Helden des Laufsports - Interview
Triathlet Adi Stöger im Interview

"Helden des Laufsports" führt Interviews mit Menschen, die eine gemeinsame Leidenschaft haben, nämlich das Laufen. Zeiten spielen hier keine Rolle, es geht um die Person und die Geschichte dahinter. Vom Genussläufer bis zum WM-Teilnehmer, hier ist von jedem etwas finden. Heute stellt sich Adi Stöger den Fragen.

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Adi Stöger befindet sich derzeit, nach der Geburt seines zweiten Kindes, in einer sportlichen Pause. In den Jahren davor konnte er im Triathlon große Erfolge feiern. Neben einem österreichischen Meistertitel in der allgemeinen Altersklasse, konnte sich der Gmundner 2016 auch für Hawaii qualifizieren. Alles über diesen Trip und was der 31-jährige Außendienstmitarbeiter der Energie AG für die Zukunft plant, ist hier im Helden-Interview #50 nachzulesen.

Helden des Laufsports: Hallo Adi, beginnen wir in deiner Jugend. Drei Jahre, genauer gesagt im Alter von 14 bis 17, warst du Mitglied beim PSV Wels. Von 800 bis 3000 Meter bist du alles gelaufen. Welche Erfolge konntest du in dieser Zeit feiern und warum war danach erst einmal Schluss mit dem Sport?

Adi: Die sportlichen Erfolge aus dieser Zeit sind überschaubar. Der wohl größte Erfolg war ein Crosslauf-Landesmeistertitel mit der Mannschaft. Auf der Bahn kamen bei Landesmeisterschaften noch einige Medaillen mit der Mannschaft dazu, ein Einzeltitel blieb mir in dieser Zeit verwehrt. In diesem Alter habe ich eine Grundgeschwindigkeit fürs Laufen aufbauen können, von der ich bis heute profitiere. Danach war Schluss – die Sturm und Drangzeit ging auch an mir nicht spurlos vorbei. Ja, was soll ich sagen – viel Party und Leistungssport verträgt sich einfach nicht.

Hdl: Als 22-Jähriger bist du dann zum Triathlon gekommen. Wie waren die Anfänge?

Adi: Die Anfänge waren natürlich sehr spannend. Laufen war nicht wirklich das Problem, wobei ich es schon unterschätzt, bzw. ich mich überschätzt habe. Um das Schwimmen zu erlernen, habe ich viel Zeit investiert. Das war mir sehr wichtig und hier konnte ich auch schnell gute Verbesserungen erzielen. Das Radfahren war so lala, da habe ich mich sporadisch auf ein geliehenes Rennrad gesetzt und bin etwas herumgefahren. Von gezieltem Training war ich weit entfernt. In Linz stand dann mein erster Triathlon am Programm (Sprintdistanz). Das Schwimmen absolvierte ich in einem viel zu großen und kurzen Neoprenanzug. Beim Radfahren war ich viel zu schnell unterwegs und beim abschließenden fünf Kilometer-Lauf war das „Sterben“ vorprogrammiert. Am Ende war es eine sehr lässige Erfahrung, und bereits nach dem ersten Finish kam die Lust auf mehr. Vier Monate später startete ich in Mondsee über die Olympische-Distanz und so kam eines zum anderen.

Hdl: 2016 dann dein toller Erfolg beim „Ironman Austria“. In Klagenfurt hast du nach 08:52 Stunden die Ziellinie überquert und konntest dich auf Platz 21, von insgesamt 3000 Startern, platzieren. Wie verlief das Rennen aus deiner Sicht?

Adi: Das Rennen war natürlich sensationell und man muss es so sagen: Es war mein Tag! Von der Vorbereitung im Training bis hin zum Mentaltraining lief alles perfekt. Ich bin am Morgen mit einer Freude aufgestanden und war einfach nur glücklich endlich bei einem Ironman am Start stehen zu dürfen. Ich habe alles alleine durchgezogen, mein Ritual durchgespielt und bin mental absolut positiv in das Rennen gestartet – weder mit Erwartungen noch mit Befürchtungen. Das Schwimmen zum Aufwärmen mit dem Ziel, nicht zu schnell starten und auch nichts verschlafen, einfach mitschwimmen, gelang mir sehr gut und ich konnte mit einer für mich passablen Zeit aus dem Wasser steigen. Das Radfahren, auf welches ich mich seit der Anmeldung freute, konnte ich mir gut einteilen. Ich liebe die Radstrecke dort und genieße immer wieder jeden Meter. Zu Beginn hieß es für mich Rhythmus finden und nach 20 Kilometer gut verpflegen – das ist bei jeden Ironman das Um und Auf.

Ich habe gut ein halbes Jahr alles probiert und getestet und wusste was mich erwartet. Beim Wendepunkt nach 40 Kilometer wurde mir klar, dass ich mich mittendrin im Rennen um die „Quali“ für Hawaii befand – mehr Motivation geht nicht. Beim abschließenden Marathon war alles geplant und trainiert. Zu Beginn bin ich meinen angepeilten Schnitt angelaufen und wurde von einigen Mitstreitern überholt. Aufgrund meines konstanten Tempos konnte ich diese Sportler bei Kilometer 25 wieder einsammeln und so bin ich einfach mein Rennen im „Flow“ gelaufen – es war MEGA! Es war der bis heute schönste Zieleinlauf meines Sportlerlebens.

Hdl: Neben dem österreichischen Meistertitel in der Allgemeinen Klasse, konntest du dir 2016 auch das Ticket für Hawaii sichern. Im Oktober 2016 war es dann soweit. Bevor wir über den sportlichen Wettkampf dort sprechen, würde uns noch interessieren welchen Aufwand man dafür betreiben muss. Wie lange warst du dort und wie organisiert man so eine Reise mit Rad und sonstiger Ausrüstung?

Adi: Organisatorisch war alles halb so schlimm, bzw. ist das ein sehr schöner Teil. Wer plant nicht gern seinen Urlaub? Zudem habe ich auch zwei gute Freunde, welche schon einige Male auf Hawaii am Start standen, von denen habe ich mir viele Inputs geholt. Das Schwierigste an so einer Reise ist das Rad. Da benötigt man schon ein besonders großes Auto, da ja auch unser Sohn (damals acht Monate) mit dabei war. Wir waren in Summe knapp 28 Tage auf Hawaii (samt An- und Abreise). Wenn man schon so weit reist finde ich, ist das auch das Mindeste. Wir waren zwei Wochen auf „Big Island“ wo der Ironman stattfindet. Dort haben wir eine Wohnung gemietet und anschließend sind wir noch für einen Badeurlaub auf die Insel Maui gereist, es war ein wirklich super schöner Urlaub und von der Dauer her – optimal.

Hdl: Jetzt aber zum vermutlich schöneren Teil. Wie war das Rennen?

Adi: Ich muss sagen das Rennen an sich ist jetzt nicht unbedingt schön. Zum Glück kannte ich die Strecke schon vom Training auf der Insel. Allerdings ist die Strecke nicht wirklich schön (außer das Schwimmen) und die Bedingungen sind extrem hart, aber wir Triathleten wissen ja auf was wir uns da einlassen. Ich freute mich total auf das Rennen, das Ganze drum herum ist dort einfach der Wahnsinn. Man steht mit den besten Triathleten der Welt am Start – sehr lässig.

Schwimmen: So schön das Meer bzw. der Anblick ist, umso härter ist das Schwimmen dort. Sehr hohe Wellen und noch viel Schlimmer – sehr viel richtig gute Schwimmer, so viel wie dort im Wasser geschlagen und geprügelt wird ist unfassbar. Für Hawaii kam ich mit einer super Zeit (unter einer Stunde) aus dem Wasser. Im Wechselzelt traf mich aber dann fast der Schlag, das war komplett überfüllt, da standen schon fast 400 Männer drinnen. Das alleine zeigt von einem Niveau, welches einer WM absolut würdig ist.

Radfahren: Die ersten 30 Kilometer sind dort eine Katastrophe, keine Chance einen Rhythmus zu finden und ein Windschattenfahren wie bei der Tour de France. Auf den langen Geraden in der Lavawüste hat sich das Ganze aber erledigt, dort trennt sich dann die Spreu vom Weizen. Den Wind auf Hawaii kann man nicht beschreiben, den muss man selber erlebt haben um zu wissen was sich dort abspielt. So kämpfte ich mich mit einer tollen Gruppe bis zum Wendepunkt und nach diesem gingen einige Kilometer, mit Rückenwind, leicht bergab. Ich bekam zwei Zeitstrafen innerhalb kürzester Zeit, das heißt ich wusste ich darf bei Kilometer 130 eine zehnminütige Pause einlegen. Dort steht man, bei enormer Hitze, am Streckenrand und sieht die Konkurrenz an sich vorbeiziehen, das ist mental eine richtig schwere Zeit gewesen. Die letzten Kilometer am Rad und die ersten Kilometer beim Marathon kam ich nicht mehr wirklich in Schwung, da ich irgendwie abgeschaltet habe.

Laufen: Umso stolzer macht mich die Tatsache, dass ich mich aus dem Loch wieder rausziehen konnte und dann doch noch einen guten Marathon absolvierte. Das Wetter wurde immer schlimmer und irgendwie konnte ich mit der steigernden Hitze und den schwereren Bedingungen auch immer mehr meine Motivation steigern. So muss ich sagen, dass ich auf die Wettkämpfe in Klagenfurt und Hawaii besonders stolz bin.

Hdl: 2016 war quasi dein Jahr! Wie sah eine normale Trainingswoche in der Vorbereitung für Klagenfurt und Hawaii aus? Wie hast du das intensive Training zwischen Familie und Beruf untergebracht?

Adi: Der Weg zum Erfolg ist ein kontinuierliches Training über Jahre, das gelang mir sehr gut. Ich war kaum verletzt und konnte meine Leistung über Jahre aufbauen und mir viel Zeit bis zum ersten Ironman lassen. Die Grundlage war also gelegt. Vor der Arbeit um 06:15 Uhr absolvierte ich die Schwimmeinheiten (3 x pro Woche) und nachmittags dann ein Rad oder Lauftraining. Aufgrund meiner Vergangenheit benötigte ich nicht viel Lauftraining. Dazu kamen noch drei bis vier Einheiten am Rad. Die langen bzw. wirklich intensiven Einheiten standen am Wochenende am Programm. Wobei ich sagen muss, dass es nie wirklich schlimm war. Beispielsweise bin ich niemals mehr als 28 Kilometer gelaufen (zwei Stunden-Läufe).Die „echten“ Ironman-Trainings-Wochen sind aber schon der Hammer. Da habe ich bewusst meine Arbeitszeit etwas reduziert. Ich habe die Gleitzeit voll ausgereizt, dies war „Gott sei Dank“ immer möglich. Solche Spezialwochen waren dreimal angesagt, da geht es dann richtig zur Sache. Das waren dann die Einheiten die mich wirklich auf den Ironman vorbereitet haben – sowohl physisch wie auch mental.

Im Februar erblickte unser Sohn das Licht der Welt, da steht das Training logischerweise nicht an erster Stelle, so war der März „trainingstechnisch“ zum Vergessen. Im April hat mir meine Frau dann einen Arschtritt gegeben und so wusste ich auch, dass der Rückhalt meiner Familie immer gegeben ist. Was es leichter machte war die Tatsache, dass unser Sohn immer mit uns schlafen ging. Ich konnte nach dem Training immer noch Zeit mit meiner Familie verbringen. Zudem waren sie bei jedem Rennen bzw. jedem Trainingswochenende (in Klagenfurt) dabei, das war mir immer sehr wichtig.

Hdl: Gibt es auch läuferische Erfolge auf die du stolz bist?

Adi: Die Erfolge sind, wie gesagt, sehr überschaubar. Stolz bin ich auf den Landesmeistertitel in der Mannschaft bzw. auf meine Bestzeiten. Auf den kurzen Distanzen waren die schon ganz gut und in der Zeit als Triathlet habe ich eine (für mich) super Zeit über die zehn Kilometer aufgestellt, das war damals aus dem Ironman-Training heraus eine niedrige „34er“. Diese Zeit ist für einen Triathleten ganz in Ordnung, für echte Läufer ausbaufähig.

Hdl: Du bist Mitglied beim „T3 – Tri Team Traunsee“ und beim „LC MKW Hausruck“. Habt ihr, in der Vorbereitung für 2016, viel gemeinsam trainiert?

Adi: Vor allem mit Freunden aus dem Triathlon-Team habe ich viel Schwimmen trainiert, das hat mir sehr geholfen. Da diese Einheiten immer früh morgens anstanden, ist die Motivation wenn Freunde dabei sind schon größer. Die speziellen Einheiten habe ich bewusst alleine gemacht, diese sind mental härter und zudem war ich 2016 einziger Athlet aus dem Team der über die Ironman-Distanz gestartet ist.

Hdl: Heute, nach der Geburt deiner Tochter Sarah, gönnst du dir eine Auszeit vom Leistungssport. Wie oft trainierst du aktuell und gibt es konkrete Ziele für die Zukunft?

Adi: Da ich aktuell sehr viel in die Arbeit investiere und mir danach die Zeit für die Familie nehme, benötige ich diese Auszeit. Ich trainiere aktuell sehr unregelmäßig, je nachdem wie viele Stunden ich arbeite. Mein Ziel für 2019 ist es, dass ich im Schnitt zwei bis drei lockere Laufeinheiten pro Woche mit Freunden mache. Das Ganze ohne Leistungsdruck. Mein Ziel für die Zukunft ist ganz klar: Ein zweiter Start bei der WM auf Hawaii, das ist mit meiner Frau so abgesprochen. Mal sehen ob es dann auch klappt.

Hdl: Gibt es neben Familie, Job und Training noch Zeit für ein anderes Hobby?

Adi: Ich spiele sehr gerne Golf. Das habe ich in den Jahren als Triathlet sehr vernachlässigt, da kam ich vielleicht auf drei bis fünf Golfrunden pro Jahr. Das ist jetzt zwar nicht wirklich besser, aber es macht mir einfach unglaublich viel Spaß. Als Hobby kann ich noch meine Weiterbildung angeben. Derzeit bin ich an der „Donau Uni“ dabei einen Masterabschluss in Marketing und Vertrieb zu machen. Das macht mir derzeit auch großen Spaß. Es gibt immer was zu tun!

Hdl: Vielen Dank für das Gespräch!

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