GMUNDNER KAMMERCHOR - Chorausflug nach Dresden

Lieder aus dem Salzkammergut, ein musikalisches Ständchen vor der Semperoper
  • Lieder aus dem Salzkammergut, ein musikalisches Ständchen vor der Semperoper
  • hochgeladen von Kerstin Tittel

Das Reisetagebuch von Berti Landertshamer

Donnerstag. 9. 5.

Pünktlich zur Abfahrt um 8:00 Uhr sind die 49 TeilnehmerInnen (Chorleute und Gäste einschließlich der drei Krenslehner-Kinder) beim Parkplatz Grünbergseilbahn zur Stelle. Mit einem ganz neuen Bus der Firma Buchinger chauffiert uns Markus sicher durch die Lande. Im Bus teilt Reiseleiter Steffen Anhänger aus mit allen Angaben über die Strecke, Telefonnummern und allem, was sonst noch wichtig sein könnte, mit einem Bändchen versehen, damit wir sie um den Hals hängen können. Er hat mit deutscher Gründlichkeit alles bis ins kleinste Detail durchgeplant! Bei der Abfahrt herrscht prachtvolles Sommerwetter, aber bereits in Bayern ziehen Wolken auf, denn für die nächsten Tage ist der Wetterbericht nicht so gut und leider hat er Recht.

Unser erstes Ziel ist die Walhalla bei Regensburg, die unter Ludwig I. errichtete Ruhmes- und Ehren-halle der deutschen Geschichte. Gleich unterhalb der Walhalla, in der Hammermühle in Donaustauf, gibt es dann das Mittagessen und den Kaffee bei Markus, unserem Busfahrer – seine Spezialität ist Irish Coffee! In Deutschland ist heute „Herrentag“ und einige der Herren kriegen das mit und wollen ebenfalls Kaffee mit Whisky, den sie auch bekommen, nachdem wir versorgt sind.

Auf der Autobahn geht es dann vorbei an Regensburg nach Dresden. Damit die Fahrt kurzweiliger wird, gibt es im Bus einen Film über den Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden. In der Nähe von Hof im Dreiländereck Bayern (Oberpfalz), Sachsen und Thüringen verlief die Grenze zur DDR, der „antifaschistische Schutzwall“. Das Sperrgebiet begann 10 km vor der Grenze, hinter einem 5 Meter hohen Zaun befand sich ein schwer bewachtes Sperrfeld, das „grüne Band“. Das Leben in Ost und West hat sich sehr verschieden entwickelt, wie wir ja wissen. Das Vogtland (höchste Erhebung ca. 700 m), das wir gerade durchfahren, befand sich in diesem Sperrgebiet.

Dresden liegt nun vor uns, aber die Vorfreude auf das Hotel ist verfrüht, denn unser Hotel befindet sich in Cunnersdorf, an die 40 km südöstlich von Dresden, in der Nähe von Königstein. Auf dem Weg dorthin will uns Steffen seine und Kerstins frühere Heimat zeigen. Über Wald- und Wiesenstraßen, teilweise durch Umleitungen bedingt, führt er uns zu einer Stelle, wo man eine schöne Aussicht auf die Sächsische Schweiz hätte. Eine Gewitterfront mit tiefliegenden Wolken verhindert dies leider. Um 19:35 Uhr erreichen wir endlich unser Hotel „Deutsches Haus“, wo nach dem Abendessen noch eine Chorprobe stattfindet.

Freitag, 10. 5.

Heute steht die Besichtigung von Dresden am Programm, Kerstin übernimmt die Reiseleitung. Der vorhergesagte Regen ist leider eingetroffen.

Wir fahren über Pirna, wo Wismut abgebaut wurde. Für die Arbeiter wurden 17-stöckige Wohn-häuser errichtet, mehr als zehn Stockwerke waren sonst nur in Dresden erlaubt.

Dresden zieht sich 60 km entlang der Elbe hin. Ohne Eingemeindungen hat die Stadt 450.000 Ein-wohner (4,4 Mio leben insgesamt in Sachsen). Am Elbufer findet man die nördlichsten Weinberge und riesige Apfelplantagen sowie ein Forschungsinstitut für Pflanzen. In der DDR wurden die Elbauen nicht bebaut, 1. weil kein Geld vorhanden war und 2. weil es zweimal im Jahr Hochwasser gab. Nach der Wende erhielten Westbeamte Sonderbaugenehmigungen im Flutgraben und beim ersten Hoch-wasser waren die Häuser weg. Viele Ortsnamen enden hier auf –witz, was auf Siedlungen der Sorben hinweist.

Der Weiße Hirsch ist das Villenviertel von Dresden oberhalb der Elbe am Rand der Dresdner Heide. Schöne alte Jugendstilvillen sind noch erhalten.

Wir erreichen die Neustadt von Dresden. Ende des 19. Jh. entstanden hier Mietskasernen mit schönen Fassaden und Hinterhöfen. Die Annenkirche wurde zu einem Gästehaus umgebaut. Der „Goldene Reiter“, das vergoldete Reiterstandbild am Neustädter Markt zeigt den Kurfürst August den Starken. Er reitet nach Osten, denn er wollte König von Polen werden. Der schöne Blick auf die Altstadt von der Augustus-Brücke aus ist leider durch den Regen etwas getrübt. Wir besuchen das Historische Grüne Gewölbe und ausgerüstet mit Audio Guide bewundern wir die unermesslichen Schätze, die hier ausgestellt sind. Nächstes Ziel ist die Frauenkirche, wo zunächst eine Andacht abgehalten wird und anschließend eine Kirchenführung von der Kanzel aus erfolgt. Bevor sich die zahlreichen Besucher verlaufen, singt der Kammerchor von der Empore aus, wo uns die Plätze zuge-wiesen wurden, zwei Stücke aus dem Passionskonzert und wird mit Applaus bedankt. Anschließend gehen wir zum Mittagessen in den „Pulverturm“ gleich nebenan.

Nach dem Essen erwartet uns die Stadtführerin Frau Schweizer zu einem Rundgang, leider bei Regen: Über die Brühl’sche Terrasse, vorbei an der Kunstakademie zum Schloss und weiter zum Fürstenzug. Dieses 102 m lange Fries aus 25.000 Meißener Porzellankacheln zeigt alle Herrscher aus dem Hause Wettin, insgesamt 35 Markgrafen, Kurfürsten und Könige. Von hier ist es nicht weit zum Zwinger, der verschiedene Museen beherbergt. Als Zwinger bezeichnete man im Spätmittelalter den Freiraum zwischen äußerer und innerer Wehrmauer. Diesen Freiraum durchqueren wir und kommen zum Theaterplatz, auf dem sich u. a. die Semperoper, das Residenzschloss und die Altstädter Wache befinden. Inzwischen hat es zu regnen aufgehört und der Chor nimmt vor der Semperoper Aufstel-lung. Auf dem riesigen Platz spielt eine spanische Blasmusikkapelle, was das Zeug hält. Als sie endlich doch eine Pause macht, singt unser Chor einige Lieder, was auch gleich Leute anlockt.

Leider müssen wir schon wieder zum Bus, denn wir haben noch das Schloss Pillnitz auf dem Pro-gramm. Das Schloss schauen wir uns nur von außen an, dafür spazieren wir durch den herrlichen Park mit seiner Frühlingsblütenpracht zur Elbeterrasse, wo August der Starke auf der Elbe mit der Gondel anreiste. Die heutigen Gäste kommen mit dem Bus oder mit dem Schaufelraddampfer, der uns an die „Gisela“ erinnert. Gerade fährt nämlich einer vorbei.

Für heute reicht es, wir fahren ins Hotel. Nach dem Abendessen packen die Krensis ihre Instrumente aus, Vater und Sohn Josef spielen auf der Harmonika und Elisabeth begleitet sie auf der Gitarre. Gesungen wird natürlich auch wieder!

Samstag, 11. 5.

Um 8:30 Uhr fahren wir ab nach Königstein. Es ist noch kühl, aber bald zeigt sich die Sonne und es wird immer schöner. Das können wir heute in der Sächsischen Schweiz brauchen!

Die Festung Königstein liegt 240 m hoch über der Elbe und diente in Kriegszeiten dem sächsischen Herrscherhaus als Fluchtburg. Für die „Fußmaroden“ führt heute auf der Außenseite der Burgmauer ein Panoramaaufzug nach oben. Wir haben eine Führung durch die Burg, die von einer 1800 m langen Mauer umschlossen ist. Der im 16. Jh. in den Felsen geschlagene Brunnen mit einer Tiefe von 152,5 m und einem Durchmesser von 3,5 m war eine technische Meisterleistung. Es ist dies der zweittiefste Brunnen Europas. Nach der offiziellen Führung kommen wir gerade zu einer Demonstra-tion des Wasserschöpfens zurecht. Auf der Burg gibt es auch ein Restaurant, wo wir zu Mittag essen, bevor wir weiterfahren in die Sächsische Schweiz.

Dieser Teil des Elbsandsteingebirges weist bizarre Sandsteinfelsen und enge Schluchten auf. Die 1100 Klettergipfel aller Schwierigkeitsgrade locken zahlreiche Felskletterer an, die jedoch keine Aufstiegs-hilfen benutzen dürfen. Das touristische Zentrum der Sächsischen Schweiz ist Bad Schandau mit schönen Fachwerkhäusern, die mit grauen und weißen Schieferplatten verkleidet sind.

Wir fahren wieder hinauf auf die Hochfläche und Markus überrascht uns mit einer sächsischen Spezialität, die man einfach gekostet haben muss: Eierschecke – ein herrlich schmeckender Kuchen und dazu natürlich Kaffee spezial (mit Whisky!). Das Problem ist nur der „Parkplatz“, auf dem Markus sein Tischerl aufgestellt hat – die Zufahrt zu einem Feldweg, wo immer wieder einmal ein Auto hinein- oder herausfahren will, es ist nämlich die Zufahrt zu einem Biohof. Also Tisch weg, mit Bus hinaus auf die Hauptstraße und dasselbe in umgekehrter Reihenfolge! Diese Straße war bis 1938 Teststrecke für die Autobauer und als Hohnsteiner Rennweg bekannt. Eine kurze Wanderung führt uns zum Aussichtspunkt Hohburkersdorfer Rundblick Hohnstein, wo ein Kriegerdenkmal an die Gefallenen des 1. und 2. Weltkrieges erinnert. Auch eine Napoleonlinde gibt es hier.

Der berühmte Basteifelsen ist vom Kurort Rathen aus zu erreichen, uns bringt der Bus bis zum Zugang zur Basteibrücke. Wir machen den eindrucksvollen Rundgang mit einer Führung in zwei Gruppen. Auf der anderen Seite der Elbe ragt der Lilienstein auf, der charakteristischste Tafelberg des Gebirges. Mit dem Wetter haben wir heute Glück, es hält aus!

Kurz vor 19 Uhr fahren wir wieder zum Hotel.

Sonntag, 12. 5.

Nach dem Frühstück verabschieden sich Kienesberger Traudi und Otto, die beiden haben sich ihre Fahrräder mitgenommen und wollen weiter bis Berlin radeln. Um 8:30 Uhr brechen auch wir auf, zunächst nach Weesenstein an der Müglitz, wo wir das Schloss besichtigen. Im Schlosskeller, wo früher die Schlossküche war, haben wir das Mittagessen und fahren um 13 Uhr weiter ins Erzgebirge. Wir haben noch 580 km bis nach Hause vor uns.

Der größte Ort im Müglitztal ist Glashütte, in der DDR Hauptsitz der Uhrenindustrie. Vorbei an endlosen Rapsfeldern in voller Blüte kommen wir schließlich nach Prag, das wir auf der Autobahn umfahren. Bei einem McDonalds Rasthaus machen wir noch eine Pause. Immer wieder gehen Regenschauer nieder, die uns aber heute nichts mehr anhaben können. Beim Gasthaus Pferdeeisen-bahn südlich von Budweis essen wir noch zu Abend und um 19:30 Uhr geht es weiter Richtung Heimat. Ein kleiner Umweg ist aber noch drin: In Freistadt fahren wir beim Brauhaus vorbei, wo Konrad Feichtinger anlässlich der Landesausstellung ein beeindruckendes Kunstwerk installiert hat – Sonnenblumen mit Solarenergie.

Gegen 21:30 Uhr sind wir schließlich wieder in Gmunden. Mit einem Dankeschön an Kerstin und Steffen für die perfekte Organisation und Reiseleitung geht diese schöne Reise zu Ende.

Berti Landertshamer

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