Sie sagt den Tücken des Frauenlebens den Kampf an

Veronika Hintermair aus Andorf ist Spitzenkandidatin im Innviertel für die Grünen bei der Landtagswahl.
  • Veronika Hintermair aus Andorf ist Spitzenkandidatin im Innviertel für die Grünen bei der Landtagswahl.
  • Foto: Die Grünen
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BezirksRundschau: Bereits bei den Nationalratswahlen 2013 waren Sie Spitzenkandidatin der Grünen für den Wahlkreis Innviertel. Nun soll`s in den Landtag gehen. Was möchten Sie dort erreichen?
Veronika Hintermair: Ich möchte über konstruktive Zusammenarbeit mit den künftig vertretenen Parteien erreichen, dass grüne Forderungen in Oberösterreich und besonders im Innviertel erfüllt werden. Dazu gehört die geradlinige Auseinandersetzung, selbst wenn Meinungen sehr unterschiedlich sind – letztendlich sind wir verpflichtet, für die Bürger Lösungen zu erarbeiten, die gutes Leben in unserem Bundesland langfristig ermöglichen. Bildung, Gesundheit, Pflege und Betreuung, Verkehr, Wirtschaft und Landwirtschaft und sind einige wichtige Lebensadern. Diese sind wiederum abhängig von Bedingungen, die unsere Regionen seit vielen Jahren geschichtlich und landschaftlich prägen. Die weltweite Globalisierung veränderte die Bedingungen für unsere Betriebe, unsere Landwirtschaft und beinahe sämtliche Arbeitsplätze. Als Grüne Politikerin will ich jedenfalls für Verteilungsgerechtigkeit arbeiten, das beginnt beim Schutz von Naturräumen und setzt sich fort bei der "Fair-Teilung" von Arbeit und Einkommen.

Was denken Sie, muss sich im Innviertel ändern?
Diese Frage würde ich gerne ändern: Was soll im Innviertel erhalten und errichtet werden? Ein Beispiel: Unsere eher kleinstrukturierte Landschaft soll durch unsere tüchtigen Landwirte mit einem ausreichend entlohnten Arbeitsplatz am Bauernhof erhalten werden. Derzeit stehen zu viele bäuerliche Betriebe vor der Frage des Wachsens hin zu einer Agrarfabrik mit unermesslichen Ausgaben und langfristige Verschuldung oder des Weichens in einen anderen Arbeitsplatz, der fast immer zu einem Pendler-Dasein führt. Ich zähle mich zu den Anhängern der sogenannten Postwachstumsökonomie. Ungehemmtes Wachstum ist nicht notwendig, wenn wir es schaffen, die regionale Kreislaufwirtschaft gut in Schwung zu halten. Damit verbunden sind Arbeitsplätze in klein- und mittelständischen Betrieben, ganz wesentliche Lebensadern unserer Wirtschaft. Wenn wir noch länger den Großkonzernen hörig sind, indem wir ungeheure Ausmaße an Boden für einander konkurrierende Einkaufszentren samt Infrastruktur verhökern, dürfen wir uns nicht wundern, wenn später Bauruinen unser Landschaftsbild prägen und Starkregenereignisse rasch zu Überschwemmung führen. Ich denke, wir Innviertler sind zu mehr fähig, nämlich zu sinnvoller Nutzung unserer Ressourcen. Natürlich fehlt es uns noch an guten Bedingungen wie ein attraktives und leistbares Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln, um das Zweitauto einsparen zu können, am Ausbau der raschen Internetverbindung, des Netzes für herkömmlich und alternativ erzeugten Strom – ich frage mich schon, weshalb wir noch immer keine wirkungsvollen Genossenschaften für Photovoltaik auf landwirtschaftlichen Gebäuden haben.
Der Erhalt schützenswerter Flächen und Gewässer ist leider zu sehr in den Hintergrund gerückt. Auch das Innviertel ist Teil des traurigen Befundes am kürzlich begangenen Welt-Erschöpfungstages, da muss ich nur an den Zustand vieler Böden und Gewässer denken – intakte Moore und Feuchtwiesen halten unser Klima in einem Ausmaß stabil, über das wir kaum nachdenken.

Welche Themen liegen Ihnen an Herzen?
Das vorhin Gesagte gehört zu den Kernanliegen. Dazu kommt, dass die Bedingungen für ein Leben als Frau wesentlich verbessert gehören – Arbeitsplätze, Ausbildungschancen, Kinderbetreuung, Betreuung im Alter – und das zu Bedingungen, die es uns als Frauen ermöglichen, selbstbestimmt und nicht ausgebeutet zu leben. Modernes Frauenleben hat Tücken – hinter der Karriere versteckt sich oft ausbeuterisches Leben, gerade wenn unterstützende Systeme fehlen und/oder nicht erschwinglich sind. Klar ist auch, dass diese Themen fast immer mit Bundesregelungen zusammenhängen. Deshalb ist es wichtig, dass wir auch im Nationalrat gut vertreten sind. Ernährung und Essen sind mir wichtige politische Themen. Mit jedem Bissen beeinflussen wir unsere Gesundheit, unsere Umwelt und unser Klima. Die Förderung der Lebenskompetenz Ernährung würde ich für die Kinder und Jugendlichen als eines der ersten Bildungsthemen im Landtag vorantreiben.

Ein Thema, das alle Menschen derzeit bewegt, ist die Unterbringung der Asylwerber. Wie stehen Sie dazu?

Das Maßnahmenpaket von ÖVP, SPÖ und den Grünen ist beschlossen und wirkt. In den Bezirken steigt die Zahl der geschaffenen menschenwürdigen Quartiere und fördert den schrittweisen Ausstieg aus Zeltlagern. Mit dem Beschluss des Unterbringungs-und Sicherstellungsgesetzes wird den Flüchtlingen und den Gemeinden geholfen, es ist auch ein Schritt gegen die Strategie der Hetze durch die FPÖ. Sehr viele Oberösterreicher haben bereits mehrmals gezeigt, dass sie sehr gut wahrnehmen können, was Flüchtlingselend ist und zeigen menschliche Kompetenz. Rechtzeitige und gute Aufklärung über die Lebensumstände der Flüchtlinge und über die Asylverfahren sind ganz wichtig, um verstehen zu können, worum es wirklich geht.

Ein kleiner ökologischer Fußabdruck ist für Sie besonders wichtig – wie realisieren Sie diesen?

Durch bewusstes Einkaufs- und Essverhalten, möglichst ökologische Fortbewegung, Sparsamkeit bei Verbrauch von Energie ökologischer Herkunft. Mein aktueller Fußabdruck beträgt trotzdem 3,77 gha (österr. Durchschnitt ist 5,31 gha). Ein gut funktionierendes ÖFFI-Angebot würde mir helfen. Ich freue mich auf die schrittweise Umsetzung eines 365 Euro-Jahrestickets für alle ÖFFIS in Oberösterreich.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Landtagswahl?

Die tatsächlich spannende Frage am Wahlabend wird sein: Welchen politischen Kurs schlägt das Land ein? Oberösterreich ist ein erfolgreiches Land und ich würde darin gerne das Innviertel mit-vertreten. Dafür brauche ich wesentlich mehr Stimmen für die Grünen, als es 2009 erfreulicherweise bereits waren. Zur Fortsetzung des Erfolgskurses von Schwarz-Grün lade ich besonders die Frauen ein, das Wahlrecht zu gebrauchen und "grün-dlich" zu überlegen, wem sie das Vertrauen schenken.

Steckbrief von Veronika Hintermair

Alter: 61 Jahre
Familienstand: verheiratet mit Josef
Als ich klein war, wollte ich werden... Krankenschwester
Am liebsten esse ich... Gemüselasagne mit Sellerie-Bechamel
Familie ist für mich... Rückhalt und Zukunft für die Welt, besonders unser kleiner Enkel
Mein Lieblingsplatz im Innviertel ist... unterm Nussbaum in unserem Garten
Dieses Buch habe ich zuletzt gelesen... Die Entscheidung – Kapitalismus vs. Klima von Naomi Klein
Dieser Versuchung kann ich nicht widerstehen... Kardinalschnitte, gebacken von unserer Mehlspeisenbäurin Maria

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