15.05.2017, 10:24 Uhr

Geld veruntreut: Bad Ischler Stadtamtsangestellter bei Staatsanwaltschaft angezeigt

Trouble im Ischler Rathaus: Die Veruntreuungsgerüchte eines Stadtamtsmitarbeiters haben sich bestätigt.

Beschuldigter Mitarbeiter bereits entlassen, die Schadenssumme ist noch ungeklärt, werde sich aber ersten Einschätzungen zufolge auf mehrere 10.000 Euro belaufen. Die Staatsanwaltschaft Wels hat bereits Ermittlungen eingeleitet

BAD ISCHL. Wie am Wochenende bekannt wurde, soll ein Stadtamtsmitarbeiter aus Bad Ischl über Jahre hinweg Geld veruntreut haben. Erst während seines Krankenstanden wurden die anderen Mitarbeiter auf diverse Ungereimtheiten aufmerksam, welche man dem Abteilungsleiter meldete. "Daraufhin wurde genauer nachgeforscht und der Verdacht erhärtete sich", so Stadtamtsdirektor Adam Sifkovits. Bereits am 25. April wurde der Betroffene darauf an gesprochen, war sofort geständig und wurde entlassen. "Wir brachten den Fall sofort bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige und gaben an, dass bei der Prüfung des vergangenen Quartals 4.100 Euro Schaden entstanden, die tatsächliche Summe aber voraussichtlich viel höher sei." In den vergangenen Wochen war man um eine interne Aufklärung bemüht – immerhin musste der gesamte Arbeitszeitraum seit Dienstantritt überprüft werden. Die Ergebnisse sind bereits an die Staatsanwaltschaft Wels übermittelt worden. Unmittelbar, nachdem der betroffene Verwaltungsdienstmitarbeiter aufgeflogen war, leistete er eine Wiedergutmachungszahlung über die 4.100 Euro. Eine zweite Zahlung in Höhe von 10.000 Euro ist ebenfalls bereits eingegangen, zudem sindweitere Schadenswiedergutmachungen angekündigt. Dies legt denSchluss nahe, dass der Schaden mindestens im mittleren fünfstelligen Bereich liegen wird.

Kollegen mit viel Rafinesse getäuscht

"Im Stadtamt hat in den letzten Wochen große Betroffenheit geherrscht", so Sifkovits weiter. "Niemand konnte verstehen, dass so etwas direkt neben ihnen möglich war." Es gäbe zudem keine Indizien auf Beihilfe. Er sei daher überzeugt, dass es sich um einen Einzeltäter gehandelt hat und dass alle anderen Gemeindemitarbeiter schuldlos sind. "Das legt auch das Geständnis des Betroffenen nahe", erklärt der Stadtamtsdirektor.

Strukturen überarbeiten und neuen Mitarbeiter finden

Dass man aufgrund der Vorkommnisse gewisse Strukturen im Stadtamt überarbeiten muss, ist für Sifkovits und Bürgermeister Hannes Heide klar. Zudem sei man auch schon auf der Suche nach einem neuen Mitarbeiter im Verwaltungsdienst. "Trotzdem werden wir künftig nicht alle Mitarbeiter unter Generalverdacht stellen", so Sifkovits, der eine gute Vertrauensbasis erhalten will.

Ischler ÖVP bittet in offenem Brief um Aufklärung

Am Wochenende schickte Wilhelm Blohberger von VP Bad Ischl per Mail eine Aufforderung zur raschen Aufklärung aus:
"Da seitens des SP-Bürgermeisters Hannes Heide bis jetzt noch keine Informationen an die Aufsichtsgremien des Gemeinderats übergeben wurden, fordert die ÖVP-Gemeinderatsfraktion den Bürgermeister dringend auf, dem Gemeinderat rasch und umfassend genaue Auskünfte über diesen Schadensfall vorzulegen", heißt es in dem Schreiben. ÖVP-Fraktionsobmann Wilhelm Blohberger setzt nach: "Bevor hier weitere Gerüchte entstehen und durch Spekulationen die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung unter Generalverdacht geraten, sollte der Bürgermeister rasch und umfassend informieren." Die Obfrau des Prüfungsausschusses, Gemeinderätin Sabine Komaz (VP), werde anlässlich dieser Unregelmäßigkeiten umgehend eine Dringlichkeitssitzung des Prüfungsausschusses einberufen.
Bürgermeister Heide ist von dem Schreiben etwas überrascht: "Noch am Tag, an dem der Beschuldigte mit den Vorwürfen konfrontiert wurde und sich geständig zeigte, wurde eine Sitzung des Stadtrates einberufen." An dieser hätten alle Stadträte, also auch jene der Ischler VP, teilgenommen. "Vertuschung, ein 'unter den Teppich kehren' oder das Vorenthalten von Informationen war also von vornherein nicht gegeben", so der Ischler Bürgermeister. Er sei aber zu einem Gespräch eingeladen worden, bei dem er die Sachlage entsprechend schildern werde.
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