"Fühl mich Gottes Hilfe noch etwas näher"

Karl Reininger wechselt mit 1. September nach Reichersberg.
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ZELL/PRAM (ebd). Im Interview spricht Reininger über die Gründe, was ihn erwartet und die besondere Nähe zu Gott.

Warum der Wechsel?
Reininger: Dieser Wechsel war von mir nicht geplant, sondern hat sich im Zuge eines ursprünglich nur als Kooperationstreffen mit dem neuen Stiftspropst von Reichersberg, Markus Grasl, vereinbarten Gespräches ergeben. Zu sofortiger hoher beiderseitiger Sympathie und Faszination von seiner Person ist seine Schilderung der – in den letzten Jahren sehr schwierigen – Situation des Stiftes bei mir quasi auch als Wunsch nach dringlich benötigter Hilfe angekommen. Dies war schon der starke Funken, der sich dann ungeheuer rasch zu einem gemeinsamen Feuer künftiger Zusammenarbeit entfacht hat. Und ein beruflicher Wechsel war in meinem Leben eher die Regel als die Ausnahme. Es war dies aber des Öfteren aber mit großen persönlichen Enttäuschungen verbunden, obwohl meine Arbeit nachher überall sehr gelobt worden war.

Wie ist es dazu gekommen?
Mit Reichersberg hat mich seit meinen ersten dortigen Landjugendseminaren immer ein inneres Band verbunden, welches persönliche wundervolle Begegnungen mit dem Orden der Chorherren und zuletzt auch die beiden Orten gemeinsame, von mir verehrte Person der verstorbenen „Grand Dame“ der ö. Volkskultur, Frau Prof. Dr. Kathi Dobler, vertieft haben. Dazu kamen auch ein – immer vorhandener, aber bisher auch lange unterdrückter – Wunsch nach möglichst selbständiger Tätigkeit, die im Idealfall auch noch der inneren Werteorientierung entspricht. Die Draufgabe war noch, als nicht mehr ganz junges Semester, den reichen Erfahrungsschatz heben und seine ganze Fülle für „die gute Sache“ einsetzen zu können. Dies habe ich natürlich auch in Zell immer bestmöglich getan, fühlte aber, dass er sich dort schon abgenützt hatte. Neues beginnen zu können und zu wollen setzt ja immer auch voraus, Vorangegangenes aufgeben zu müssen und zu wollen. Das ging bei mir nie auch ohne Schmerzen ab.

Was wird Ihr neuer Aufgabenbereich in Reichersberg sein?
Grundsätzlich ist es die Verantwortung für alle wirtschaftlichen Agenden des Stiftes, natürlich in engster Zusammenarbeit mit dem Stiftsrat und dem Stiftspropst. Man könnte auch sagen, ich soll seine „rechte Hand in Wirtschaftsfragen“ sein. Man hat diese Funktion vorher Wirtschaftsdirektor genannt. Wir haben dafür aber gemeinsam die neue Bezeichnung „Stiftsadjutor“ gefunden, weil dies unser Verständnis dieser Funktion besser wiedergibt. Es ist dies eine große Fülle verschiedener, neu zu kräftigender Bereiche, die mir wirklich Respekt – und auch Demut ob ihrer Größe – einflößt. Dazu hoffe ich auf Gottes Hilfe, der ich mich im Stift noch etwas näher fühle.

Sie waren seit Juli 2006 in Zell tätig. Was werden Sie am meisten vermissen?
Ich kann es selbst kaum glauben, dass jetzt mit Ende Juni schon wirklich elf Jahre Leitung von Schloss Zell voll sind. So lange habe ich zuvor noch in keiner Stelle verbracht, das bedeutet schon etwas, mir jedenfalls sehr viel. Daher werden Schloss und Ort Zell an der Pram immer auch ein Stück „beruflicher Heimat“ von mir bleiben.
Vermissen werde ich zuallererst mein tolles Team, dem ich die großen Erfolge einer „Kultur- und Kunstoase in ländlicher oö. Prärie“, aber auch die – schier unglaublichen – Gütesiegel „ISO 9001:2015 und Ö-Cert zu verdanken habe. Wir haben uns nach schwierigem Start zu einer viel mehr freundschaftlich verbundenen, als hierarchisch geprägten „Kampftruppe“ zusammen gefunden. Hier stehen wirklich einer für alle und alle für einen ein. Vermissen werde ich aber auch viele treue Freunde in Zell, so auch den Bürgermeister Matthias Bauer, den Diakon Anton Haunold, die Kustodin Maria Ertl, um stellvertretend für alle anderen nur drei der wichtigsten Partner zu nennen. Und natürlich blicke ich auch – ebenso dankbar wie traurig – auf die wunderschönen Veranstaltungen im Schloss und die Begegnungen mit den Künstlern zurück.

Auf was freuen Sie sich in Reichersberg am meisten?
In mir wächst täglich eine wohltuende Zufriedenheit, nochmals gegen Ende der Berufslaufbahn einer von mir als ungeheuer wertvoll empfundenen Sache mit „rationaler und seelischer“ Komponente von Herzen dienen zu können. Dies wird mir auch durch das – immer freundliche, ja fast schon „altvertraute“ Entgegenkommen durch die Ordensherren und die Mitarbeiter im Stift bei jedem Besuch bestätigt. Und dort wieder echte Aufbauarbeit leisten zu dürfen und zu können, lässt mich die frische Brise des Neuen verspüren. Ich will und werde dazu aber auch mein Bestes geben, neben der Berufserfahrung vor allem auch mein über die Jahre gewachsenes Netzwerk an lieben Freunden, Bekannten, KooperationspartnerInnen, HelferInnen. Gemeinsam möchte ich das Stift Reichersberg zu einer echten „Marke“ entwickeln, die auf gesunden wirtschaftlichen Beinen möglichst vielen Besuchern und Gästen, aber vor allem auch den Stiftsangehörigen, viele Momente der Bereicherung und des Glücks bietet.

Sie haben ja beklagt, dass die „Leitungen“ nach Linz lange sind und die Personalsituation in Zell angespannt. Ist das ein Grund für Ihren Wechsel?
Ich habe eigentlich kein Hehl daraus gemacht, nie der geborene „Beamte der k & k – Monarchie“ zu sein. Dies möchte ich auch dem Land OÖ. gerade jetzt so überhaupt nicht unterstellen. Faktum ist aber, dass natürlich auch die Größe und Komplexität des Amtes der OÖ. Landesregierung Dienstwege und Hierarchien erfordert. Dem steht auf der anderen Seite der Schlossbetrieb gegenüber, der sich am umkämpften Kunst-, Seminar- und (Kultur-Tourismus)Markt behaupten muss. Dies erfordert meist sehr rasche Entscheidungen, den man kann den Gast vor der Theke wohl kaum auf den Dienstweg verweisen. Da hängt man dann dazwischen schon in der Luft, was auf die Dauer zermürbend wirkt. Und trotz ständig viel gepriesener Verwaltungsvereinfachung habe ich sie in meinen 11 Jahren nicht wirklich oder sogar öfters anders herum erlebt. Weiters bewirkt die allseits bekannte Knappheit der öffentlichen Mittel schon, dass die Einsparungen gerade beim Personal immer schmerzlicher werden. Dies führt zu einer Überbelastung der hiesigen Mitarbeiter, die zudem an den Wochenenden besonders eingespannt sind. Hier wird es nur ein „nach der Decke strecken“ geben können, was aber de facto künftig gezielte Einschränkungen bedeutet, die Wirtschaftspolitik würde von einem „Negativwachstum“ sprechen. Das ist hier dann Aufgabe der/des Neuen.

Das Schloss Zell befindet sich ja nach wie vor im Umbruch. Ist der Zeitpunkt des Wechsels daher nicht etwas „ungünstig“?
Das würde ich so persönlich gar nicht sehen. Mit der – bis auf den letzten Polsterzipfel – fertig geplanten und im Herbst fortgesetzten Sanierungsetappe II verfügt das Schloss Zell ab dem Sommer 2018 über insgesamt 95 Betten, davon ca. ganz neue und einige ältere und damit noch günstigere. Damit sind die ab 2009 begonnenen und kaum unterbrochenen Bauprojekte vorerst abgeschlossen. Mit Glück und Meister Zufall sind nun alle Schlüsselpositionen, sprich Abteilungsleitungen, im Betrieb mit tollen Leuten besetzt. In fremden betriebswirtschaftlichen Analysen und dem internationalen Qualitäts-Gütesiegel „ISO 9001:2015“ wird dem Schloss Zell auch als Dienstleister des Landes OÖ. ein moderner und optimaler Zustand bescheinigt. Auch die Qualität der Kunst- und Kulturangebote im Schloss spricht eigentlich für sich, wenn man nur das – oft fast überschwängliche – Lob der zahlreichen Besucher zum Maßstab nimmt. Ich kann daher die Leitung zufrieden und selbstbewusst in neue Hände legen, ohne das schlechte Gefühl von „Offen Gebliebenem“ oder gar „Gehens in einer Krise“ haben zu müssen. Ich sehe keinen Umbruch, sondern nur gewisse Anpassungserfordernisse.

Wer wird eigentlich Ihr Nachfolger in Zell werden?
Da hört man eigentlich noch nichts, ich persönlich meine, da wird in Linz noch auf Geheimniskrämerei gesetzt. Ich habe aber auch – selbstverständlich – zugesichert, mich da völlig draus zu halten. Was ich aber schon mit Nachdruck betonen möchte, ist meine – auch von vielen Gesprächspartnern – geteilte Meinung, dass dieser wirklich sehr gut da stehende Leitbetrieb wieder eine gute Vollzeitleitung braucht. Das Schloss, die Gemeinde und die Region, die hier immer bei der positiven Entwicklung gemeinsam an einem Strang gezogen haben, haben sich dies wirklich verdient. Ich hoffe da auf Einsicht in Linz und eine gute Wahl, notfalls auch mit ein wenig „regionaler Nachhilfe“.

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