23.11.2016, 10:32 Uhr

Gmunden hat die „steilste“ Straßenbahn

(Foto: Stern & Hafferl)
GMUNDEN. Den beiden Visionären Josef Stern und Franz Hafferl hat Gmunden die Straßenbahn zu verdanken. 1894 wurde die Verbindung zwischen Stadtzentrum und dem damaligen Rudolfsbahnhof in Betrieb gesetzt. Die Straßenbahnstrecke ist knapp 2,5 Kilometer lang und gilt als eine der kleinsten und steilsten Straßenbahnen der Welt. Die Bevölkerung betrachtete diese Entwicklung mit großer Skepsis, wie ein Bericht aus der Linzer „Tagespost“ vom 15. August 1894 zeigte: „Bei der heute, Montag vormittags, von acht bis halb zehn Uhr abgehaltenen polizeitechnischen Probefahrt ergaben sich nicht die geringsten Umstände, weshalb auch um 14.18 Uhr nachmittags die fahrplanmäßige Eröffnung der elektrischen Lokalbahn erfolgen konnte. Nicht ohne Interesse war es, als sich eine Anzahl Reiter und auch einige Equipagen während der Probefahrt der Bahnlinie entlang postiert hatten, um die Pferde an den Zugsverkehr zu gewöhnen. Nur sehr wenige Pferde beobachteten die Waggons, die der Fiaker aber ignorierten die Bahn förmlich, als verstünden sie es, dass ihnen durch dieselbe das Brot geschmälert wird.“ (*) Zum Zeitpunkt der Betriebseröffnung standen drei Motorwagen zur Verfügung. Aufgrund des großen Erfolges wurde ein Jahr später zur Deckung der Saisonspitzen ein weiterer vierter Wagen angeschafft. Der Erfolg setzte sich auch in den Jahren danach fort. Alleine im Jahr 1911 wurden 139.993 Fahrgäste befördert. 1975 wurde eine folgenschwere Entscheidung getroffen: Von 7. Juni bis 30. August wurde ein Probebetrieb für eine Ampelanlage an der Grabenkreuzung genehmigt. Während dieser Zeit war die Endstation der Straßenbahn am Franz-Joseph-Platz, um die Wirkung der Lichtsignalanlage auf den Individualverkehr testen zu können. Aus der vorübergehenden Endstation wurde eine endgültige Lösung. 1988 schließlich sollte die Straßenbahn zur Gänze eingestellt und durch einen Bus ersetzt werden. Eine Privatinitiative sammelte mehr als 6.300 Unterstützungserklärungen gegen die Einstellung. Es wurde der Verein „Pro Gmundner Straßenbahn“ gegründet, die Straßenbahn war gerettet.

Bis 2018 neue stadt.regio.tram

Um die Gmundner Straßenbahn für die Zukunft fit zu machen, wird die Straßenbahn als „stadt.regio.tram“ weitergeführt. Diese wird vom Gmundner Bahnhof, durch die Innenstadt, über die Traunbrücke und über Gschwandt und Kirchham bis nach Vorchdorf verlängert werden. Derzeit laufen die Bauarbeiten an der Traunbrücke, die völlig neu errichtet wird. 2018 sollten die Arbeiten abgeschlossen sein und ein neues und spannendes Kapitel für die Gmundner Straßenbahn bzw. stadt.regio.tram kann beginnen.


* Quelle: „Straßenbahn Gmunden 1894 – 1984“, Herausgeber: Stern & Hafferl,
Text: Otfried Knoll.
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