Gewalt an Frauen
Kritik an der europaweiten Ausschreibung von Frauenhäusern

Landesrätin Andrea Klambauer mit neuem Frauenhaus in Saalfelden.
  • Landesrätin Andrea Klambauer mit neuem Frauenhaus in Saalfelden.
  • Foto: Land Salzburg/Franz Neumayr
  • hochgeladen von Julia Hettegger

Während Salzburgs Parteien den Schritt der Landesrätin kritisieren, die Leistungsverträge zweier Frauenhäuser EU-weit auszuschreiben, verweist diese auf die Notwendigkeit, um deren Qualität zu verbessern.

SALZBURG. Das Land Salzburg fördert die Salzburger Frauenhäuser in Salzburg und Hallein mit insgesamt 1,25 Millionen Euro pro Jahr. „Seit den 80er Jahren gibt es allerdings ein unverändertes Konzept, welches nicht mehr den Anforderungen des 21. Jahrhunderts entspricht“, sagt Neos Salzburg Frauensprecherin Liesl Weitgasser.

"Keine Kooperationsbereitschaft signalisiert"

Das sei einer der Gründe, weshalb Landesrätin Andrea Klambauer sich entschlossen habe, in den nächsten zwei bis drei Wochen die Leistungsverträge der beiden Frauenhäuser Hallein und Stadt Salzburg für 2021 auf drei Jahre EU-weit neu auszuschreiben. Ziel sei es nicht, dadurch Geld zu sparen, sondern das Angebot der Frauenhäuser zu verändern zu verbessern, so die Landesrätin, die seit langem keine Kooperationsbereitschaft in den Häusern in der Stadt und in Hallein dazu gesehen habe. 

Auf Unmut stößt die Situation nicht nur bei den Frauenhäusern selbst – lesen Sie >>HIER<< den Bericht aus Hallein – sondern auch in der Politik.

"Rechtlich nicht nötig"

„Was Andrea Klambauer macht, ist rechtlich unnötig und sozial völlig unverständlich“, sagt Sozial-Stadträtin Anja Hagenaue. „Diese bewährten und erfahrenen Einrichtungen zu zerstören, ist ein Schlag ins Gesicht der engagierten Frauenszene“, ergänzt Stadträtin Martina Berthold. Rechtlich sei es nicht nötig, von der bewährten Subventionierung abzugehen und Frauenhäuser auszuschreiben, weder vergabe- noch beihilfenrechtlich, sagen die Stadträtinnen. 

"Finanziellen Mittel werde erhalten und Schutzwohnungen entstehen"

Rechtlich sei es vielleicht nicht nötig, "aber inhaltlich", sind die Salzburger Neos sicher: „Eine Weiterentwicklung der Frauenhäuser ist auch schon in der Vergangenheit unter roten und grünen Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträgern geplant gewesen, dann aber immer wieder verschoben worden“, sagt Neos Abgeordnete Liesl Weitgasser, die betont: "Wir werden die Frauenhäuser nicht zerschlagen, schließen, in Frage stellen oder ähnliches. Ganz im Gegenteil: Die bestehenden finanziellen Mittel werde auch weiterhin erhalten bleiben, zusätzlich soll es sogar noch Schutzwohnungen für den Lungau geben“, so Weitgasser.

Auf wessen Kosten?

Nachteile für die betroffenen Frauen sieht die Bürgerliste/Die Grünen: "Wenn bewährte und regional verankerte soziale Strukturen ersetzt werden, indem sie international ausgeschrieben werden, so passiert das letztendlich immer auf dem Rücken der Betroffenen. Warum man das ausgerechnet auf Kosten der verletzlichen Gruppe der Gewaltopfer durchspielen will, ist unverständlich", heißt es in deren Aussendung. 

"Nur Vorteile für die Betroffenen" 

Das sieht Landesrätin Andrea Klambauer nicht so: "Die Frauen müssen im Frauenhaus auf das Leben danach vorbereitet werden. Das soll passieren. Wir werden daher auch Übergangswohnungen zur Verfügung stellen, wo sie noch betreut werden, aber schon selbstständiger leben. Außerdem wollen wir die betroffenen Frauen zurück in die Mitte der Gesellschaft holen."

„Es ist mir peinlich, anzusehen, wie man hier mit dem engagierten Personal verfährt“, sagt Salzburgs Freiheitliche Frauensprecherin LAbg. Karin Berger.  

Warum nur Stadt und Hallein?

Für Unverständnis sorgt auch die Entscheidung, nur die Frauenhäuser in der Stadt und in Hallein und nicht jenes im Pinzgau auszuschreiben. „Damit entlarvt sich Klambauer selber. Sie will sich hier der kritischen, feministischen Frauenhaus-Arbeiterinnen entledigen. Diese willkürliche Entscheidung kritisieren wir zutiefst“, sagt Martina Berthold. „Die Arbeit der drei Salzburger Frauenhäuser kenne und schätze ich seit über 25 Jahren."

"Pinzgau funktioniert vorbildlich"

Dazu sagt Landesrätin Klambauer: "Es gibt keine Kooperationsbereitschaft in der Stadt und in Hallein, dagegen hat die Zusammenarbeit und die Arbeit generell im Pinzgau immer gut funktioniert. Dort geht man raus in die Beratung und auch die Zusammenarbeit mit der Polizei und dem Gewaltschutzzentrum funktioniert perfekt." 

Neues Frauenhaus mit Unterstützung der EU 

Im Pinzgau wird aktuell mit Unterstützung der Europäischen Union ein neues Frauenhaus unter dem Motto „Sichtbar und Sicher“ mit neuem Konzept gebaut. "Jetzt sollen auch die Frauenhäuser in Salzburg und Hallein im Sinne der Betroffenen weiterentwickelt werden", so Klambauer.

>>HIER<< lesen Sie mehr über das neue Frauenhauskonzept im Pinzgau.
>>HIER<< finden Sie die Stellungnahme aus dem Frauenhaus Hallein.

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