Ökojagd
"Haben viel Zulauf von unzufriedenen Jägern"

Hauer verteidigt sich gegen Vorwürfe aus der Jägerschaft.
  • Hauer verteidigt sich gegen Vorwürfe aus der Jägerschaft.
  • Foto: Ökojagd
  • hochgeladen von David Ebner

Johann Hauer ist Obmann der Ökojagd. Er und seine Gesellschafter haben die Jagd in St. Roman übernommen.

TAUFKIRCHEN/PRAM. Im Interview spricht Hauer über die Herausforderungen in St. Roman, weshalb er im Bezirk Schärding weitere Jagden übernehmen möchte und was er von der Kritik seitens der Jäger aus dem Bezirk hält.

Die Ökojagd übernimmt nach Mörschwang und Eferding nun St. Roman. Dort kam es ja im Zuge der Jagdvergabe im Vorfeld zum Streit. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein?
Hauer:
Seitens der ehemaligen Jäger gibt es teilweise noch massive Widerstände und Beunruhigungen des Wildbestandes bis hin zu Bedrohungen. Der aktuelle Jagdpachtvertrag war für sie nicht annehmbar, für uns schon. Also verstehe ich die ganze Aufregung nicht ganz.

Haben Sie mittlerweile mit allen Grundbesitzern in St. Roman gesprochen?
Aufgrund der großen Anzahl natürlich noch nicht mit allen, aber es werden laufend mehr. Es waren viele positive Rückmeldungen dabei, aber auch solche, die uns gegenüber kritisch eingestellt sind.

Sie haben St. Romans Jäger zum Mitmachen eingeladen. Wie viele sind Ihrer Aufforderung gefolgt?
Bis jetzt sind es drei Personen. Insgesamt sind wir 40 Jäger, einige sind noch in der Warteschleife.

Wo sehen Sie in St. Roman die großen Herausforderungen?
Es geht darum, die Verbiss-Situation zu verbessern. Eine natürliche Verjüngung der Mischbaumarten ohne Schutz muss flächendeckend möglich sein, nicht nur auf den ausgewählten Vergleichsflächen. Die Verbiss-Situation ist übrigens für den ganzen Bezirk Schärding eine große Herausforderung, wie das Wildeinfluss-Monitoring des Bundesamtes für Wald aufzeigt.

Wofür steht Ökojagd?
Für eine sehr grundbesitzerfreundliche und transparente Jagd, wo die Abschüsse vom Jagdausschuss auch kontrolliert werden können. Das Ziel unserer Jagd sind nicht starke Trophäen, sondern ein nachwachsender Mischwald und weniger Wildunfälle. Die Beutegreifer werden bei uns nicht gnadenlos verfolgt, sondern mit Maß und Ziel tierschutzgerecht bejagt. Und schließlich müssen bei uns die Haustierbesitzer keine Angst mehr um ihre Hunde und Katzen haben.

"Man kann aber nicht die heutigen Anforderungen an die Jagd mit Methoden des vorigen Jahrhunderts lösen."

Ökojagd wird von der restlichen Jägerschaft angefeindet. Können Sie das verstehen?
Zu einem gewissen Teil kann ich das verstehen, weil wir durch unseren Zugang zur Jagd viele Dinge, die Jahrzehnte so praktiziert wurden, infrage stellen. Man kann aber nicht die heutigen Anforderungen an die Jagd mit Methoden des vorigen Jahrhunderts lösen. Gerade in Zeiten des Klimawandels und der Gefahr der Afrikanischen Schweinepest sollte endlich seitens der Jägerschaft erkannt werden, dass sich gewisse Dinge ändern müssen. Es ist für die Allgemeinheit schwer verständlich, dass nach wie vor Unsummen an Steuergeldern für Zaunförderungen, Schutzwaldsanierungen und Wildwarnsysteme ausgegeben, aber die Ursachen nicht angegangen werden. Wir bekennen uns zur „Mariazeller Erklärung“, die 2012 übrigens von allen Landesjagdverbänden unterzeichnet worden ist. In der jagdlichen Basis ist das aber noch nicht recht angekommen.

Die Jägerschaft wirft Ökojagd vor, nicht so „Öko“ zu sein, wie der Name aussagt.
Die Ökojagd ist keineswegs eine Folge des aktuellen Zeitgeistes, sondern existiert in Oberösterreich schon seit 1997. Diese fördert die Biodiversität, die Artenvielfalt der Tiere und Pflanzen, weil durch die Jagd der Wildstand an den natürlichen Lebensraum angepasst wird. Wer sich davon überzeugen möchte, kann gerne mit mir das Revier in Mörschwang, wo wir seit vier Jahren jagen, besichtigen (Infos dazu: 0664/1802388).

Könnten Sie sich vorstellen, weitere Jagdreviere im Bezirk zu „übernehmen“?
Ja, denn wir haben viel Zulauf von Jägern, die mit der herkömmlichen Jagd sehr unzufrieden sind. Übrigens gab es heuer auch drei weitere Jagdverpachtungen im Bezirk, wo die Abstimmung genauso knapp ausging wie die in St. Roman, nur eben für die örtliche Jägerschaft.

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