30.11.2016, 17:30 Uhr

Umfrage: Vogelfangen – Brauch oder Tierquälerei

Das Vogelfangen wird seit Jahrhunderten im Salzkammergut betrieben. (Foto: Salzkammergutverband der Vogelfreunde)

Brauchtum für die einen, Tierquälerei für die anderen: Bezirk im Zeichen von Vogelausstellungen.

Salzkammergut (pg, km). Jedes Jahr finden in den Wochen rund um "Kathrein" – also dem 25. November – im Salzkammergut zahlreiche Vogelaustellungen statt. Zuerst werden die schönsten Gimpel, Kreuzschnabel & Co in den jeweiligen Gemeinden ermittelt, ehe man sich dann zur Verbandsausstellung der Vogelfreunde Salzkammergut in Ebensee trifft. Seit 2010 steht der "Salzkammergut Vogelfang" auf der UNESCO-Liste des "immateriellen Weltkulturerbes", doch trotzdem halten sich Vorwürfe der Tierquälerei bei manchen noch sehr hartnäckig – seit kurzem auch in Sozialen Netzwerken. "Was auf Facebook und anderen Plattformen geschrieben wird, stört mich nicht mehr", erklärt Alfred Riezinger, Obmann der Vogelfreunde Salzkammergut. Die Tradition erfreue sich nach wie vor größter Beliebtheit: "Vom 16-Jährigen bishin zum 90 Jahre alten Vogelfangveteranen – unseren Mitgliedern liegt der traditionelle Vogelfang am Herzen", so Riezinger weiter, der sich auch freut, einige Vogelfängerinnen in den eigenen Reihen zu haben. Derzeit gäbe es 32 Vereine im Salzkammergut mit rund 500 Mitgliedern. Der "Jagd des kleinen Mannes" geht man dabei zwischen 15. September und 30. November nach. Auch Bad Ischls Bürgermeister Hannes Heide erfeut sich – zumindest passiv – an der Tradition: "Ich verbinde damit vor allem Kindheitserinnerungen an die Vogelausstellungen." Er selbst wurde heuer als Unterstützer des Bad Ischler Vogelpfleger ausgezeichnet.

Vorwurf der Tierquälerei

"Das Einfangen eines Singvogels ist eine Freiheitsberaubung, die mit hochgradigem Stress und Verletzungsgefahr für das Tier verbunden ist. Das Verfrachten in einen kleinen Käfig und das spätere Zur-Schau-stellen versetzen ihn in Todesangst, die durch nichts zu rechtfertigen ist. Einzig der menschliche Geltungsdrang, sich für die Schönheit eines anderen Geschöpfes prämieren zu lassen, also sich wortwörtlich mit fremden Federn zu schmücken, ist die Grundlage dieses Brauches", erklärt Hans Frey, Gründer und wissenschaftliche Leiter der zu Vier Pfoten gehörenden Eulen- und Greifvogelstation Haringsee (EGS). Das Argument, man helfe den Vögeln durch die Haltung in Gefangenschaft den harten Winter zu überleben, sei keinesfalls stichhaltig.
"Singvögel sind seit vielen Jahrtausenden an unsere Wetterbedingungen angepasst und perfekt für ein Überleben in der Natur geeignet. Die Überlebensrate von Vögeln, die nach mehreren Monaten Zur-Schau-Stellung und Gefangenschaft in teils viel zu kleinen Käfigen wieder in die Freiheit entlassen werden ist sehr gering. Die meisten von ihnen sterben danach einen sinnlosen Tod."
"Blödsinn", kontert Riezinger, "den Vögeln geht es sehr gut. Das Gesetz schreibt eine Mindestgröße der Käfige vor und diese sind 'waldähnlich' einzurichten." Es werden auch regelmäßig Kontrollen durchgeführt, um zu sehen, ob es den Tieren gut geht.

Ergebnisse der Umfrage

Per Facebook und auf meinbezirk.at hat die BezirksRundschau aufgerufen, an einer Umfrage teilzunehmen. Es wurde gefragt, ob der Vogelfang ein Brauchtum, oder Tierquälerei ist. Insgesamt beteiligten sich 153 Personen (Stand 29.11.2016, 12 Uhr) und 77 Prozent assoziieren den Vogelfang mit einer harmlosen Tradition. Auch via Facebook sprach man sich eher dafür aus: "Es ist ein Witz, wenn der Vogelfang schon wieder schlecht gemacht wird", schreibt Ulli Reiter. "Es gibt wichtigere Themen im Tierschutz", pflichtet Hermann Ausserhuber bei. "Manche Menschen hätten ein richtig gutes Leben, wenn man sie so behandeln würde, wie die Fänger ihre Vogerl", ist sich Eva Mauder sicher.

Voting-Aufruf vom 23. November

BEZIRK. Vielerorts trafen sich am vergangenen Wochenende die Vogelfänger aus dem Salzkammergut, um ihre schönsten Exemplare vorzuführen.

Für die einen ist es Brauchtum, für die anderen nur unsinnige Tierquälerei. Mithilfe dieser Umfrage wollen wir wissen, wie Sie zum Vogelfang stehen. Ergänzend oder alternativ kann auch gern ein Kommentar im entsprechenden Bereich weiter unten hinterlassen werden.
Der Vogelfang im Salzkammergut gehört zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Bei der "Jagd des kleinen Mannes" werden traditionell einzelne Exemplare heimischer Vögel im Herbst gefangen. Die Vögel werden den Winter über in Volieren gehalten, im Frühjahr des Folgejahres werden sie wieder frei gelassen.

Bitte einen Moment Geduld, während die Umfrage geladen wird!

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