Nazi-Lied-Interview mit Lutz Weinzinger schlägt hohe Wellen

Die "Bude" der Burschenschaft Bruna Sudetia in der Strozzigasse in Wien. Lutz Weinzinger ist seit 1964 Mitglied.
  • Die "Bude" der Burschenschaft Bruna Sudetia in der Strozzigasse in Wien. Lutz Weinzinger ist seit 1964 Mitglied.
  • Foto: BRS/Spitzauer
  • hochgeladen von Kathrin Schwendinger

SCHÄRDING. Das BezirksRundschau-Interview mit Lutz Weinzinger, Mitglied der Burschenschaft Bruna Sudetia und ehemaliger Landesparteiobmann der FPÖ, hat ordentlich für Furore gesorgt. Standard, News und orf.at berichteten unter anderem über die Aussagen Weinzingers. Er hatte im Interview die Verfolgung der Burschenschaften mit jener der Juden verglichen und erklärt, die antisemitische Textzeile sei "ironisch" gemeint gewesen. Hier geht's zum Interview.

Die BezirksRundschau hatte den ehemaligen FPÖ-Chef um ein Interview über das mutmaßliche Nazi-Liederbuch der Akademischen Wiener Burschenschaft Bruna Sudetia gebeten. Hintergrund: Die Wiener Wochenzeitung Falter hatte Recherchen veröffentlicht, wonach sich in einem Liederbuch der genannten Burschenschaft antisemitische Liedzeilen befinden sollen. Unter anderem die Strophe: "Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million."

Florian Klenk vom Falter: "Wir werden klagen"

Die Existenz dieses Liederbuches bestreitet Lutz Weinzinger. Was der Falter behaupte, sei eine glatte Lüge, sagte er im Interview. Das will Florian Klenk, Chefredakteur des Falter, so nicht stehen lassen. Am Donnerstag, 8. März 2018, teilte er auf der Social-Media-Plattform Facebook mit: "Wir werden klagen, solange bis auch der letzte Freiheitliche kapiert, dass man Journalisten nur dann 'Lüge' oder 'Fake News' unterstellen darf, wenn man das beweisen kann." Auf Anfrage der BezirksRundschau bestätigte Klenk dieses Posting: "Wir werden definitiv klagen", sagt er. "Herr Weinzinger behauptet, dass wir wissentlich die Unwahrheit sagen. Das muss er beweisen können, was ihm nicht gelingen wird."

Die Grünen fordern unterdessen einen Rauswurf Weinzingers aus der FPÖ: "Wenn Dr. Haimbuchner seine Aussagen ernst meint, muss er Taten folgen lassen und seinen Vorgänger und politischen Ziehvater Lutz Weinzinger aus der Partei ausschließen", heißt es in einer Presseaussendung von Landessprecherin Maria Buchmayr am Freitag, 9. März 2018. "Die NS-Verfolgung der Burschenschaften auch nur ansatzweise mit jenen der Juden zu vergleichen ist ebenso jenseitig, wie die erschreckende Liedzeile des Burschenschafter-Singbuchs als ironisch zu bezeichnen. Es ist die nächste blaue Offenbarung, die nächste Relativierung und Verharmlosung, die nächste Darbietung abstrusen Denkens", wirft Buchmayr vor.

Keine Stellungnahme von Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner

Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner wollte dazu auch auf BezirksRundschau-Anfrage keine Stellungnahme abgeben. In einem Interview mit den Oberösterreichischen Nachrichten zur Liederbuch-Causa Ende Jänner hatte er eine "intensive Aufarbeitung" gefordert: "Ich glaube, dass bei manchen generell im dritten Lager eine Psycho-Hygiene notwendig ist", sagt er dem Interview. "Ich habe schon einmal gesagt, es gibt einen gewissen Narrensaum bei der FPÖ. Wer heute noch in diesen Kategorien denkt und das auch noch zu Papier bringt, der ist nicht ganz dicht."

Und was sagt Lutz Weinzinger über den Aufschrei, den seine Aussagen verursacht haben? "Kein Kommentar" – der ehemalige FPÖ-Landeschef wollte sich zur Klage des Falter nicht äußern.

Kurze Chronik zu den Geschehnissen rund um das vermeintliche Nazi-Liederbuch der Bruna Sudetia:


20. Februar 2018:
Der Falter veröffentlicht die Recherchen zum Liederbuch der Burschenschaft, das antisemitische Strophen enthalten soll.

21. Februar: Die Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen gegen die Bruna Sudetia ein. Die "Bude" in Wien wird durchsucht. Vorsitzender Herwig Götschober, der im Kabinett von Verkehrsminister Norbert Hofer für Social Media-Agenden zuständig ist, lässt sich beurlauben.

22. Februar: Götschober nimmt Stellung zur Hausdurchsuchung. Mehrere Kartons seien mitgenommen worden. Der Inhalt sei ihm nicht bekannt.

23. Februar: Florian Klenk vom Falter gibt bekannt, dass bei der Hausdurchsuchung ein weiteres "Naziliederbuch" gefunden worden sein soll.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen.

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