12.04.2017, 15:30 Uhr

Blick in die Zukunft: Das Leben aus und mit dem 3D-Drucker

Figuren selber drucken: Die NMS Gmunden unterstützt den kreativen 3D-Schaffensprozess mit eigenen Geräten. (Foto: Erich Auer)

Mode aus dem 3D-Drucker und "gedruckte" Organe – diese Technologie hat (fast) keine Grenzen.

SALZKAMMERGUT. Der 3D-Druck hat die Möglichkeiten und das Denken der Menschen im wahrsten Sinne des Wortes um eine Dimension erweitert. Vor allem, seit diese Technologie auch für den normalen Endverbraucher zugänglich und leistbar ist. Die BezirksRundschau hat nachgefragt, welche Bereiche im Salzkammergut von diesem Wunderwerk der Technik Gebrauch machen. "120 Sekunden"-Halbfinalist (2016) Martin Straßer, Vost Kunststofftechnik, schwört auf die Technik: "Wir haben uns gleich am Anfang unserer Unternehmensgründung zum 3D-Druck als zweites Standbein entschieden. Wobei der Fokus da noch für Drucke im Privatbereich gedacht war." Mit ihren Statuen überzeugten sie bei der regionalen Ausscheidung des Ideen-Bewerbs. "Mittlerweile haben wir uns auf Prototypen, Endanwendungsteile und Kleinserien spezialisiert", so Straßer weiter. "Eine weitere Speziallösung ist, dass wir während des Druckes Metallteile in das gedruckte Bauteil einlegen und somit eine neue Variante schaffen."

Technologie macht Schule

Aber auch abseits der Industrie wir das neue Verfahren eingesetzt: Bei einer schulübergreifenden Modeschau im Februar kamen selbstproduzierte sie Kunststoff-Sterne zum Einsatz. Sie wurden von der NMS Gmunden gedruckt, mit LEDs ausgestattet und an den Outfits angebracht. Doch nicht nur als Accessoire sind die Erzeugnisse geeignet: "Der Einsatz der 3D Drucker hat meiner Meinung nach sicher Zukunft, denn diese Technologie hat längst ihren Platz in der Branche", weiß Gudrun Dauser, prov. Fachvorständin der Modeschule Ebensee. "Luxuslabels holen die Technik schon auf den Laufsteg: Karl Lagerfeld zeigte auf der Chanel-Haute-Couture-Show in Paris erstmals das legendäre Chanel-Kostüm, geformt mit 3D-Technologie." Bei diesem Prozess lassen Laserstrahlen Materialien wie Plastik, staubiges Nylon oder Kunstharz erhärten und bringen sie Schicht für Schicht in eine dreidimensionale Form, die von einem Computer-Modell vorgegeben ist. Doch auch in der Welt des Sports – der Laufschuh von US-Läuferin Allyson Felix wurde für Rio 2016 digital konzipiert – und im Marktsegment Damenunterwäsche – perfekt Sitzende Büstenhalter – findet die Technologie Anwendung. "Natürlich wäre die Arbeit mit dieser Technologie auch für die Schule interessant, wenn auch der Laser die Arbeit mit Nadel und Faden nicht gänzlich verdrängen darf", ist man sich an der HLA in Ebensee einig. Aus kostengründen hat die HLA für Mode Ebensee noch keinen 3D-Drucker, eine Kooperation mit einem Hersteller wäre aber erwünscht.

3D-Drucker für Jugend

Dank dem Förderprojekt "Fabrikatoren-Schule", gefördert von der Forschungsförderungsgesellschaft, gibt es in einigen Schulen des Bezirkes 3D-Drucker. Darunter sind die NMS Gmunden, einige AHS sowie die Otelo-Standorte Gmunden und Vorchdorf. "Wir versuchen, dass so viele Jugendliche mit der Technologie des 3D-Druckes in Berührung kommen, da wir hier die Zukunft sehen. Diese Technologie hat sich rasant ausgebreitet, verlangt aber einiges an Können – die 3D-Drucker müssen in den Schulen einsichern", so Josef Aigner, Projektleiter und Initiator der "Fabrikatorenschule". Die 3D-Drucker werden sehr gut angenommen, Jugendliche drucken sich Teile, die sie für Projekte benötigen, einfach selber aus. "Im Otelo Gmunden haben sich Jugendliche erst ein Gehäuse für eine Fingerprintschlossanlage selber gedruckt", so Aigner. In der NMS Gmunden ist es vor allem Elternvertreter Erich Auer, der das Projekt tatkräftig vorantreibt.

Bioprint noch Zukunftsmusik

Filme und Serien machen es vor: Organe aus dem 3D-Drucker. Was bei Grey’s Anatomy & Co schon funktioniert, ist Dr. Wolfgang Köstler zufolge noch in weiter Ferne. "Damit ist in den nächsten 20 bis 30 Jahren vermutlich nicht zu rechnen. So ein Verfahren wäre extrem kompliziert, da ja nicht nur Strukturen gedruckt werden müssen, sondern diese auch mit vitalen Zellen 'belebt' werden müssen", so der Leiter der Unfallabteilungen im Salzkammergut-Klinikum Gmunden und Vöcklabruck. "Erste Versuche gibt es zwar schon, aber bis diese Organe wirklich bei Menschen eingesetzt werden vergeht sicherlich noch einige Zeit." Für Prothesen komme die Technik aber schon zum Einsatz. "Ebenso gibt es schon erste Erfolge im so genannten ‘Tissue Engineering‘. Dabei handelt es sich um die künstliche Herstellung biologischer Gewebe durch die gerichtete Kultivierung von Zellen", so Köstler. Damit sei es möglich, auch Knorpel, Knochenersatz und Hautzellen zu züchten.
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