Dem Kuriosen auf der Spur: Zeitreise in der Barockstadt

Von "Ungeheuern" war 1905 in einer Wochenzeitung die Rede. Gemeint waren die ersten Autos, die über den Stadtplatz fuhren.
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  • Von "Ungeheuern" war 1905 in einer Wochenzeitung die Rede. Gemeint waren die ersten Autos, die über den Stadtplatz fuhren.
  • Foto: Stadtarchiv
  • hochgeladen von Kathrin Schwendinger

SCHÄRDING. Taucht man in die Geschichte der Bezirkshauptstadt ein, lässt sich allerhand Kurioses entdecken. Schärdings Stadtführer – neun an der Zahl – haben auf Anregung des Tourismusverbandes die teils amüsanten, teils erschreckenden Anekdoten zusammengetragen. "In einer neuen Kuriositätenstadtführung können sich alle Interessierten auf die Suche nach versteckten, verkannten und vergessenen Schärdinger Schätzen machen", erklärt Tourismus-Chefin Bettina Berndorfer. Wussten Sie etwa, dass in Schärding eines der schmalsten Häuser Österreichs zu finden ist? Oder dass Bäcker in der Barockstadt anno dazumals ganz schön zu leiden hatten?

In der Brunngasse steht das Gebäude, dass nur 2,40 Meter breit ist und lediglich ein Fenster hat. "Glas war damals teuer. Je mehr Fenster, desto reicher warst du", sagt Stadtführer Josef Zöchling mit einem Augenzwinkern. "Außerdem war früher die Anzahl der Fenster-Achsen ausschlaggebend für die Besteuerung." Was die Bäcker betrifft, so wurde Schummeln beim vorgeschriebenen Gewicht des Brotlaibes, hart bestraft. "Beim sogenannten 'Bäckerschupfen' wurden die Gesellen in Käfige gesperrt und in die kalte Pram getaucht", erklärt Zöchling. 1773 hat Kaiserin Maria Theresia diese barbarische Tradition verboten.

Von "Ungeheuern in der Stadt" war 1905 in einer Wochenzeitung die Rede. Was erschreckend klingt, veranlasst zum Schmunzeln: "Auch in Schärding wird der Autoverkehr immer mehr. Diese Woche sind neun dieser Ungeheuer durchgefahren", ist in der Zeitung zu lesen. Vor den Autos waren es die Pferdegespänne, die den Stadtplatz beherrschten. Doch dass die Lieferanten mit ihren Kutschen auf den kostspielig gepflasterten Vorplätzen stehen blieben, gefiel den Bewohnern der Silberzeile gar nicht. "Sie gingen hin und kassierten ab", erzählt Zöchling mit einem Schmunzeln. "Die Händler erzählten dann zu Hause: 'Schärding ist ein teures Pflaster'."

Von einem liebestrunkenen, französischen Heerführer in Schärding wissen die Stadtführer ebenfalls zu berichten: Marschall Massena und seine Truppen legten 1809 beinahe die ganze Stadt in Schutt und Asche – einzig die "Hintere Stadt", verschonten sie. Denn: Der Marschall hatte sich in die Wirtstochter des dortigen Bräugasthauses, zwischenzeitlich das Hotel Lorenz, heute die Innbruckstraße 13, verschaut.

Kuriositätenstadtführungen können ab sofort für Gruppen gebucht werden. Ab dem Sommer 2017 gibt's die Führung auch für Einzelgäste. Info: www.schaerding.at

Schreiben Sie uns

Die 30 Gemeinden des Bezirks Schärding blicken auf eine lange Geschichte zurück. Sie erlebten Kriege, Revolutionen und Umschwünge, die es erst zu verdauen galt. Von "Ungeheuern" war etwa 1905 in einer Wochenzeitung die Rede. Gemeint waren die ersten Autos, die über den Stadtplatz fuhren (siehe Foto). Kennen auch Sie Kurioses aus Ihrer Gemeinde?

Schreiben Sie uns an:
schaerding.red@bezirksrundschau.com
BezirksRundschau Schärding, Kenzianweg 8, 4780 Schärding.

Die Bezirksrundschau-Redaktion in Schärding freut sich auf Ihre Geschichte!

Autor:

Kathrin Schwendinger aus Schärding

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