 werden die Universitäten durch die Steigerung der Anzahl der prüfungsaktiven Studien und der abgeschlossenen Studien bemessen. Stichtag ist hier der 30. September 2020.

"Prüfungen im MOZ können nur mit Begegnungen durchgeführt werden. Kunst ist keine Einbahnstraße. Kunst ist immer Begegnung," schildert die Rektorin das Einhalten von Kennzahlen bei Prüfungen und nicht veränderten Stichtagen zur Bewertung der Universitären Leistungen und der Finanzierung durch den Steuerzahler.

Elisabeth Gutjahr:  "Kunst ist keine Einbahnstraße. Kunst ist immer Begegnung."
  • Elisabeth Gutjahr: "Kunst ist keine Einbahnstraße. Kunst ist immer Begegnung."
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Der dafür angesetzte Bemessungszeitraum wird in der Mitte von drei Jahren durchgeführt. Somit ist das Studienjahr 2020 sehr wichtig für die Finanzierung der Universitäten in den nächsten Jahren. Bedingt durch den Shutdown, den fehlenden Stunden und den Abstandsregeln ist generell mit geringeren Abschlussquoten zu rechnen. Zwar wurde der Prüfungszeitraum ausgedehnt, aber nicht jede Prüfung die bestanden wird, kann verwaltungstechnisch an das Ministerium übermittelt werden, da diese auf einen Stichtag im September beharren. Damit fehlen den Universitäten aber dringend benötigte Finanzmittel. In dieser Situation kann man laut Gutjahr entweder verzweifeln oder sich eine vernünftige Relaxtheit zulegen.

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