25.12.2017, 11:00 Uhr

Teufl: "Verlagern die Rehabilitation für Schlaganfallpatienten von der realen in die virtuelle Welt"

Georg Teufl (Mitte) mit seinen Kollegen von psii.rehab: Bernd Farka (li.) und Bernhardt Kern. (Foto: psii.rehab)
BAD ISCHL. Georg Teufl, einer der drei Firmengründer von psii.rehab, das im TechnoZ Bad Ischl angesiedelt ist, spricht über seinen beruflichen Hintergrund und darüber, wie Schlaganfallrehabilitiation mit seiner Software und einer VR-Brille auch zuhause durch geführt werden kann. Für die innovative Idee wurde psii.rehab mit dem Edison Preis für “social Entrepreneuship” ausgezeichnet und wurde auch Sieger der eHealt-Gruppe vom VR-Summit in Salzburg. Bei der Forbes Start-up-Challenge belegte das Team den dritten Platz.

Was ist Ihr Hintergrund und wie ist die Idee zu diesem Projekt entstanden?
Georg Teufl: Ich bin Physiotherapeut mit Spezialisierung auf Rehabilitation von neurologischen Erkrankungen. Früher habe ich auch eine Ausbildung im Bereich Softwareentwicklung absolviert. Eine große Herausforderung in der Schlaganfallrehabilitation stellt die Rehabilitation der Hand dar. Für die Betroffenen ist es eine große Einschränkung der Lebensqualität, wenn sie aufgrund eines Schlaganfalles eine Hand nicht mehr bewegen können. So wird es zur Herausforderung sich selbst zu waschen oder anzuziehen.

Wie werden solche neurologischen Erkrankungen normalerweise behandelt?
Für eine erfolgreiche Rehabilitation ist ein hoher Umfang an effektiver Therapiezeit notwendig und da gibt es leider im Ambulanten Bereich zu wenig Angebot. Deshalb wird für das selbständige Training meist die Spiegeltherapie verwendet. Dabei sitzt der Patient vor einem Spiegel, bewegt seine gesunde Hand und sieht, wie sich im Spiegel seine gelähmte Hand bewegt. Durch diese optische Täuschung wird das Gehirn stimuliert und die Rehabilitation gefördert. Die Theorie hinter diesem Konzept ist auch im Sport zu finden, wo Sportler durch beobachten anderer lernen oder auch durch Vorstellungstraining, z.B. Skifahrer die vor der Abfahrt die Fahrt gedanklich nochmal druchgehen. Bei diesen Therapieansätzen werden die Gehirnareale gleich aktiviert wie wann man tatsächlich die Bewegung durchführt.

Was macht psii.rehab nun anders?
Wir verlagern die Handrehabilitation für Schlaganfallpatienten von der realen in die virtuelle Welt. Der Patient setzt eine Virtual Reality Brille auf. Seine gesunde Hand wird erkannt und und ist wie in der echten Welt in der virtuellen Welt abgebildet. Die betroffenen Hand die der Patient nicht bewegen kann ist animiert. Der Patient muss in der Virtuellen Welt bestimmte aufgaben lösen. Virtual reality hat das Potential die Therapie zu verbessern indem es durch den spielerischen Ansatz die Motivation erhöht, Verbesserungen dokumentiert werden können und vor allem weil minimale Funktionen der betroffenen Hand, die in der realen Welt keinen funktionellen Nutzen haben, gemessen und zu Steuerung der betroffenen Hand verwendet werden können. Der Patient hat in der virtuellen Welt den Eindruck von zwei funktionsfähigen Händen und kann dadurch sein Gehirn so trainieren, dass die Chancen steigen, auch in der realen Welt beide Hände bewegen zu können.

Welches Equipment braucht man für diese Art der Behandlung?
Uns ist es wichtig, das der Zugang für den Patient möglichst einfach ist. Daher entwickeln wir für "mobile VR", dh. ein leistungsfähiges Smartphone, das in eine spezielle VR-Brille gesteckt wird, soll ausreichen um diese Therapie auch zu Hause anwenden zu können.

Wird das Programm schon verwendet?
Wir sind in der Entwicklung und haben einen fertigen Prototyp. Dieser wird jetzt in einer klinischen Studie im neurologischen Therapiezentrum Gmundnerberg getestet.  Da geht es auch um die Zertifizierung als Medizinprodukt. Der Marktstart ist für das zweite Quartal 2018 in Europa und den USA geplant.

Ihre Vision?
Die Vision von psii.rehab ist es eine Rehabilitationsplattform für neurologische Erkrankungen zu werden. Mit dem Ziel durch die Verwendung von kostengünstigen und handelsüblichen Systemen möglichst vielen Betroffenen den Zugang zu dieser Therapie zu ermöglichen.

Wie sind sie auf das TechnoZ Bad Ischl als Standort gekommen?
Wir hatten das Glück in ein Inkubatorprogramm von Tech2B aufgenommen zu werden und im Zuge dieser Förderung wurde uns ein Arbeitsplatz im TechnoZ bereitgestellt. Da wir uns hier wohlfühlen bleiben wir auch jetzt nach Beendigung des Förderprogramms hier.
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