Interview mit Timo Vogel
In einem Monat 57 Mal auf die Katrin gelaufen

Timo Vogel bei einem seiner 57 Gipfelsiege auf dem Ischler Hausberg.
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  • Timo Vogel bei einem seiner 57 Gipfelsiege auf dem Ischler Hausberg.
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Einmal auf den Ischler Hausberg, die Katrin zu gehen, ist ein Erlebnis. Den 1.542 Meter hohen Berg insgesamt 57 Mal zu erklimmen ist ein Kraftakt. Das Ganze aber nicht über mehrere Saisonen, sondern innerhalb eines Monats zu machen ist ... eigentlich unglaublich. Wie es dazu kam, dass er im vergangenen Februar 83.499 Höhenmeter im Salzkammergut sammelte, erzählt Timo Vogel im BezirksRundschau-Interview.

BAD ISCHL. Einer ganz besonderen Challenge stellte sich der 43-jährige Timo Vogel im vergangenen Monat. Der gebürtige Stuttgarter wohnt seit 2011 in Österreich und lebt seit Sommer 2018 im Salzkammergut. Normalerweise arbeitet er als Kellner, die corona-bedingte Zwangspause hat ihn zu einem besonderen Projekt inspiriert.

BezirksRundschau: Wenn man deine Social Media-Profile anschaut, ist ziemlich klar, dass Trailrunning deine große Leidenschaft ist.
Vogel: Meine Lauf/Trailrun-Leidenschaft ist erst ziemlich spät gekommen. Ich lauf erst wirklich seit 2015, und seh' mich auch eher als gewichtsoptimierten Wanderer, da ich eben statt schweren Schuhen und einem Rucksack jetzt eben Turnschuhe und eine Laufweste anhabe und beim „Wandern“ traillaufe.

Da kommt man sicher auch viel herum!?
Das Laufen hat mich schon an tolle Orte auf der Welt gebracht. Auf die Azoren, Madeira, mit die schönsten Lauferfahrung war z.b. der Transvulcania auf La Palma (74km/4350hm) über Vulkanasche und tollen Blicken auf das Meer. Ich verbinde eigentlich seit 2015 meine Jahresurlaub immer mit einem Trailrennen da sich das optimal ergänzt.

Zurück ins Salzkammergut. Wie genau ist es zu deinem Katrin-Projekt gekommen?
Das Projekt im Februar war eine virtuelle Gipfelchallenge, bei der es darum ging soviel Höhenmeter wie möglich in 28 Tagen zu sammeln. Die konnte man täglich auf sein Konto eingeben und kam so in ein Ranking. Und da ich nach der ersten Woche auf dem dritten Platz war, hat mich der Ehrgeiz gepackt und ich wollte versuchen, es bis zum Ende unter die Top3 zu schaffen. Die Katrin war der ideale Berg um viele Höhenmeter in kurzer Distanz und Zeit zu schaffen und dabei dank der Gondel die Beine zu schonen. So bin ich auf die 57 Mal gekommen.

In 28 Tagen insgesamt 57 Mal auf die 1.542 Meter hohe Katrin? Wie ist das möglich?
Mit viel Durchhaltevermögen. Allerdings bin ich "nur" nach oben gelaufen, runter bin ich im Februar kein einziges Mal gelaufen, da der Downhill die Beine sehr viel mehr belastet als das nach oben gehen. 25 Mal war ich allein in der letzten Februar-Woche auf der Katrin, da war ich an zwei Tagen jeweils fünf Mal oben, im normal Fall drei Mal pro Tag. Pause hatte ich in den 28 Tagen tatsächlich keine, ich war jeden Tag irgendwo draußen unterwegs. Allerdings hab' ich in der ersten Woche auch mal nur 555 Höhenmeter an einem Tag gemacht. Da ich aber starke Gegner um die Stockerlplätze hatte, waren die  Folgewochen mit mehr Höhenmetern und Zeit verbunden. In der ersten Woche waren es beispielsweise noch 95 Kilometer in Form von Runs oder Skitouren mit etwa 12.600 Höhenmetern. In der letzten Woche lief ich 160 Kilometer mit 30.000 Höhenmetern.

Und das alles auf dem Ischler Hausberg?!
Ich war auch auf anderen Bergen unterwegs , drei Mal auf dem Erlakogel oder auch mal auf dem Schafberg. Oft bin ich auch noch abends meine Haustrail-Runde auf die Hoisenradalm gelaufen. Trotzdem war die Katrin meine erste Wahl, weil sie der effizienste Weg war auf die Höhenmeter zu kommen. Ich wusste, dass ich ohne Probleme bis zu 5. 000 Höhenmeter schaffe. Genau in der Zeit von 8 bis16 Uhr, während die Gondel fährt sozusagen. Dabei bin ich die ganze Zeit über auch sehr konstant gelaufen, meine normale Zeit war immer zwischen 1:05 bis 1:10 Stunden, mit Gondelfahrt also 1:30 Stunden. Insgesamt war ich über 130 Stunden dafür unterwegs.

Wenn man da so oft raufläuft trifft man sicher auch so manche "normale" Wanderer. Wie haben die reagiert?
Ich hab' einige Leute kennengelernt, die mich angesprochen haben. Oftmals hab' ich wohl einiges Kopfschütteln bei den Leuten ausgelöst, die sich bei der Bergstation gesonnt haben und mich immer wieder vorbeilaufen gesehen haben. Einige haben mich dann auch gefragt was denn meine beste Zeit ist, da hab ich immer darauf geantwortet das ich das so nicht sagen kann, da ich noch nie wirklich auf Zeit hoch gelaufen bin. Weder im Sommer noch Winter. Und sowieso komme ich an einem Tag viel lieber fünf Mal in der gleichen Zeit an, als ein Mal in 40 Minuten.

Um so eine Leistung zu bringen, muss sicher viel zusammenpassen!?
Ich hatte eigentlich ziemlich Glück mit dem Wetter da es nur ein Mal wirklich kalt war, und da machte ich eben eine Skitour. Ansonsten konnte ich die letzte Woche eigentlich meist sogar schon die kurze Hose tragen. Und mit Crampons (leichte Schneeketten für Schuhe) ging es auch auf Schnee und Eis gut den Berg hoch. Begleitet wurde ich auch ab und an, z.b. von der Christina Herbst, bei der ich im Fitness Studio mit trainiere (Exciting Fit), und dem Peter Seebacher.

Was uns natürlich alle interessiert: Was ist nun deine Bilanz – hast du dein Ziel erreicht?
In der Gesamtwertung der Gipfel-Challenge habe ich den zweiten Platz belegt, bei den Herren bin ich sogar Erster. Aber das Podest ansich fühlt sich schon wie ein Sieg an. Vor allem, wenn man auf die Zahlen blickt: Ich habe den Mount Everest in dieser Zeit nicht nur ein Mal bezwungen, nein, sage und schreibe 9,43 Mal. Obendrein hab ich noch sechs Kilo abgenommen.

Nach dem Trailrun ist ja bekanntlich vor dem Trailrun. Was hast du geplant und hat es vielleicht wieer etwas mit der Region zu tun?
Tatsächlich plane ich ein Projekt im Salzkammergut, ein FKT (Fastest Known Time) sozusagen. Ich möchte gerne einmal den SalzkammergutSeenTrail nonstop laufen, was etwa 360 Kilometer mit 16.500 Höhenmetern sind. Ich denke, dass es eine tolle Strecke ist und freue mich schon auf die Umsetzung. Wann genau steht noch nicht fest, aber sicher ist, dass ich es versuchen werde. Erfahrung was die Art von Strecke angeht hab ich schon sammeln dürfen da ich 2018 den Swiss Peak 360, das ist einmal das gesamte Wallis in der Schweiz(360km 27.000hm) und 2019 den Tor des Geants, einmal das Aostatal umlaufen(350km/27.000hm) laufen durfte. Beide Trailrennen zählen wohl zu den schwersten der Welt.

Touren, die man sich selbst als ambitionierter Wanderer nicht vorstellen kann. Gibt es die Möglichkeit, dich und deine Abenteuer im Auge zu behalten?
Einen Bericht über meine Erlebnisse beim Tor des Geants gibt es auf der Trailrunning24-Homepage nachzulesen. Gestartet bin ich bei der Challenge auch für das Team Trailrunning24 da ich über das Team immer wieder mal Startplätze bekomme. Die Seite befasst sich mit allem rund um das Thema Trailrun, mit Terminen für Rennen, Blogbeiträgen über Rennen uvm.
Ansonsten poste ich regelmäig auf Facebook (Timo Vogel) und Instagram (Trailboy77).

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