Sebastian Winter
"Global wird uns das länger beschäftigen"

Sebastian Winter studiert Not- und Katastrophenhilfe.
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Sebastian Winter aus Esternberg studiert Internationale Not- und Katastrophenhilfe in Berlin. 

ESTERNBERG. Der 26-Jährige ist seit gut einem Jahr Ortsstellenleiter des Roten Kreuzes in seiner Heimatgemeinde Esternberg. Sein Studium hilft ihm, die Hintergründe der Corona-Pandemie besser zu verstehen.

Sie studieren Internationale Not- und Katastrophenhilfe. Wie sind Sie darauf gekommen und was kann man sich darunter vorstellen?
Der Grundstein liegt sicher im Engagement beim Roten Kreuz. In den letzten Jahren habe ich mich immer stärker für den internationalen Bereich von Hilfsorganisationen interessiert. Bedenkt man, dass zum Beispiel über zwei Milliarden Menschen keinen gesicherten Zugang zu Trinkwasser haben oder Epidemien in anderen Teilen der Welt schon lange zum Alltag gehören, sind das für mich Punkte, gegen die es sich zu kämpfen lohnt. Im Studiengang beschäftigen wir uns einerseits direkt mit Maßnahmen und Strukturen in Projekten, andererseits aber auch mit Völkerrecht, kulturellen Aspekten sowie dem Verhalten von Menschen in Katastrophen und Krisen.

Welches Berufsziel verfolgen Sie mit dem Studium?
Nach dem Studium möchte ich in der internationalen oder nationalen Katastrophenhilfe in einer Hilfsorganisation oder Behörde arbeiten. Zusätzlich möchte ich in Projekten der humanitären Hilfe außerhalb Europas aktiv werden.

Was motiviert Sie, sich für das Rote Kreuz zu engagieren?
Ich bin seit 2011 beim Roten Kreuz aktiv. Die Motivation beschreibe ich immer gerne mit unserem Mission Statement „Das Leben von Menschen in Not und sozial Schwachen durch die Kraft der Menschlichkeit verbessern“. Ich bin auch einfach immer wieder überwältigt welchen Einsatz unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeigen. Das motiviert natürlich umso mehr, seine Zeit in diese Organisation zu investieren.

Gibt es Studieninhalte, die man auf die aktuelle Corona-Pandemie anwenden kann?
Ja, man bringt Hintergrundwissen mit, das in der Beurteilung gewisser Themen hilfreich ist. In der Stabsarbeit beim Roten Kreuz im Bezirk geht es aber vor allem um die praktische Umsetzung. Dabei orientiere ich mich sehr gerne an unseren erfahrenen Mitarbeitern im Bezirksrettungskommando.

Sie sind Ortsstellenleiter des Roten Kreuzes Esternberg. Welche Aufgaben hat ein Ortsstellenleiter?
Zu meinen Aufgaben gehören das Repräsentieren des Roten Kreuzes nach außen sowie die Koordination unserer Ortsstelle. Am wichtigsten ist mir dabei, dass es den Mitarbeitern gut geht. Sie leisten Großartiges, dabei möchte ich sie möglichst gut unterstützen. Die wesentliche Koordination der Sparten wird vom jeweiligen Leiter oder der Leiterin gemacht. Zusätzlich unterstützen mich zwei Stellvertreterinnen, der Ortsstellenausschuss und allen voran unser Dienstführender Stefan Penzinger. Ihnen allen möchte ich hier auch nochmal für die großartige Arbeit danken.

Wie sehen Sie die Corona-Situation in Schärding?
Der Bezirk Schärding ist von Seiten der Behörde, des Krankenhauses und den Einsatzorganisationen mit den gesetzten Maßnahmen sehr gut gewappnet. Dennoch liegt die Entwicklung der Pandemie und damit die Anzahl an Neuinfektionen in der Hand der Bevölkerung. Selbst die am besten vorbereitete Struktur hat ihre Grenzen. Aktuell wirkt die Lage diesbezüglich ja eher entspannt. Interessant ist jetzt Woche für Woche die Zahl der Neuinfektionen, da dann die Auswirkung der Lockerungen sichtbar wird.

Und global betrachtet?
Global gesehen befürchte ich, dass uns diese Pandemie noch länger mit erschreckenden Zahlen und Bildern konfrontieren wird. Man darf nicht vergessen, dass wir in Österreich beziehungsweise Europa Gesundheitsstrukturen und Lebensumstände haben, die in anderen Teilen der Welt nicht in dem Ausmaß vorhanden sind. Laut der Weltgesundheitsorganisation hat Covid-19 bereits in Subsahara-Afrika Fuß gefasst. Betrachtet man Ausbrüche von Epidemien mit ähnlichen Basisreproduktionszahlen in der Vergangenheit, kann man nur Schlimmes befürchten. Ähnliches wird uns in Flüchtlingscamps wie in Cox Bazar/Bangladesch, aber auch in jenen Griechenlands beschäftigen.

Was sollten wir als Gesellschaft aus der Not-Situation mitnehmen?

Ich bin überwältigt von der Nachbarschaftshilfe, die in kürzester Zeit organisiert wurde. Dieses Zusammenhalten sollten wir uns für die Zeit nach Corona mitnehmen. Mit Blick auf die Welt sollte uns wieder bewusst werden, dass auch wir in Österreich verletzbar sind und schneller als wir glauben auf Hilfe angewiesen sein können. In Zukunft unseren Blick zu schärfen, bevor wir vorschnell urteilen, sollten wir daraus lernen.

Was werden Sie persönlich davon mitnehmen?
(Lacht). Ich werde in einer ähnlichen Situation sicher wieder nach Hause nach Esternberg kommen. Die Großstadt, in meinem Fall Berlin, verliert schnell ihren Reiz, wenn Konzerte abgesagt und Clubs geschlossen sind.

Sebastian Winter studiert Not- und Katastrophenhilfe.
Der Esternberger Sebastian Winter im Homeoffice.
Autor:

Judith Kunde aus Schärding

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