Katholische Kirche im Salzkammergut
Predigt für 24. Mai 2026 von Christa Recheis-Kienesberger

Christa Recheis-Kienesberger von der Pfarre Pinsdorf. | Foto: Privat
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Die Predigt "Pfingsten – ein Fest des Miteinanders" für den 24. Mai 2026 stammt von Christa Recheis-Kienesberger. Sie ist Religionslehrerin und Gottesdienstleiterin in der Pfarre Pinsdorf.

PINSDORF. Was uns die Bibel erzählt: Was wir am Pfingstfest in der Apostelgeschichte hören und lesen, gleicht einem Wunder. Die Freundinnen und Freunde Jesu sind ratlos gewesen, voller Angst, dass man sie erwischen könnte. Voller Angst, dasselbe Schicksal zu erleiden wie Jesus, dem sie gefolgt waren. Sie haben sich versteckt, Türen und Fenster verschlossen. Die bange Frage im Herzen: Wie soll es denn jetzt weitergehen? Niemand wusste Rat. Und dann geschah es. Es war nicht geplant, es war wie ein Gewitter. Plötzlich war sie spürbar, diese neue Kraft, die Geistkraft Gottes. Genau davon wird am Pfingstfest erzählt.
Wenn wir allerdings nicht daran glauben, dass die Geistkraft Gottes ein Verstehen über alle Barrieren hinweg möglich macht, bleibt es eine fromme Geschichte, die wir sofort wieder vergessen. Aber Pfingsten wäre ein Aufbruch zu einer neuen Sichtweise.
Menschen verstehen sich, weil sie verstehen wollen. Pfingsten damals war wohl so ein Anlass, plötzlich ist es möglich geworden, was durch den gewaltsamen Tod Jesu nicht mehr denkbar war. Menschen hatten sich versammelt, um miteinander zu feiern. Die Atmosphäre hat sich verdichtet und plötzlich konnten alle, woher auch immer sie kamen, verstehen, was Auferstehung, was Aufbruch, was Miteinander bedeuten kann.

Die Geistkraft Gottes kann Grenzen sprengen

Das war damals – und es ist immer wieder passiert, zum Beispiel im 13. Jahrhundert. Ein überzeugter Fan der Geistkraft Gottes war Stephen Langton, ein englischer Theologe und Kardinal, von 1207 bis 1228 Erzbischof von Canterbury. Eines der ältesten Pfingstlieder, das „Veni Sancte Spiritus“, stammt von ihm.
Stephen Langton hat in einer politisch hochbrisanten Zeit gelebt: Der englische König hat mit eiserner Faust regiert, das Volk lebte in Armut und Unterdrückung. Gemeinsam mit Gleichgesinnten hat Langton ein Dokument entworfen, das wir heute als Magna Charta der Menschenrechte kennen. Sie haben erreicht, dass dieses Dokument vom König unterschrieben wurde und für viele Menschen Freiheitsrechte gebracht hat. Diese Magna Charta bildet bis heute ein Fundament der Demokratie – ein Dokument aus dem 13. Jhdt., inspiriert von Zivilcourage, Menschenverstand und der Heiligen Geistkraft.
Es ist anzunehmen, dass Langton sein „Veni Sancte Spiritus“ oft gebetet hat, in dem es unter anderem heißt: Wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt, lenke, was den Weg verfehlt.
Diese Geistkraft brauchen wir auch heute dringend: den Mut, Widerstand zu leisten, wo die Würde und Rechte der Menschen bedroht sind. Die Vernunft, auf Dialog, statt auf Waffengewalt zu setzen. Die Neugier von Kindern, um eine neue Sprache zu lernen: eine Sprache des Respekts und des Verstehen-Wollens. Dann kann die Geistkraft Gottes heute ebenso wie am ersten Pfingstfest Grenzen sprengen, Menschen zum Miteinander verführen, dafür sorgen, dass alle sich verstehen. Pfingsten ist der Traum vom gelungenen Miteinander, ein Vorgeschmack des Himmels.

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