Interview
"Viele sind es leid, von außen zu hören, wie Landwirtschaft zu funktionieren hat"

Bei der "Schlüsselübergabe": Rupert Quehenberger (li.) folgt Franz Eßl (re.) nach. Landeshauptmann Wilfried Haslauer (Mitte) nahm bei der Vollversammlung die Angelobung des neuen Präsidenten vor.
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  • Bei der "Schlüsselübergabe": Rupert Quehenberger (li.) folgt Franz Eßl (re.) nach. Landeshauptmann Wilfried Haslauer (Mitte) nahm bei der Vollversammlung die Angelobung des neuen Präsidenten vor.
  • Foto: Landwirtschaftskammer Salzburg
  • hochgeladen von Julia Hettegger

SALZBURG. Mit mehr als 90 Prozent der Stimmen wurde Rupert Quehenberger aus Annaberg (Tennengau), zum neuen Präsidenten der Landwirtschaftskammer Salzburg gewählt. Wir haben den "Holzerbauern" zum Interview getroffen.

Herr Quehenberger, welches sind die größten Herausforderungen, die Sie aktuell für die Landwirtschaft sehen?
RUPERT QUEHENBERGER:
Der Klimawandel sowie die Rahmenbedingungen und Richtlinien für die Landwirtschaft.

Als erste Herausforderung haben Sie den Klimawandel genannt. Wie wirkt sich dieser aktuell auf unsere Landwirte aus?
RUPERT QUEHENBERGER:
Dieses Jahr hatten alle mit der Dürre zu kämpfen sowie mit Stürmen. Das bedeutete Ernteausfälle. Für die Zukunft wird sich die Art der Bewirtschaftung ändern müssen und es sind auch die Zustände der Wälder zu beobachten. Wir fragen uns, ob es in Zukunft noch Wälder geben wird und in welcher Struktur.

Wie schaut es mit dem Trinkwasser aus?
RUPERT QUEHENBERGER:
Wenn die Dürreperioden länger werden, wird das Trinkwasser Thema werden. Wir haben heuer die ersten Quellen, die versiegt sind. Aktuell ist die Situation nicht besorgniserregend, aber wir müssen darüber nachdenken, wie wir die Trinkwassersituation langfristig für Mensch und Tier sichern können.

Da wird so ein bisschen Regen, wie wir in in der vergangenen Woche hatten, nicht viel ausrichten, oder?
RUPERT QUEHENBERGER:
So ist es. Es dauert vier bis sechs Wochen, bis Niederschlag im Grundwasser und damit als Trinkwasser ankommt.

Arbeiten Salzburgs Landwirte auch mit Experten zusammen, die sich mit Prognosen und Lösungsvorschlägen für die Zukunft beschäftigen?
RUPERT QUEHENBERGER: Selbstverständlich. Experten sind damit beschäftigt aufzuziegen, wie wir der Dürre entgegenwirken können, aber auch, wie wir Strukturen schaffen können, um mit solchen Situationen besser umzugehen.

Und was kann man konkret tun?
RUPERT QUEHENBERGER:
Wir schauen uns Landwirtschaften in Ländern an, die schon länger mit Trockenperioden umgehen müssen. Wir können auch den Pflanzenbestand hinsichtlich Trockenheitsresistenz verändern. Im Wald ist es z.B. so, dass Tannen mit Trockenheit besser umgehen können als Fichten.

Wie zufrieden sind Sie mit der "Kooperation" zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft?
RUPERT QUEHENBERGER:
In einigen Bereichen besteht zwischen den Bauern und der Gesellschaft wenig Konsens darüber, wohin die Reise gehen soll. Hier gilt es mit gegenseitigem Respekt aufeinander zuzugehen und ernsthafte, aber auch praktikable Lösungen zu finde. Egal ob beim Tier- und Umweltschutz oder wenn es um die Rückkehr großer Beutegreifer oder der Biber geht: Unsere Bauern sind bereit, einen Beitrag zum Arten- und Umweltschutz zu leisten. Wichtig ist dabei aber, dass die Menschen echte Perspektiven für die eigene Zukunft sehen. Viele sind es auch leid, dass man ihnen ständig von außen zuruft, wie Landwirtschaft zu funktionieren hat.

Was ist das Schöne daran, Bauer zu sein?
RUPERT QUEHENBERGER:
Das eigenverantwortliche Handeln zeichnet den Beruf ebenso aus, wie im Einklang mit der Natur und all ihren Herausforderungen zu leben.

Trotzdem ist es oft schwer, Nachfolger für Landwirtschaften zu finden. Was ist das abschreckend daran, Bauer zu sein?
RUPERT QUEHENBERGER: Rahmenbedingungen vorzufinden und Bürokratie ausgesetzt zu sein, die einen zu erdrücken scheinen.

Die Rahmenbedingungen haben Sie eingangs schon erwähnt; Was erwarten Sie sich von Seiten der Politik?
RUPERT QUEHENBERGER:
praxistaugliche und umsetzbare Rahmenbedingungen, abgestimmt und auf Augenhöhe mit der Landwirtschaft;

Können Sie uns ein Beispiel nennen?
RUPERT QUEHENBERGER:
Zum Beispiel bei der Almfutterflächenfeststellung. Hier wird aktuell mit einem Schätzfaktor gearbeitet, der jedes Mal zu einem anderen Ergebnis führt. Wir sind hier ausgeliefert. 

Wofür möchten Sie am Ende Ihrer Präsidentschaft bekannt sein?

RUPERT QUEHENBERGER: Dafür, Rahmenbedingungen geschaffen zu haben, die praktikabel sind und die den Leuten wieder Lust an der Landwirtschaft gemacht haben sowie dafür, viele Jugendliche für die Landwirtschaft begeistert zu haben.

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