Susanne und Johann Plöckinger
"Die Grenze war wie beichten – schlechtes Gewissen, obwohl man nichts getan hatte"

Johann und Susanne Plöckinger haben eine bewegte Familiengeschichte. Sie wuchs in der DDR auf, er kam als junger Mann als Bergarbeiter in das Ruhrgebiet. In der Gaststätte von Susannes Familie lernten sie sich als junge Leute kennen. Nun leben sie seit vielen Jahrzehnten in Kopfing.
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"Die Grenze war wie beichten – man hatte ein schlechtes Gewissen, obwohl man gar nichts getan hatte", erinnert sich Susanne Plöckinger. Die Deutsche, die den Kopfinger Johann Plöckinger geheiratet hat, ist in der DDR aufgewachsen.

KOPFING (juk).  Als sie ein Teenager war, ist ihre Familie aus dem Osten weggezogen. Fünf Jahre später wurde die Mauer gebaut – ab da wurde fast niemand mehr aus dem Land gelassen. Die DDR: Ein Regime, das die Menschen im eigenen Land gefangen hielt, weil immer mehr flüchteten. "Wir konnten nichts mitnehmen", berichtet sie. Susanne Plöckingers Eltern standen der Regierung kritisch gegenüber und sind dadurch beim System in Ungnade gefallen. "Wenn das passiert ist, war man nichts mehr." In der kommunistisch regierten DDR gab es Planwirtschaft. Es mangelte an fast allen Produkten. Bananen oder Leberwurst waren ein Luxus. Spionage und Diskriminierung standen an der Tagesordnung. Führte die Familie heikle Gespräche, wurde schon mal der Wasserhahn aufgedreht, so eine Kindheitserinnerung. Trotzdem hatte sie eine glückliche Kindheit, betont Susanne Plöckinger. "Die Menschen waren freundlich und hilfsbereit. Nachbarschaft war sehr wichtig, man half sich gegenseitig aus. Als Kind bekommst du vieles auch noch nicht so mit."

Mauerfall war für Ostdeutsche nicht einfach

Als junge Frau zog sie mit ihrer Familie ins Ruhrgebiet. Dort lernte sie ihren Ehemann kennen, der als Bergarbeiter nach Deutschland gekommen war. "Sie war frech wie nichts", lacht Johann Plöckinger. Als die Mauer gebaut wurde, waren die Plöckingers gerade auf Urlaub in Kopfing. Mit Sorge habe man damals nach Deutschland geschaut, einen neuen Krieg befürchtet. In den 28 Jahren, in denen Deutschland durch eine Mauer geteilt war, waren Familienbesuche nicht einfach. Susannes Schwester, die in Westdeutschland lebte, habe sogar einmal einen Todesfall vorgetäuscht, damit eine Freundin aus DDR auf Besuch kommen durfte – die westlichen Behörden spielten mit und stellten einen falschen Totenschein aus.

Verwandten wurde Reise zur Familienfeierfeier nicht genehmigt – wenige Tage später fiel die Mauer

Kurz vor dem Mauerfall feierten die Plöckingers Silberhochzeit. Zur Feier bekamen nur die Männer der Verwandtschaft von der DDR-Regierung die Ausreise genehmigt – ihre Ehefrauen mussten zu Hause bleiben. Eine Maßnahme, mit der man bezwecken wollte, dass DDR-Bürger nicht untertauchen. "Da haben wir uns natürlich geärgert, dass die Mauer nicht früher gefallen ist", berichtet Johann Plöckinger."Die Wiedervereinigung ist das beste, was Europa passieren konnte", ist sich das Ehepaar einig. Trotzdem war diese speziell für die Ostdeutschen alles andere als einfach: "In der DDR waren alle gleich. Erst nach dem Mauerfall hat man gesehen, wer Geld hatte." Verstehen Menschen heute noch, was die DDR war? "So richtig einfühlen kann man sich da gar nicht, wenn man es nicht erlebt hat", sagt Susanne Plöckinger.

Johann und Susanne Plöckinger haben eine bewegte Familiengeschichte. Sie wuchs in der DDR auf, er kam als junger Mann als Bergarbeiter in das Ruhrgebiet. In der Gaststätte von Susannes Familie lernten sie sich als junge Leute kennen. Nun leben sie seit vielen Jahrzehnten in Kopfing.
Das erste gemeinsame Weihnachten nachdem die ganze Familie wieder vereint war und aus der DDR gezogen war.
Autor:

Judith Kunde aus Schärding

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