"Rote Festung"und blaue Ortschef-Träume

Bange Minuten im ÖVP-Bezirksbüro. Spitzenkandidat August Wöginger (r.) verfolgte skeptischen Blickes die ersten Hochrechnungen.
  • Bange Minuten im ÖVP-Bezirksbüro. Spitzenkandidat August Wöginger (r.) verfolgte skeptischen Blickes die ersten Hochrechnungen.
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  • hochgeladen von David Ebner

BEZIRK (ebd, lenz). Von den 30 Schärdinger Gemeinden konnte die ÖVP in 24 die stärkste Partei stellen. In fünf Gemeinden ist die FPÖ stimmenstärkste Partei. Die SPÖ ist und bleibt in der Bezirksstadt bestimmende Kraft. "Mit 29,01 Prozent hat die SPÖ klar den ersten Platz erreicht. Das Ergebnis liegt klar über dem Bundes- und Landesschnitt, was uns sehr stolz macht. Damit sind wir aber leider auch die einzige verbleibende „Rote Festung“ geblieben", sagt SPÖ-Stadparteiobmann Günter Streicher. Obwohl die Spitzenposition sowie Zuwächse in Münzkirchen, St. Aegidi und Waldkirchen positiv seien, zeigt sich Bundesrat Werner Stadler wenig erfreut: "Ein Minus ist ein Minus – und nicht sehr erfreulich." Die Ergebnisse im Bezirk seien genauso unerfreulich wie jene auf Bundesebene. Gründe dafür sieht er in der Schlechtmacherei der bisherigen Regierung während des Wahlkampfes. "Man muss sich überlegen, wie Politik in Zukunft gemacht werden soll. Und wie man diese den Leuten vermittelt", meint Stadler.
Jubelstimmung herrscht bei der FPÖ. "Dass wir in Andorf und Riedau stimmenstärkste Partei wurden, hat mich persönlich sehr überrascht", so Bezirksparteiobmann Hermann Brückl. Auch in Raab, St. Florian und Enzenkirchen haben die "Blauen" die Nase vorne. "Das ist ein guter Grundstein für die Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2015" so Brückl. Nachsatz: "Wenn wir gute Kandidaten finden, wäre es durchaus denkbar, erstmals auch einen FPÖ Bürgermeister im Bezirk zu stellen."

ÖVP hat sich mehr erwartet
"Es hätte besser sein können", meint ÖVP-Bezirksparteiobmann und Innviertler Spitzenkandidat August Wöginger. "Aber wir liegen im Bezirk um rund acht Prozent über dem Landesschnitt und fast zehn Prozent über Bundesschnitt." Jetzt sei es laut Wöginger wichtig, die große Erwartungshaltung der Bürger zu erfüllen. "Auf Bundesebene muss man jetzt aber vorsichtig sein, welche Reformen durchgeführt werden. Denn wie das Beispiel Steiermark zeigt, werden nicht alle Reformen von den Bürgern goutiert." Überraschend sei für Wöginger auf Bezirksebene das Abschneiden des BZÖ. Über die FPÖ meinte er: "Eine ähnliche Situation hatten wir bereits 1999, herausgekommen sei danach aber nichts."

BZÖ – wie gehts weiter?
Gejubelt wird auch in St. Roman. Bürgermeister Siegfried Berlinger vom BZÖ erreichte für die Orangen mit 31,36 Prozent das beste österreichweit beste Ergebnis. "Das macht einen schon stolz", sagt Berlinger. Doch wie geht es nun weiter, nachdem die Bundespartei den Einzug in den Nationalrat verpasst hat? "Wir werden uns erstmal zusammensetzen und schauen, wie wir weiter machen können. Leichter wird es aber bestimmt nicht." Und was passiert bei einer etwaigen Auflösung der Partei? "Uns haben im Bezirk fast schs Prozent gewählt. Man sieht also, dass Potenzial da ist. Wir tragen diesen Bürgern gegenüber eine gewisse Verantwortung. Wir schauen, dass sie weiterhin Gehör finden, damit sie uns nicht umsonst unterstützt haben."

"Rechtsruck macht mir große Sorgen"
Obwohl das gesteckte Ziel nicht erreicht wurde, zeigt sich Grüne-Spitzenkandidatin Veronika Hintermair mit dem Ergebnis angesichts der Zuwächse im Innviertel nicht unzufrieden. "Trotzdem hätten wir natürlich gerne mehr gehabt", gibt sie zu und hofft noch auf ein paar Wahlkarten-Stimmen. "So wie es jetzt aussieht, werden wir in die Opposition gehen. Politische Macht braucht auch Kontrolle", blickt sie dem zuversichtlich entgegen. Weitaus größere Sorgen mache ihr aber ohnehin der Rechtsruck. "Ich hätte gedacht, dass die Menschen die Korruptionsarbeit mehr honorieren. In diesem Klima der Politikverdrossenheit ist das Aufspringen auf populistische Politik halt sehr einfach."

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