Interview
"Es gab so etwas wie eine kurze Schockstarre"

Einen schmutzigen Wahlkampf schließt Brückl seitens der FPÖ aus.
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Schärdings FPÖ-Bezirksparteiobmann Hermann Brückl spricht über "Ibiza-Affäre" und Co. Klartext.

BEZIRK SCHÄRDING (ebd). Im Interview spricht Brückl über "Schockstarre", was die Funktionäre im Bezirk von der Ibiza-Affäre halten und ob die Zusammenarbeit mit der ÖVP wirklich eine so Gute war.

Inwieweit hat sich die Lage nach der Ibiza-Affäre wieder beruhigt?
Brückl:
 Gleich vorweg, eine Unruhe ist bei uns in der Bezirkspartei nicht entstanden. Es gab so etwas wie eine kurze „Schockstarre“. Aber nachdem innerhalb kürzester Zeit die richtigen Schritte von Seiten der Bundespartei gesetzt wurden, hat sich das sehr rasch gelöst. Mit Norbert Hofer wurde einer der populärsten freiheitlichen Politiker als Bundesparteiobmann designiert und als sein Stellvertreter wird ihn der ehemalige Innenminister Herbert Kickl unterstützen.

Wie haben Sie diese nicht alltäglichen Stunden erlebt?
Auf Grund meiner mittlerweile über 30-jährigen Arbeit in der Politik, sind mir solche Situationen nicht fremd. Aber natürlich trifft es jeden zutiefst, der sein Herzblut für die Sache einbringt und selbst nur beschränkt eingreifen kann. Während der Erklärung von Kurz, in der er die Neuwahlen ausgerufen hat, war ich bei einer Veranstaltung in Schärding und habe gemeinsam mit Parteifreunden seine Rede mit dem sehr enttäuschenden Verlauf mitverfolgt.

Wie waren die Reaktionen der Funktionäre aus dem Bezirk Schärding?
Die freiheitlichen Funktionäre bei uns im Bezirk haben hochprofessionell gehandelt. Natürlich war man vom Bundesparteiobmann nach Bekanntwerden des katastrophalen Videos enttäuscht. Aber nachdem in unserer FPÖ kein Streit herrscht und wir personell hervorragend aufgestellt sind, haben unsere Leute sehr rasch wieder Mut gefasst. Die Enttäuschung darüber, dass die ÖVP mit Kurz Neuwahlen ausgerufen hat, war wesentlich größer.

Eine Woche vor Veröffentlichung des Videos haben Sie mit August Wöginger bei einer gemeinsamen Pressekonferenz noch von einer sehr guten Zusammenarbeit gesprochen. Wie sehen Sie das aus heutiger Sicht?
Die Zusammenarbeit hat bis zur letzten Minute innerhalb der Regierung und vor allem im Parlament, wo ich ja selbst mitgewirkt habe, hervorragend funktioniert. Das war einfach so. Und ich darf noch einmal betonen, dass es nicht notwendig gewesen wäre Neuwahlen auszurufen. Die ÖVP hatte es in der Hand und noch am Vorabend hat Kurz den Rücktritt von Strache und die Übernahme des Vizekanzleramtes durch Norbert Hofer akzeptiert. Am Samstag war dann Alles anders und plötzlich hat die Volkspartei den Rücktritt von Herbert Kickl als Innenminister gefordert. Völlig ohne Grund, weil er sich nichts zu Schulden hat kommen lassen. Ganz im Gegenteil, er hat eine hervorragende Politik im Sinne unserer Heimat gemacht. Betreffend Pressekonferenz kann ich sagen, dass August Wöginger und ich seit Jahren ein sehr kollegiales Verhältnis haben.

Wie sind Sie mit dem Ergebnis der EU-Wahlen zufrieden?
Unter den gegebenen Umständen, eine Woche vor der Wahl wurde unser Bundesparteiobmann und Vizekanzler aus dem Spiel genommen, muss man sagen, dass es als sehr gut zu bewerten ist. Im Bezirk hat fast jeder Vierte die FPÖ gewählt und das ist jetzt das Fundament auf dem wir aufbauen können. Die Bundespartei mit Norbert Hofer als Bundesparteiobmann wird sicherlich einen Neuerungsprozess vorantreiben. Aus Schärding und aus Oberösterreich, wo wir Freiheitliche mit Manfred Haimbuchner an der Spitze herausragende Arbeit für unser Bundesland leisten, wird er dafür jede nur erdenkliche Unterstützung erhalten.

Wie geht’s nun weiter? Was sagen Sie zur Übergangsregierung?
Wir haben ein sehr gutes Verfassungsgesetz, welches die notwendigen Schritte klar regelt. Von einer Staatskrise sind wir daher meilenweit entfernt. Die Übergangsregierung wird in den nächsten Monaten Österreich entsprechend unseren Gesetzen verwalten. Die politische Arbeit wird das Parlament, soweit sich zu einzelnen Punkten Mehrheiten finden, leisten. In diesem Zusammenhang darf ich festhalten, dass wir Freiheitliche keinen Beschlüssen zustimmen werden, mit denen gemeinsam in der Koalition mit der Volkspartei beschlossene Gesetze wieder rückgängig gemacht werden sollen. Das entspricht unserem Verständnis, ist unsere Handschlagqualität und zeigt, dass man sich auf uns Freiheitliche verlassen kann.

Erwarten Sie sich eigentlich einen schmutzigen Wahlkampf?
Wie der Wahlkampf verlaufen wird, kann heute noch niemand sagen. Für uns Freiheitliche schließe ich einen schmutzigen Wahlkampf definitiv aus. Aber das Ergebnis wird natürlich vom Verlauf des Wahlkampfes geprägt sein. Ich gehe davon aus, dass wir Freiheitliche im Innviertel das Grundmandat schaffen werden. Die Hürde dafür liegt bei etwas mehr als 20 Prozent. Ein Zweier sollte schon vorne stehen.

Sollte HC Strache Ihrer Meinung nach das Mandat im EU Parlament annehmen?
Die Entscheidung das Mandat anzunehmen liegt ausschließlich bei ihm selbst, da er die notwendigen Vorzugsstimmen erhalten hat.

Wenn Sie politisch einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?
Nach über 31 Jahren in der Politik weiß ich, dass Politik kein Wunschkonzert ist. Aber ich hoffe doch, dass die von uns Freiheitlichen eingeleitete gesellschaftspolitische Wende auch nach der nächsten Wahl fortgeführt werden wird. Mehr Unterstützung für die Österreicher, den strengen Zuwanderungskurs weiterführen, mehr Unterstützung für unser Bundesheer und unsere Polizei, eine gerechtere Sozial- und Steuerpolitik und einfach entsprechenden Hausverstand walten lassen, das ist mein Wunsch im Sinne und für die Zukunft unserer Heimat.

Einen schmutzigen Wahlkampf schließt Brückl seitens der FPÖ aus.

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